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Dessous und Begehren: die Sexualisierung von Wäsche

Ich habe mich schon häufiger gefragt, wie ich mein Interesse für Bra Fitting so verpacke, daß bei “Nicht-Initiierten” richtig ankommt; die erste Reaktion wenn ich sage, ich beschäftige sich mit Unterwäsche, ist nämlich eher sowas wie peinlich berührtes Schweigen. So, als hätte ich – ungefragt – über meine sexuellen Vorlieben geplaudert. Ja, erm, Themenwechsel?!

Meine nachgeschobene Erklärung, es ginge um passende BHs für Frauen, was ein verbreites (gesellschaftliches!) Problem sei, und – naja – erst mal um Funktionskleidung, wird dann schon gar nicht mehr wahrgenommen; ist quasi dem Jugendschutzfilter zum Opfer gefallen. Und der kommt schon mit einem ganzen Set von Assoziationen (sonst würde das Filtern ja nicht funktionieren). Nach dieser Vorstellung ist dann auch Dessous-Blog = Bilder von sich für den ‘male gaze’ räkelnden, halbnackten Frauen in Häuchen von Nix. 

Verrückterweise ist für mich die ganze Angelegenheit mit den BHs ja in erster Linie feministisches Projekt – also ein Weg, Frauen zu einem besseren Körpergefühl, mehr Selbstvertrauen und optimierter Bewegungsfreiheit zu verhelfen. Man könnte also, provisorischerweise, sagen: das Gegenteil von dem was mir unterstellt wird. 

Mir ist es total wumpe, was eine Frau drunterträgt, so lange es hält und stützt und formt wie sie möchte und sie sich damit wohl fühlt. Es kann ein sog. Brustpanzer sein, ein T-Shirt-BH, ein durchsichtiges Stückchen Tüll oder ein bondage-inspiriertes Retroteilchen – I don’t care. Das ist – erst mal – persönliche Geschmackssache. Was ich mir wünsche, ist daß diese Vorstellungen des Ideal-BHs für alle Frauen, unabhängig von Körperform (in erster Linie), real umsetzbar sind, daß also der Markt ein Angebot bereitstellt, daß sich mit der realen Vielfalt der Frauen deckt (zumindest annähernd). Und dann können wir über individuelle Vorlieben im Design sprechen.

Diese Herangehensweise reflektiert natürlich stark meine persönlichen Gewichtungen: ich betrachte BHs eben erst mal als Unterwäsche, in diesem Sinne Funktionskleidung, und hänge einem gewissen “form follows function”-Pragmatismus an. Wie vermutlich der Mainstream der deutschen Frauen. Trotzdem möchte ich nichts tragen müssen, was ich selber unattraktiv finde; d.h. jenseits von Lingerie-Begeisterung in einem sexuellen Kontext muß ich mich in einem solchen ausziehen können, ohne das Gefühl zu haben irgendwie… äh… unpassend gekleidet zu sein. ;-)

Das ist natürlich ein sehr niedrigschwelliger Anspruch wenn es um die Kleidsamkeit von Lingerie geht, der nicht nur etwas mit dem Mangel an sexy Wäsche in meiner Größe zu tun hat, sondern auch mit meinem mangelnden Interesse am “sich in Szene setzen”. Umgekehrt zur eingangs erwähnten gängigen Unterstellung, muß ich mir nämlich oft selber auf die Finger klopfen, nicht in Tendenzen von Slutshaming zu verfallen.

Ja, richtig gelesen, Slutshaming. Oweia. 

Bei mir spult sich beim Stichwort “sexy Dessous” gleich der ganze Katalog von Vorurteilen ab: Standard-Porno-Optik mit Plastiktouch, kein Körperhaar, rote Plastik-Spitze, Beate-Uhse-Katalog. 

Mein Problem ist nämlich, daß ich – offensichtlich genau wie die Leute, die mir einen Wäschefetisch unterstellen – so krass geprägt bin von der üblichen Darstellung von Frauen in der Werbung, daß ich mir Dessous nur noch an gänzlich passiven Objekten männlichen Begehrens vorstellen kann: die gezeigte Person reduziert sich im Bild auf den reinen Körper, von ihrer Subjektivität bleibt quasi nichts übrig. Im Gegensatz zu einer explizit fetischisierten Darstellung, beispielsweise in einem BDSM-Kontext, in der die Unterwerfung gerade den Kink ausmacht, ist diese im Werbebild unmarkiert vorausgesetzt. Dazu kommt natürlich auch die Konsens-Frage: was in einem ‘Vanilla-Zusammenhang’ creepy und rapey ist, ist in einem s/D-Verhältnis abgesprochen und vereinbart. Vielleicht kann man es so erklären, was mich so extrem stört. Dieses ganze “Wickel mich aus, ich bin dein Geschenk”-Topos, das mit der Idee permanenter Verfügbarkeit und dem Diktat von sterilster Attraktivität daherkommt, das nervt mich einfach. Bäh.

