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OT: 50 Shades of Nude - Foundation und Diversity


“Winter is coming”… und die Catchphrase macht das auch nicht wirklich besser. Zumal sie im Frühjahr deutlich witziger ist, denn streng genommen ist nach dem Winter natürlich vor dem Winter und Winter ist am schönsten, wenn er noch weit weg ist. Finde ich. Wie dem auch sei… langsam ist das schöne bunte Laub verschwunden und die Tage werden kurz und zu kalt ist es sowieso – also ist es kaum noch zu leugnen daß wir in der kalten Jahreszeit angekommen sind. Spätestens jetzt wäre es an der Zeit, sich mit der Anschaffung von Anschaffung von neuen Winteraccessories über das Unvermeidliche zu trösten. Konsumkick gegen Herbstdepression.

Neben Mütze, Schal und Handschuhen steht bei mir jedes Jahr noch ein weiteres “Drüber-Item” auf der Anschaffungsliste:  die “Winterfoundation”, also ein (Flüssig-)Make-Up, das mich durch die kalte Zeit begleiten und erst unter Beimischung der Sommerfarbe und irgendwann pur einen ebenmäßigen Teint vorgaukeln wird – aller Heizungsluft, Kälte und fehlender Sonne zum Trotz. Also habe ich etwas gemacht, was ich schon seit fast zwei Jahren nicht getan habe: Kosmetikblogs gelesen und Swatches (Farbklekse) gegoogled, denn so ein Foundation-Kauf will gut recherchiert sein. Winking smile

Neben der Problematik von Textur, Deckkraft und Verträglichkeit stellt sich für mich vor allem die unerfreuliche Frage nach der passenden Farbe. Ich habe eine – in meinen Augen für mitteleuropäische Verhältnisse nicht außergewöhnlich seltene – Hautfarbe, die im Sommer relativ schnell auf ein mittleres Gold-Gelb bräunt, im Winter aber auf Wandfarbe mit ausgeprägt gelbem Unterton ausbleicht. Dummerweise ist offensichtlich vorgesehen, daß mein Hauttyp stets sommerbraun zu sein hat, denn mit fortschreitender Blässe wird es immer schwieriger ein halbwegs passendes Makeup zu finden:  Je heller die Haut, desto weniger verzeiht sie eine falsche Nuance und auf meiner Haut wirkt  dann irgendwann alles einfach nur noch rosa, selbst die neutraleren Beige-Töne.

Eigentlich kein Wunder, denn der deutsche Markt scheint auch im Bereich Foundation auf das altbewährte Prinzip “One fits all” zu setzen – üblicherweise findet man im Drogerie-Regal vier bis sechs Nuancen eines Make-Ups, die anscheinend mehr oder weniger auf gut Glück zusammengestellt werden und in der Regel im mittleren Farbspektrum rangieren; wer also hellere oder dunklere Haut hat oder eine andere Farbnuance benötigt, der guckt in die Röhre. Hurra Diversity! 

Ist es nicht schön, wie man bei jedem beliebigen Thema auf die Diskrepanz zwischen dem normalverteilten Mainstream-Angebot und den individuellen Bedürfnissen der konkreten Einzelperson zu sprechen kommen kann?

foundationquest
Weite Teile meines aktuellen "Malkastens"
Nun ist ja – wie immer – klar, daß Massenproduktion per definitionem heißt, daß Waren nicht auf persönliche Einzelbedürfnisse zugeschnitten sind, sondern die Hersteller versuchen einen Kompromiß zu finden, mit dem sie es möglichst vielen recht machen können. Im Idealfall kann man das Produkt so konzipieren, das es sich nach Bedarf etwas anpassen läßt – so wie ein höhenverstellbarer Bürostuhl z.B. Oder Klamotten mit hohem Elasthananteil. Oder Schnürstiefel. Alles ganz tolle Erfindungen.

Im Zuge dieser Idee der “Anpassbarkeit” werden in den letzten Jahren immer wieder Foundations mit dem Werbeversprechen auf den Markt gebracht, daß sich die Farbe dem Hauttyp anpassen, ja geradezu magisch damit verschmelzen würde. Schöne Idee. Theoretisch gibt es das angepriesene Produkt dann auch in vielen Nuancen. Praktisch aber nur in den USA. Weil wir hier in Mitteleuropa nämlich nur die besagten vier bis sechs Hautfarben haben. Das ganze Jahr hindurch. Das heißt schon mal ganz klar, daß der Anteil an Women of Colour offensichtlich im nicht (markt-)relevanten Bereich liegt; was selbstverstänlich nichts über die reale Anzahl der potentiellen Käuferinnen aussagen muß sondern in erster Linie etwas über ihre Wahrnehmung. “Hautfarben” das ist einfach für den deutschen Markt nur ein klitzekleines Spektrum von Nuancen, was man an Pflasterfarben sehen kann und daran welche BHs als “nude” ausgezeichnet werden. (Vgl. dazu den früheren Blog-Post: Hautfarbe = Hautfarben – die Problematik des passenden “nude”-BHs )

