Oft sind Webseiten von Dessousgeschäften (falls überhaupt vorhanden) wenig aussagekräftig. Es ist daher eine gute Idee, im Vorfeld einfach mal anzurufen, um herauszufinden, ob man bspw. einen Termin für die Beratung braucht, welche Marken und welches Größenspektrum angeboten wird – und, besonders wichtig, ob man es am anderen Ende der Leitung mit einer freundlichen, auskunftswilligen und kompetenten Person zu tun hat. Am besten macht man sich eine Check-Liste von Fragen, die einen interessieren.
Es ist ziemlich unwahrscheinlich, daß ein Laden einem alle Wünsche erfüllen kann. Das Angebot im Fachgeschäft ist mit dem großer Onlineshops oder auch der Modellvielfalt, die man von der Wilden 13 kennt, in der Regel nicht vergleichbar. Gegenüber dem guten Dutzend einer herkömmlichen Wäscheserie umfaßt eine britische Serie von 65D-85H bereits ganze 40 Oberteile, Unterteile nicht eingerechnet. Man kann sich vorstellen wie schnell man bei unglaublichen Warenmengen ankommt, wenn man für ein ordentliches Brafitting (also viele Größen) einkauft. Die Auswahl wird also entsprechend eher ‘pragmatisch’ sein: weiß, schwarz, beige wird am meisten nachgefragt, also auch am meisten ge- und verkauft. Ich weiß, daß das manchmal frustrierend sein kann, aber was hilft einem der schönste, bunteste BH wenn er nicht richtig paßt?
Kleine Läden/Marken machen nicht so viel Umsatz, ein gutes Sortiment ist groß und damit kostenintensiv und Beratung ist aufwendig. Das alles schlägt sich bisweilen recht deutlich im Preis eines BHs nieder. Wer ein Fachgeschäft besucht, sollte sich daher darauf einstellen, zwischen 50 und 80€ für einen BH zahlen zu müssen.
Je nachdem wie viele passende BHs man schon hat, sollte man seine eigene Vorstellungen und Kompromissbereitschaft überdenken – wo liegt der Fokus, was braucht man wirklich, braucht man überhaupt einen neuen BH oder hätte man gerne einfach einen, ist man offen für Änderungen am BH (z.B. Unterbrustbandkürzung), kann man sich ggf. auch mit anderer Farbe anfreunden (beige statt weiß oder schwarz statt dunkelblau?) usw.
So kann man a) verhindern, daß man mit etwas den Laden verläßt, das man eigentlich gar nicht haben wollte und b) auch, daß man sich selbst zu sehr an Wünsche hängt, die evtl. nicht erfüllbar sind. Manchmal merkt man beispielsweise beim Anprobieren, daß auch in der richtigen Größe die Schnittform des Traum-BHs nicht funktioniert… Gleichzeitig bringt es ja auch nichts, einen perfekt sitzenden BH zu erwerben, den man so häßlich findet, daß man ihn nicht angucken kann. Andererseits ist auch immer zu bedenken: man trägt einen BH ja nur drunter und wenn er unterm Shirt toll aussieht, dann ist das ja auch was.
Die meisten Frauen tragen zu große Unterbrustbänder und zu kleine Cups. Die umgekehrte Variante ist sehr selten, kommt aber manchmal im Zuge einer Fitting-Euphorie auch vor. (Umgekehrte Buchstabenphobie) Ist aber IMO zu vernachlässigen. Also: keine Angst vor neuen Größen und exotischen Buchstaben!
z.B. anhand des drüber & drunter Passform-Checks
Immer gut für einen Test ist ein dünnes T-Shirt oder Top, evtl. mit Elasthananteil, mit dem man testen kann, ob der Übergang zwischen BH und Brust glatt ist oder ob man Brötchen (eine Doppelbrust) hat.
Wenn man vor allem helle Blusen oder weit ausgeschnittene Tops trägt oder einen BH für ein spezifisches Kleid sucht, wäre es ratsam die entspr. Kleidungsstücke mitzubringen.
Oft ist es schöner, wenn man jemanden mit dabei hat, der einem den Rücken stärkt, eine zweite Meinung einbringt und einem gegen aufdringliche, respektlose oder unfreundliche Verkäuferinnen den Rücken stärkt. Es sollte jemand sein, der geduldig ist, Verständnis für deine eventuell vorhandenen Probleme mit deinem Körper hat, dem du im Urteil vertraust und der dir ein gutes Gefühl geben kann. Also – entgegen der Verwendung des männlichen Pronomens – beispielsweise deine beste Freundin. Nicht so eine gute Wahl sind zickige Mütter/Töchter, überkritische Freundinnen mit Körper-Issues oder ungeduldige Partner. So eine BH-Beratung kann manchmal ne ganze Weile dauern.
MiaRose hat einen Beitrag dazu geschrieben wie sie sich ein perfektes Bra Fitting vorstellt. Hilfreich könnten vielleicht auch die Entscheidungshilfen für den Online-Kauf sein: BH-Suche 101, zweiter Teil: Richtig anprobieren... und dritter Teil: Behalten oder nicht behalten?
Wichtig ist auf jeden Fall, daß man sich nicht gegen sein Bauchgefühl entscheidet. Wenn man sich nicht sicher ist, lieber noch mal wiederkommen, als was kaufen mit dem man hinterher totunglücklich ist…
Oft wird angeboten nicht vorhandene Ware zu bestellen. Zu bedenken ist dabei, daß Ware in der Regel nicht auf Kommision gekauft werden kann, d.h. wenn man die Sachen dann nicht haben will, bleibt der Laden darauf sitzen. Daher ist häufig eine Bedingung für die Bestellung, daß man die Sachen dann auch nehmen muß >> von Bestellungen unter dieser Prämisse würde ich dringend abraten; genauso wie von ‘unverbindlichen’ Bestellungen die man ohne ernsthaftes Kaufinteresse tätigt, z.B. als eine Art Kompromiss statt eines Kaufs. Es ist zwar vielleicht unangenehm, aber in solchen Fällen ist es fairer gleich zu sagen, daß man den BH nicht haben will oder man es sich lieber noch einmal überlegt.
Eigentlich selbstverständlich möchte man meinen, aber das Thema Respekt ist mitunter tatsächlich das größte Problem… und deswegen schreib ich dazu demnächst einfach noch mal einen Blog-Post, denn: ich hab jetzt einfach keine Lust mehr und ihr wahrscheinlich auch nicht, nach meinem Beitrag in Romanlänge. (Ich kann mich einfach nicht kurz fassen, ich weiß… wer den Beitrag hierhin gelesen hat bekommt ein Fleißbienchen fürs Muttiheft!)