Selbstverständlich sollte man aus der medialen Darstellung nicht ableiten, daß Frauen, die gerne schöne Wäsche tragen, sich damit automatisch zum willenlosen Objekt männlicher Begierde machen und sich damit irgendwie anti-feministisch verhalten. (Das war, was ich mit Slutshaming meinte.) Nicht nur, weil das Begehren auch ein nicht-normativ heterosexuelles sein kann, sondern auch weil Sexualität in ihren unterschiedlichen Ausprägungen sowieso kein Gegenstand von Wertung oder Beurteilung sein sollte. Es ist einfach wie es ist. Neben Slutshaming beinhaltet das auch Kinkshaming. Nur weil ich jetzt Lingerie nichts ungewöhnlich aufregendes abgewinnen kann, heißt das ja nicht, daß ich anderen das absprechen, schlechtmachen oder sonstwie "vorwerfen" sollte. Insofern weiß ich auch, daß meine eingangs erwähnte Abwehreaktion gegen die Unterstellung, ich hätte eine sexuelle Affinität zu Wäsche, alles andere als unproblematisch ist.

Es ist irgendwie schwierig...

Was auf jeden Fall schon mal ein Schritt in die richtige Richtung wäre, um aus der "Objektfalle" rauszukommen wäre eine andere Form von Präsentation. Ungefähr zeitgleich zu dem Beitrag, der den Denkprozess zu diesem Post anstieß (Diversity & Sexuality: Talking About the Way We Talk About Victoria’s Secret bei The Lingerie Addict), durchsuchte ich bei tumblr den “Red Lingerie”-tag – inspiriert von Anja’s Rote Wäsche zu Silvester-Zusammenstellung – und neben dem ganzen expliziten Material das ich fand (es ist halt tumblr!) war kaum ein Bild dabei, das ich jetzt guten Gewissens hätte rebloggen wollen. Dabei waren meine Kriterien eigentlich nicht so wirklich revolutionär. Ich wollte ein Werbebild, das mehr auf das Gefühl der Frau mit sich selbst abzielt als implizite Einladung zur sexuellen “Benutzung” ist, also eine Darstellung von Subjektivität, von Aktivität, von Empowerment, von Selbstaneignung, von Zufriedenheit, Spaß, was auch immer. Irgendetwas *in* der gezeigten Person als Individuum, wozu ich mich in Verbindung setzten kann…

Dazu gehört auch die vielzitierte Diversity, also eben nicht nur die Abbildung von jungen, schlanken, weißen, able-bodied CIS-Frauen mit 0815-Brustgröße, die man bis zur Unkenntlichkeit gephotoshopped hat, sondern Women of Colour! Transfrauen! Dicke Frauen! Behinderte Frauen! Kleinbrüstige Frauen! Großbrüstige Frauen! Frauen mit Tigerstreifen! Frauen über 40! In verschiedenen Konstellationen! Go! Go! Go!

So wie die Dinge gerade liegen, ist ein schlecht ausgeleuchtetes tumblr-Selfie ungefähr 3ooomal sexier als die üblichen Werbebilder. Tatsächlich habe ich festgestellt, daß es mir hilft, andere als die üblichen Werbe-Körper in Unterwäsche zu sehen, um aus dieser Gleichsetzung von Dessous=Geschenkverpackung rauszukommen und den Spaß nachvollziehen zu  können, den viele an schöner Unterwäsche haben. Denn darum geht’s ja letztendlich.

So, es ist zwar noch längst nicht alles dazu gesagt, aber hier ist jetzt erst mal Schluß mit Bekenntnis.

Wie immer interessiert mich eure Meinung! Her mit den Kommentaren!

agent provocateur
Rosie Huntington-Whiteley in the Commercial Love me Tender for Agent Provocateur,
one of my favourite brands when it comes to sexist cliches (see rant linked below)
Very male-gazey but at least with a surprising turn...
Vielleicht auch interessant:

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Surprise: I love lila

... auf jeden Fall mehr als rosa!

Es ist mal wieder Zeit für einen kurzen Rant, der absolut gar nichts mit BHs zu tun hat. 

Ich komme in letzter Zeit jeden Tag an einem riesigen Plakat am Alex vorbei, das eine neue Kinderüberraschungs-Version bewirbt, "nur für Mädchen". Der passende Slogan dazu ist "Ei love rosa". Sieht so aus, als hätte Ferrero eine neue Dimension zu Spiel, Spaß und Schokolade hinzugefügt, die passenderweise auch mit S beginnt: Sexismus.

Ein paar hundert Meter die Straße runter hat jemand immerhin auf einer Litfaßsäule ganz passend kommentiert: "Sexistische Kackscheiße" steht da und ich bin dann wieder ein wenig versöhnter mit der Welt.

Trotzdem verstehe ich nicht, wieso man nach Jahrzehnten unisex-Spielzeug plötzlich Mädchen mit einer so reaktionären Kampagne konfrontieren muß. Als gäbe es nicht immer noch genug Klischees, die man als Frau von Kindesbeinen an eingetrichtert bekommt. Klar mögen wir alle rosa und Glitzer und Plüsch und das ist auch schon so ziemlich der Kern unseres Wesens als zartes Geschöpf von einem anderen Planeten. Grrrr.

Ganz witzig dagegen ist die hier vorgeschlagene Abänderung: Neues vom Campus. Heute: Überraschung. (Da kann man auch das Poster sehen, von dem ich spreche)

Vgl. auch TAZ-Artikel von heute: Ein Stück vom Lillifee-Zauberstab (hat mich gerade an meinen Entwurf zu diesem Posting erinnert, der hier schon seit letzter Woche vor sich hin staubt.)
 