Läßt man die rassistischen Implikationen bei Seite (weißes Privileg) und guckt erst mal ganz abstrakt auf die ganze Sache, dann fällt einem schnell auf, daß es schon irgendwie komisch ist in einer Gesellschaft zu leben, in der Attraktivität sowas wie den Kernpunkt weiblicher Identität bildet und Millionen, ach was Milliarden!  mit dem Verkauf von Kosmetika verdient werden, während gleichzeitig die Bedürfnisse der Konsumentinnen nicht ernst genug genommen werden, um ein wirklich sinnvolles Angebot zur Verfügung zu stellen. 

Also was denn nun? Soll ich mich nun bemühen, wie ein retuschiertes Abbild meiner selbst auszusehen oder nicht?  Die Antwort liegt auf der Hand: Ja schon, aber bitte nur im Rahmen von  fünf  Hautfarbe-Nuancen. Alles andere wird für uns, die VerkäuferInnen zu teuer.  Lieber verdienen wir extra daran, daß ihr euch auf der Suche nach dem richtigen Makeup durch tausend Produkte probiert. 

Die Idee ist also, eine schier unendliche Produktpalette von unterschiedlichsten Texturen und Finishes von ultramatt bis superdewy und von extrem deckend bis megaleicht rauszubringen, aber halt nur in den Farben die “der deutschen Durchschnittsfrau” passen. Was die Makeupanbieter und –herstellerinnen dabei allerdings auch vergessen, ist daß es sich bei Deutschland nicht nur im figurativen Sinne um ein Land der Bleichgesichter handelt. Und selbige selbsternannte Blassnasen haben eine deutlich lautere Stimmung als marginalisierte Women of Colour. Nicht ganz unerwartet schallt daher beständig die Klage über die zu dunklen oder falsch getönten Foundations durch die Beautyblogs und –foren. 

Und ja, ich finde es auch seltsam wieso es nicht möglich zu sein scheint, standardmäßig hellere Foundations anzubieten und eben auch gleich noch dunklere. Und vielleicht, wo es schon produziert wird, in verschiedenen Farbnuancen für warme, kalte und neutrale Untertöne?! Ggf. wären ja schon eine Art Baukastensystem eine Lösung, dann könnte man sich einfach seinen passenden Ton selber zusammenmischen. Immerhin wechselt man ja auch nicht ad hoc von Sommerbräune zu Winterblässe und umgekehrt. Wo zur Hölle, lieber Einzelhandel und verehrte Kosmetikindustrie, liegt da das Problem?! Ich sehe ein, daß nicht jede Popeldrogerie das gesamte Farbspektrum anbieten kann, aber wenigstens die Hersteller könnten einen Onlineshop einrichten, in denen es auch “exotischere” Farbnuancen zur Auswahl gibt, die sie für den US-Markt ja sowieso produzieren. 

Das ist aber natürlich nur die eine Seite der ganzen Angelegenheit. Auf der anderen stehen die Konsumentinnen, die sich zumindest soweit zueinander solidarisch verhalten könnten, als daß sie nicht nur die eigenen Bedürfnisse wahrnähmen. Und da sehe ich das nächste Problem: Aus dem was ich bisher so gelesen habe, schließe ich, daß sehr viele schon keine Lust auf Rumgepantsche haben und lieber eine optimal passende Foundation straight from the bottle hätten. Ja, kann ich auch irgendwie verstehen. Andererseits wäre es da doch eine Überlegung, daß man das dann vielleicht unter Spezialinteresse verbuchen könnte und das dann an den sog. “Fachhandel” sprich die Parfümerien verweisen? Statt dessen wird aber leider oft versucht, die eigenen Interessen gegen die anderer Menschen argumentativ durchzusetzen, indem deren Bedürfnisse marginalisiert werden und die eigenen dafür unreflektiert ins Zentrum geschoben.