Promobild von Ferrero
www.kinderueberraschung.de

Read post in English after the jump.

Surprise: I love purple...
... better than pink

It's time for one of my little rants.  (This has nothing to do with bras.)

Every day I pass a gigantic advertisment for the sweet Kinderüberraschung (surprise for children), a chocolate egg containing a toy inside. The newest campaign is targeted at girls. With the slogan "Ei love rosa" (Ei is egg but also a pun on english I, while rosa means pink) they want to establish an extra line "for girls only". SIC!!

Usually I quite like the idea of the suprise-egg and over the years bought countless of them myself and I really cannot understand the decision to go for such a reactionist strategy. Since its launch in the mid-70s the egg has been advertised as an unisex sweet - and now, in 2012, suddenly they change for an antiquated gender role approach?!

Honestly, I'm absolutely appalled! Shame on you, Ferrero!

If you wonder how the ad actually looks like, follow this link: Neues vom Campus. Heute: Überraschung. (BTW I like the idea of turning it into a campaign for Rosa Luxemburg as the Frankfurter Gemeine Zeitung suggests.)

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I'm a fookin' Rocket Scientist!

So, die Nörgelwoche ist zwar rum, aber kopfmäßig stecke ich immer noch an ein paar Punkten fest...

Echt beeindruckt hat mich die Beliebtheit des Kondom-Postings - wurde sogar bei der Mädchenmannschaft verlinkt. Wow. o.O (Sehr gefreut hab ich mich übrigens auch über das allgemeine Lob der Faserpiratin in ihrem Beitrag Busty Girl Problems. Daanke!)

Vor allem habe ich aber noch recht lange über die Einwände zu meiner Einschätzung des Agent Provocateur-Videos nachgedacht und darüber, wie eine systematische Analyse meiner Probleme damit aussehen könnte. (Weil es doch recht lang geworden ist, gibt es den Text erst nach dem "Jump")

Nur ganz kurz vorneweg: Selbstverständlich will ich nicht dieses eine Video als Wurzel allen Übels ausmachen - es gibt viele schlimmere Darstellungen; und wie noch niemand Amok gelaufen ist, nur weil er zu viele Egoshooter gespielt hat, so wird auch das eine Video niemanden zum Hardcore-Sexisten oder Vergewaltiger machen. Allerdings bilden solche Produkte die Spitze eines Sexismus-Eisbergs und eines Klimas, in dem Frauenkörper als verfügbar und objekthaft konstruiert werden. 

Bei Frauen kommt das auch so an - wie man an der Sache mit dem Tausch von Intelligenz gegen größere Brüste sehen kann. Da die Aufmerksamkeit, die man von Männern bekommt, häufig an ein sexuelles Interesse gebunden ist, ist offensichtlich für viele die logische Konsequenz, sexier, attraktiver, schöner sein zu wollen.

Ich meine, wie verrückt kann man sein, Intelligenz gegen optische "Verbesserung" eintauschen zu wollen? Umgekehrt würde ich mich noch drauf einlassen (kleinere Brüste, mehr Intelligenz. :D) - aber so? Damit reduzieren sich Frauen doch selbst auf ihre Funktion als Sex-Objekt?!

Neben dem Umstand, daß unter Anerkennung dieser 'Wahrheit' über das Geschlechterverhältnis unglaublich viel Zeit, Geld und Arbeit auf ein möglichst perfektes Aussehen verwendet werden muß, heißt das auch, das man platonische Freundschaften mit (heterosexuellen) Männern recht kategorisch ausschließt (bei der Gelegenheit übrigens eine Empfehlung der Friendzone-Rants von 'Paula') - irgendwie ist das furchtbar anachronistisch und echt traurig, oder?

Gar nicht phallisch gemeint sondern titelbezogen:
NASA Magnum Booster Rocket
Assoziiert habe ich übrigens zu der Intelligenz vs. Brüste-Entscheidung einen Charakter aus der britischen TV-Serie Misfits (eine Art Parodie auf Heroes): Kelly ist eine der fünf 'Misfits', die zur Strafe für kleinkriminellen Vergehen Sozialarbeit leisten müssen; durch ein Gewitter bekommen einige Menschen, u.a. die besagen fünf, auf mysteriöse Art und Weise Superkräfte, was zu allen möglichen Verwicklungen führt.
Kelly stammt aus der Unterschicht, ist extrem prollig (Chav-Stereotyp) und tough und - wie ich finde - eine ganz gute Identifikationsfigur. Komplexe, eigenständige, weibliche Charaktere sind ja leider auch heutzutage (fast 17 Jahre nach Xena und 15 Jahre nach Buffy) nicht allzu häufig zu finden.

In der dritten Staffel hat Kelly eine neue Superpower, die einen herrlichen Kontrast zu ihrem sonstigen Auftreten bildet - sie ist, wie sie es selbst so schön sagt "a fookin' Rocket Scientist", also eine Raumfahrt-Ingenieurin... Das will ich auch werden, wenn ich groß bin. ;-)
Video-Tribut an Kelly
(Achtung, Staffel 3-Spoiler!)



Habt ihr auch weibliche Identifikations-/
Lieblingsfiguren aus TV-Serien?

- Post-Jump-Text -


Nachtrag zum Agent Provocateur-Video
Ich denke auf einer sehr grundlegenden Ebene stört mit die globale Sexualisierung von Frauenkörpern - und zwar in einer Art und Weise, in der Frauen nur noch als Körper, als Objekt der Lust in Erscheinung treten und nicht als Subjekt. Die Kameraeinstellung, die Pose, der Gesichtsausdruck drücken meist irgendwas zwischen zwischen f*ck oder fütter mich aus. (Btw: Becky von Busts4Justice hat kürzlich den leeren Blick der Victoria Secrets-Models bemängelt.)

Wenn man sich kulturelle Produkte (nicht nur Werbung, sondern auch Mainstream-Filme) ansieht, dann stellt man fest, daß Frauen häufig einzig und allein die romantische (Handlungs-)Motivation für den Helden des Filmes darstellen. Man sieht selten Frauen als Akteurinnen, als Handlungsträgerinnen, als irgend*jemand*, der nicht in erster Linie erotisch besetzt ist, sondern individualisiert wird, jemand der im Plot als vollständige Persönlichkeit auftreten darf.

Mit der Verobjektivierung der Frauen entsprechend regelmäßig auch eine Opferrolle einher - nicht nur in fiktiven Zusammenhängen (vgl. dazu bspw. das Feminist Frequency-Video: Tropes vs. Women - The Woman in the Refrigerator), sondern eben auch der Realität. Die Mädchenmannschaft (wie oft hab ich die Website diese Woche verlinkt?!) berichtete neulich von einer Studie dreier Neurologinnen aus Princeton und Stanford, die belegt, daß es durchaus eine Korrelation zwischen der Tendenz einer Objektivierung von Frauen gibt, wenn sie sexualisiert dargestellt werden: From Agents to Objects: Sexist Attitudes and Neural Responses to Sexualized Targets (ca. Von Akteurinnen zu Objekten: Sexistische Einstellungen und neurale Reaktionen auf sexualisierte Darstellung von Frauen | Link zur Studie als PDF | Link zum Beitrag bei der Mädchenmannschaft).

Nun begibt man sich mit solchen naturwissenschaftlichen Abhandlungen auch recht schnell auf glattes Eis - im Endeffekt will man ja auch keine Minirock-Argumente bestätigen. Aber unter Vorbehalt einer vorausgehenden gesellschaftlichen Prägung der Sichtweise, reflektieren solche Studien natürlich die Problematik einer Darstellung, die eben vorwiegend nicht über Aktivität, Individualität, Autonomie usw. funktioniert, in Konsequenz nicht mit der Repräsentation von Männlichkeit vergleichbar ist.

Guckt man sich das Agent Provocateur-Video nun unter diesem Gesichtspunkt der Subjektivität an, dann stellt man schnell fest, daß es hier zwar zweierlei Formen von Objektivierung gibt - auf der einen Seite zum Opfer und auf der anderen zur Schaufensterpuppe - aber keinerlei echte Akteurinnen, im Sinne von Handlungsträgerinnen. Sämtliche Frauen werden einfach ganz klassisch unter dem Aspekt ihres erotisierten Körpers ausgestellt. Und dazu kommt dann noch die sehr deutliche Implikation sexualisierter Gewalt.

Ein Freund schickte mir gestern den Link zu einem Beitrag, in dem erklärt wird, weshalb die Advertising Standards Authority (offensichtlich sowas wie unser "Werberat") den Vorwurf - den ich teile - , das Video sei "verstörend und misogyn" zurückweist. Die Begründung lautet daß zwar "einige Zuschauer einige der Szenen geschmacklos finden könnten", aber "die höchst stilisierte Natur und der klar fiktionale Gehalt des Videos sprächen dafür, daß es unwahrscheinlich sei, daß der Großteil der Zuschauer es auf eine Art interpretierten, wie es die Beschwerde nahelege". Entsprechend seien Clips dieser Art "nicht erniedrigend für Frauen und es unwahrscheinlich, daß sie ernsthaft oder verbreitet als beleidigend aufgefaßt würden."

Agent Provocateur beteuert derweil, daß das Video schließlich keinerlei (sic!) Gewalt gutheiße. (Zitat: 'Stressing that the clip "did not condone violence in any form"...') Äh ja...

In eine ähnliche Richtung gingen die Einwände per Kommentar (zu meinem Ursprungsposting) von Kati , daß das Video ja eigenen Neigungen korrespondieren könne und damit subjektiv unproblematisch sei. Wenn man also (wie ich) davon ausgeht, daß sexuelle Vorlieben nichts sind, auf das man rationalen Zugriff hat und sich daher einer "moralischen" Bewertung entzieht, verändert das was an meiner Einschätzung des gezeigten Inhalts?

Ich würde sagen nein, und zwar mit folgender Begründung.
Klar, gibt es Menschen mit Vergewaltigungsphantasien, die die Darstellung von nichtkonsensualem Sex in einem fiktivem Produkt (eigene Vorstellung, Geschichte, Film, whatever) anturnt. Das ist sogar recht verbreitet. Im besten Fall kann man sich aber gezielt aussuchen, ein solches, pornographisches Produkt zu konsumieren, indem man nach Stichworten sucht, Triggerwarnungen und Disclaimer liest etc. pp. 
(Ich finde es übrigens auch ziemlich problematisch, daß viele Mainstreamfilme sexuellen Mißbrauch zeigen, ohne darauf irgendwo gesondert hinzuweisen und ich kenne viele Frauen, die damit ein wirklich riesiges Problem haben.)

Es gibt auch Menschen in der BDSM-Szene (zu der sich die Kommentatorin zurechnet), die auf einer konsensualen Ebene solche Phantasien ausagieren. In einer solchen Situation kann dann auch ein Nein als Ja definiert werden (und ein Nein z.B. als Regenschirm) - das ändert aber nichts an der sonstigen Allgemeingültigkeit von Nein. Gerade im Kontext von BDSM gibt es, aufgrund der spezifischen Wünsche, ein erhöhtes Bewußtsein für Kommunikation und Einvernehmlichkeit.

Im Fall Vergewaltigung fallen Realität und Phantasie so weit auseinander wie nur irgend möglich! Das eine hat mit dem anderen nichts, wirklich nichts gemeinsam! Sexuelle Übergriffe sind eben nicht ausschließlich eine erotische Vorstellung, sondern für viele Frauen (und auch einige Männer) realer und traumatischer Teil ihrer Erfahrungswelt.

Und da sind wir genau an dem Punkt, an dem ich eine Darstellung, wie sie Agent Provocateur gewählt hat, einfach schwierig finde: das Video ist eben nicht primär auf Lustgewinn gerichtet, also pornographisch, und natürlich richtet es sich nicht heimlich an Lesben mit SM-Hintergrund. Es soll als Werbeclip für ein Mainstreampublikum funktionieren, also für ganz normale Frauen und Männer, die vorwiegend Vanilla-Sex praktizieren. Die Version, die mir zugezwischert wurde, war im Youtube-Channel des Männermagazins GQ gepostet (und wird dort eifrig kommentiert - mit sowas wie "I was scared stiff... so to speak :-)" oder "and now... LICK IT"). In diesem Kontext eröffnet sich ein Bild von Erotik via Wäsche, das ich als geprägt von Gewalt gegen und Objektivierung von Frauen empfinde. 

Um noch ganz kurz auf den Einwand einzugehen, wie es wäre, wenn man die Sado-Maso-Zombies durch einen (Hetero-)Mann (oder mehrere) ersetzen würde - ob es das noch schlimmer machte.
Ich denke, daß das in dem narrativen Stil gar nicht funktionieren würde. Dazu sind die Unterwäschemodels zu deutlich ferngesteuert. Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, wie das Video noch funktionieren würde, wäre wenn das Slasher-Film-Moment aufgegeben und die Opferrolle männlich besetzt würde. Tatsächlich würde das die Hierarchie soweit umdrehen, daß das Video vielleicht einigermaßen erträglich wäre.

So... ich glaub das war's jetzt... Demnächst wieder was zum Thema Bra Fitting. ;-)


Nachtrag: So macht man das mit dem Plastik...


Comments:
  • tongueincheck
    Kelly ist mein Lieblings-Charakter. :-)
  • george
    Jaaaa, sie ist sooo cool. B)
  • MiaRose
    OT Spoiler: Bei dem Post hätte ich ja gedacht, dass du Alishas originale &#039Gabe/Fluch&#039 erwähnst. Wobei ich nie verstanden haben warum Kelly sich vom Powerbroker so eine Kraft gewünscht hat. Oder warum der dumme Nathan nur 2000 Pfund für UNSTERBLICHKEIT bekommen hat. Aber gut, ich habe die dritte Staffel auch noch nicht geschaut.
    Ich habe so mit fast allen weiblichen Figuren im TV so meine Probleme. Ganz übel finde ich momentan die Frauen in The Walking Dead. Aus der Luft gegriffen würde ich allerdings sagen, dass Buffy ganz gut wegkommt, trotz der Sex-->Strafe Korrelation und Daenerys aus A Song of Ice and Fire, mal sehen wie das bei Game of Thrones weiter umgesetzt wird.

  • george
    Oh ja, the Walking Dead... Lori könnt ich ja erschlagen! Ich bin schon drauf und dran einen Anti-Lori-Club zu gründen.

    Apropos Game of Thrones... *geht mal was twittern*

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Best of: Frauenfeindliche Werbung der letzten Zeit

Quelle
Sex sells. (Seit gestern unglaublich viele Klicks für mein Kondomgrößen-Posting bekommen. Dankeschön. Ist ja auch ein wichtiges Thema!) 
Seximus aber offensichtlich auch, sonst gäbe es nicht so viel bescheuerte Werbung. Nachdem ich in letzter Zeit einen guten Teil meiner Freizeit mit der Diskussion von wirklich bodenlosen Kampagnen verbracht habe, hier mal ein "Best of"...

Den Anfang machte ein Clip von PETA, die ja bekannt sind für geschmacklose Reklame (ich sag nur: "der Holocaust auf deinem Teller"), in dem man eine Frau sieht, die wirkt als wäre sie verprügelt/vergewaltigt worden - sie trägt eine Halskrause und nur Unterwäsche unter ihrem Parka. Während sie sich eine Treppe hochschleppt, wird sie von schräg unten gefilmt, so daß man ihr verrutschtes Höschen sehen kann. Der Grund für ihren Zustand ist aber kein Mißbrauch, sondern daß ihr Freund neuerdings Veganer ist und es seither bringt wie ein "tantric Porn-Star". Äh... ja. Sieht voll chic und einvernehmlich aus, was die beiden da machen. Und sie bringt ihm sogar noch Nahrungsmittelnachschub, während er das Loch in der Wand zugipst, das dadurch zustande kam, daß er sie beim Vögeln, Verzeihung Geschlechtsverkehr - vorher wiederholt mit dem Kopf dagegengestoßen hat. 
Sorry Leute, das ist nicht kinky, das ist Körperverletzung!

Boyfriend went vegan:
Mehr Infos:  


Dann gibt es die allgegenwärtige Axe-Werbung zur Weltuntergangsprophezeiung, die mit so reizenden Sprüchen aufwartet wie "Prüf sie mündlich", "Such dir ne Stellung als Missionar" oder auch sehr schön "Egal was sie trinken will - besorg's ihr" - was nicht nur bei mir Assoziationen zu Date-Rape-Geschichten weckt. Aber hey, wenn schon die Welt untergeht, dann "Mach das Beste draus".
Der zugehörige Werbeclip wirkt gegen die Posterkampagne direkt harmlos - ein Mann baut eine Arche, besprüht sich großzügig mit dem beworbenen Deo und schon kommen die Frauen in Scharen angetrabt. 


Das letzte "Highlight" in der Gruselreihe bildet ein Werbespot der EON-Tochter "E wie Einfach":
Neben dem rassistisch/homophoben Gut-Drauf-Sein und dem etwas fragwürdigen Widerstand (ältere Dame haut einen scheinbaren Nazi-Skin - nachdem der auf den Boden gespuckt hat. Was sagt das jetzt über die - antifaschistische? - Motivation aus?! Eben! Im übrigen ist auch nicht jeder Skinhead ein Nazi.) gibt es noch Einfach-Einschlafen, in dem ein Typ seine Freundin per 'Head-Butt' ausknockt, weil sie sich beschwert, nicht schlafen zu können... Ja, wirklich!
Die Firma hat den Clip mittlerweile wieder zurückgezogen und die MacherInnen ihre Verwunderung darüber ausgedrückt, daß ihn manche Leute (zu?) ernst genommen haben. Tja. 


Siehe dazu auch die Beiträge bei der Mädchenmannschaft: E WIE EKELHAFT: Gewaltverherrlichender Werbeclip und "Du hast den Witz einfach nicht verstanden."

Ich bin wirklich entsetzt, was alles so als "witzig" durchgeht...

Passend zum Thema: or ein paar Tagen entdeckte ich bei Venusian Glow den Link zur ganzen Version von Killing us softly. Advertising's Image of Women von Jean Kilbourne. Wenn ihr euch erinnert, ich hatte vor ein paar Monaten schon mal den Trailer dazu gepostet und kann wirklich empfehlen, sich den ganzen Film anzusehen:  Teil 1 auf Youtube | Teil 2 auf Youtube
Es gibt natürlich auch ein paar Punkte, an denen ich nicht hundertprozentig einverstanden bin, aber das meiste, was so gesagt wird, finde ich recht einleuchtend.



Und, kürzlich auch beinahe in die Tischkante gebissen vor Wut?

Kommentare nach dem Jump.


Comments:

  • es ist wirklich schlimm ... manchmal frage ich mich ob wir nach vor oder zurück gehen?!?! das schlimme ist, dass die "junge generation" (u20) sich scheinbar von dieser werbung angesprochen fühlt ... schade! denn andere frauen haben hart dafür gekämpft (ich bin keine kampf-emanze, aber alleine der gedanke, dass ich für gleiche arbeit, weniger bezahlt werde, weil ich eine frau bin, bringt mich dazu mehr als nur in die kante zu beissen vor wut) lg aus wien
    My recent post amu - für ana

  • george
    Hallo nach Wien, divine deFine. *wink*

    Naja, ökonomische Krisen bringen auch immer einen kulturellen Roll-Back mit sich (das spricht für die Rückschrittlichkeitsthese). Andererseits denke ich mir, daß einem das Ausmaß von Diskriminierung von Frauen auch erst mal bewußt werden muß; ich sah das mit 20 auch deutlich lockerer als jetzt und ich kenne viele Frauen, die erst in einem langsamen Prozess erkannt haben, daß ihre subjektive Selbstwahrnehmung ("ich bin doch schon voll emanzipiert") sich nicht mit der objektiven gesellschaftlichen Situation deckt. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit, nimmt also dieser Theorie nach die kämpferische Stimmung mit dem Alter zu. So zumindest meine Hoffnung.
    B)

  • Danke für diesen Beitrag!!!! Von dem E-Spot war ich besonders geschockt!!! Wie ekelhaft ist das denn bitte?! Und welch Unversämtheit dass man unterstellt, man hätte den Witz nicht verstanden...wer kommt denn dabei auf die Bezeichnug "Witz", woah, da könnte ich mich ewig aufregen!
    Kennst den TV-Spot von dieser "Diet" Limonade? Da pfeift der Vater der schlanken Mutter im Bikini nach und wenn das noch nicht erniedrigend genug wäre, sagt der kleine Sohn: "Ist schon gut Papa, wir finden Mama auch ganz toll" (seit dem sie die Abnehmlimo trinkt) gruselig! Nicht nur Männer (Ehepartner) finden schlanke Frauen besser, nein sogar die Kinder haben nun Mitspracherecht. Leider finde ich die Werbung nirgends...

    BTW: Endlich konnte ich deinen Blog abbonieren/bzw. erreichen, k.a. was da immer los war.
    My recent post [Review] p2 Mattify Your Lips


  • george
    Die anderen Werbeclips von diesem E-Dingens sind ja auch... befremdlich. Aber das mit dem Bewußtlosschlagen ist schon ein starkes Stück.

    Ich hab ja keinen Fernseher, deswegen bin ich bei solchen Sachen eigentlich nie so richtig up-to-date. Insofern, keine Ahnung von der Diätlimo. Klingt aber auch schon wieder heftig. GNARF. *zähnefletsch*

    Was die Frage mit dem Blog angeht... merkwürdig. Hast du es über den Link bei den Busenfreundinnen versucht? Da hatte ich nämlich bis vor kurzem eine Weiterleitungs-URL drin...
  • An der Axe Arche Werbung ist noch nichtmal das schlimmste das die Frauen angelaufen kommen, sondern der "zwei von jeder Art" Gedanke dahinter… zwei Blondinen, zwei Asiatinen, zwei Latinas, zwei dunkelhäutige... DAS finde ich wirklich bedenklich :-/

    Die Peta und die E Werbung kannte ich zum Glück noch garnicht o.O Echt heftig wie die die Männer damit zu ermutigen ihren Frauen Gewalt anzutun… Aber auch heutzutage denken leider noch vielzuviele Männer, dass in der Ehe/einer Beziehung, das "Nein" einer Frau auch mal umgangen werden darf…
  • george
    Siehste, das Zweierdings hab ich direkt ausgeblendet. Offensichtlich funktionieren meine "Filtermechanismen des Grauens" noch ganz hervorragend... o.0

    Die Verharmlosung von "häuslicher" Gewalt, indem man sie ins Lächerliche zieht, geht wirklich gar nicht... ich meine, meistens schluckt man ja ne Menge, aber irgendwie wird&#039s mir gerade wirklich zu bunt. Vor allem wenn es in der Kombi mit der Aussage kommt, daß Männer jetzt ja qua Beckhams Werbekampagne für Hanni und Manni auch ganz schlimm sexualisiert werden würden... :x (>> Das ist doch jetzt der Kotzsmiley, oder?!)
  • You are on a roll, girl!
    Selbst im akademischen Umfeld (oder gerade dort) höre ich oft, ach die Werbung blende ich doch aus, das nehme ich gar nicht wahr, ich bin doch nicht doof, das glaube ich doch nicht wirklich. Über das was man unterbewusst wahrnimmt wird gar nicht nachgedacht. Was natürlich gar nicht stimmt, denn der Großteil der Botschaft wird unterbewusst wahrgenommen und verarbeitet. Ich erinnere mich noch an eine Diskussion über Disney&#039s Princesses (herrliche Website btw.) und ihren Rollenfunktion, in der mir an den Kopf geworfen wurde, dass doch sogar ein Kindergartenkind weiß, dass das nicht die Realität ist ...
    Außerdem hat Feminismus insbesondere bei Frauen unter 30 wirklich einen schlechten Ruf und wird oft mit militanten Second-Wavern verbunden. Ich habe schon mit PolitikstudentInnen darüber diskutieren müssen, dass Gender und Queer Studies kein verschrobener, abgehobener Scheiß sind, sondern einen wichtigen Beitrag leisten, um den heteronormativen Diskurs zu stören.

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Was Frauen wirklich wollen. Heute: Unterwäsche als Weihnachtsgeschenk?!

Edle Lingerie und hauchzarte Dessous - das ist doch was wir uns alle zu Weihnachten wünschen, oder?!
Na los, gebt's schon zu! Auch ihr da hinten in der letzten Reihe. Keine falsche Scham.
Und, werden euch eure Ehemänner, Lebensabschnittsgefährten, Geliebten und Herzensprinzen doch wieder nur neue Küchengeräte schenken?! Grund die Scheidung einzureichen? Mitnichten! 
Die Unterwäschefirma Lascana zeigt uns wie wir Frauen uns wirkungs- und vor allem humorvoll und mit pädagogischem Geschick gegen solche Mißverständnisse zur Wehr setzen können. Ich präsentiere:

Denn... nur Frauen wissen, was Frauen wollen [sic!]


So, ich reiche jetzt statt der Popcorn-Tüte einmal den Kotz-Eimer durch.

Ist das nicht unfaßbar?!
Als ich den Werbespot letztes Jahr vor der Harry Potter 7.1-Vorstellung zum ersten Mal sah, hätte ich dem Cinestar beinahe ein Stück aus seinen Sitzmöbeln gebissen. Mein Freund konnte mich nur mit Mühe davon abhalten. (So ein Glück, wo hätten wir sonst den zweiten Teil sehen sollen?)

Also ja, das Anliegen des Unternehmens ist, Unterwäsche zu verkaufen, schon klar. Aber muß das auf einem Niveau wie bei den Drapers zuhause stattfinden? Irgendwie niedlich-dümmlicher Typ glaubt in hoffnungloser Navität, seine Frau stehe auf Küchengeräte (also bitte, das sind ja noch nicht mal die Kitchenaid-Ferraris, die er da anschleppt); sie ist von soviel männlicher Ignoranz nur leicht belustigt. Ist doch klar, worauf so heiße Feger wie sie abgehen: Länscheriee natürlich. Wie üblich bei männlichem Versagen tritt die Plan B in Kraft: Selbst ist die Frau (wow, wie emanzipiert) und sie zieht los, die begehrten Dessous eigenhändig zu erlegen, die sie dann - wie gerissen - genauso verpackt wie vorher die Kochutensilien. 
Nach so viel female DIY ähnelt die Bescherung dann komischerweise aber trotzdem einer 0815-Männerfantasie. Frau zieht sich bis auf die Unterwäsche aus, hält verführerisch eine Geschenkpackung vor sich - was will sie uns damit wohl sagen?! Vielleicht: "Pack mich aus, ich bin dein sexy Xmas Present?"... nur so ne Idee... Denn was der Typ eigentlich von ihr bekommt ist natürlich irrelevant. (Ich tippe mal auf nen Werkzeugkoffer zum Autoschrauben und eine Geschenkedition Davidoff Cool Water. Vielleicht auch ein Cocktailset "Old Fashioned".)
Und schlußendlich räkelt sie sich bei ihrem Kerl auf dem Schoß, der dabei selbstverständlich noch komplett bekleidet ist. Worst moment: Er stupst ihr paternal auf die Nase à la "Du bist ja eine ganz Freche." The End.

WHAT THE FRAK?! kann ich da nur empört rufen. Das ist ja wahrlich schlimmer als ein Toaster!

Also, bitte versteht mich nicht falsch: Nix gegen Wäsche als Weihnachtsgeschenk. Es gibt schließlich durchaus BH-Junkies unter uns. Oder vielleicht auch Paare, denen chice und/oder teure Lingerie für besondere Gelegenheiten wichtig ist. Also schenkt euch kinky Sextoys und fancy Dessous soviel ihr lustig seid. 

ABER, liebe Unterwäscheindustrie, bitte verschont uns mit solch mittelalterlichen Werbeclips.

Wir wissen alle, in Deutschland wurde der Humor noch nicht erfunden und offensichtlich auch nicht der etwas erträglichere "Tough-Hot-Chick"-Voyeurismus à la Tarantino, Rodriguez und Konsorten. (Hier mal ein Beispiel was ich damit meine: Bitch Slap Movie Trailer - Und ja, der Film ist wirklich so schlecht wie der Trailer.) 
Was ich damit sagen will: Es gibt sicherlich noch 1000 andere und bessere, witzigere, selbstironischere und erotischere Möglichkeiten, Dessous zu bewerben.

Immerhin könnte man dem Lascana-Spot noch zugute halten, daß wenigstens die weibliche Hauptfigur mal mit einer nicht-weißen Person besetzt wurde. In dem Fall macht es die Objektifizierung der Frau als auch noch "exotisches" erotisches Geschenkpäckchen meiner Meinung nach nur noch schlimmer.

Mein Fazit: Triple Face Palm for super-epic-fail!

Was meint ihr?

Kommentare nach dem Jump.


  • aprikaner
    *kicher* ich liebe diesen Blog!
    ...gelegentlich darf mit der Mann auch was nettes schenken *zugeb* Isch liebe Escora...und gelegentlich gibbet es da auch was in E ;-))

    LG Anja
  • george
    Wow. Danke für die Liebeserklärung. :*
    Und ja - nix gegen Wäschegeschenke. Geht sicher auch anders!
  • Ein furchtbarer Werbespot und die Musik geht einem nach 3sec schon auf den Senkel. ;-)
    Anscheindend scheinen aber der Großteil der Frauen und Männer den Spot gut zu finden, den jeder Spot wird vorab ja auf markttauglichkeit getestet.
    My recent post Versace for H&M - Mein Einkauf
  • george
    Es soll auch Leute geben, die Mario Barth witzig finden. Insofern ist wohl alles möglich. ;-)
  • Hach ja, Werbung... Da könnt ich auch regelmäßig schreiend im Kreis laufen.

    Mich stört aber die Reduzierung der Frau zum Objekt genauso, wie die Abwertung des Mannes zum "Dummen" der die Frauen ja nicht versteht.

    Hallooo, wir sind alle Menschen, nur nach XX oder XY zu entscheiden, wer den Müll rausbringt und Spinnen entfernt und wer gefälligst in sexy Wäsche Betthäschen spielt, das ist einfach soooo... veraltet. Wah.
  • george
    Ja genau. Du hast total recht. Das ist wirklich das Schlimmste... dieses Klischee, daß Männer und Frauen von unterschiedlichen Planeten kommen und keinerlei Verständigungsebene finden. GNARF. Allerdings, wie Moppi schon schrieb, scheint das leider immer noch eine alltagsbestimmende Idee zu sein. Sonst hätte man sich ja wenigstens die Mühe machen können, das ein wenig augenzwinkernd zu entfremden... z.B. kurzerhand in die 60er zu verlagern. Als MadMen-Anspielung wär es vielleicht weniger peinlich gewesen...
  • beautyjagd
    Gruselig, diese Werbung, und reichlich bieder. Ich bin aber auch so gar kein Typ, dem man Unterwäsche zu Weihnachten schenkt. Nach diesem Video werde ich es wohl auch nie werden ;)

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