Fragwürdig: Der Hype des  “Alabasterteints”

Ich weiß gar nicht wie oft in Unterhaltungen über Makeup-Töne pejorative Aussagen getätigt werden, etwa man möchte ja nicht wie ein Schweinchen oder ein Indianer (sic!) aussehen, heißt es dann häufig, und sogar das N-Wort ist schon gefallen. Ja, wirklich! Gleichzeitig scheinen sich immer mehr Frauen bemüßigt zu fühlen zu betonen, daß sie Sonnenbräune ja gar nicht schön fänden und auf ihre Blässe richtiggehend stolz seien. Der “Alabasterteint” wird konsequenterweise dann auch ganzjährig mit SPF50 argwöhnischst vor jedem Sonnenstrahl geschützt.

Und das ist dann so der Punkt, an der die ganze Sache endgültig in eine Richtung kippt, die mir gar nicht gefällt. Bei aller Liebe zur Diversität und bei allem Vorbehalt gegenüber exzessivem Sonnenbaden und Solariumsbesuchen: das Ideal der vornehmen Blässe ist mir einfach zu krass mit rassistischen, klassistischen und kolonialistischen Ideen verbandelt, als daß ich solche Aussagen als bloßes Geschmacksurteil abtun könnte.

Mir ist schon klar, daß der “neue” Trend zur Blässe erst mal als Abgrenzung zum Diktat der '”gesunden Bräune” daherkommt und mit allem begründet wird, was man seit dem Kindergarten über Hautkrebsrisiko, vorzeitige Hautalterung  und die Gefährlichkeit des Ozonlochs gelernt hat.  Und natürlich ist es individuell unterschiedlich, wieviel Sonne die Haut verträgt und ob sie überhaupt relevant ‘bräunt’ oder eher verbrennt. Und selbstverständlich bin ich auch nicht der Meinung, daß man Blässe als unattraktiv abstempeln sollte. Aber den Spieß einfach umzudrehen, bedeutet wirklich überhaupt nicht aus einer subalternen Position  zu sprechen, wie sich das manche glaub ich gerne einreden möchten! 

Blässe läßt sich nicht einfach aus dem Kontext lösen, in dem es jahrhundertelang stand und immer noch steht: helle Haut symbolisiert nicht nur die Freiheit von harter körperlicher Arbeit (im Freien) und damit die Zugehörigkeit zu einer höheren Schicht (Adel, Bürgertum) sondern auch eine rassistische Überlegenheit, die als strukturelle Privilegiertheit von Weißen gegenüber People Of Colour leider immer noch besteht. Das ist auch der Hintergrund der sich in den letzten Jahren auch hier so großer Beliebtheit erfreuenden asiatischen BBCreams mit aufhellender Wirkung.

Deswegen könnte ich immer kotzen, wenn ich sowas lese wie “Ich bin stolz auf meinen Schneewittchenteint” und dann vielleicht auch noch mit angehängten Tips wie man wirklich kein bißchen Sonne an die Haut läßt. Klar,  zuviel ist schädlich, aber zuwenig auch! Schon mal was von Vitamin D gehört? (Ggf. bitte mal lesen: Wikipedia > Vitamin D (Cholecalciferol) > Einfluß auf die Gesundheit) Abgesehen davon bin ich ganz konservativ der Meinung, daß man nur auf (eigene) Leistungen stolz sein kann (sollte!) nicht auf Eigenschaften.

Mehr Vielfalt wär doch auch ne Lösung

Im Grunde ist es doch eigentlich ganz einfach:
Alle Menschen sind unterschiedlich. Das ist einfach so. KeineR sollte sich für seine*ihre Individualität  rechtfertigen müssen. Und im Zuge ganz basaler Eigeninteressen wäre es einfach schön, sich für mehr (Waren-)Vielfalt einzusetzen statt dafür daß man nur selber in seinen Bedürfnissen berücksichtigt wird.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß das grundsätzlich nicht funktionieren kann - auch wenn es erst mal unternehmerischen Vermarktungsidealen (möglichst kleiner Warenbestand, möglichst hoher Durchlauf, möglichst großer Gewinn) entgegensteht. In anderen Ländern geht es ja offensichtlich auch – oder warum sonst kann man in Großbritannien einigermaßen einfach und günstig BHs in Größen bekommen, die hier als supermegaexotisch gelten? Genauso muß das doch auch mit Foundations klappen. 

Ich verstehe einfach nicht, weshalb es in Deutschland so selbstverständlich sein kann, Konsumbedürfnisse die marginal vom Mainstream abweichen direkt an den “Fachhandel” abzuschieben. Du bist zu klein zu groß zu dick zu dünn zu hell zu dunkel? Naja, Pech gehabt. Nicht unser Problem. Echt, das ist so unfaßbar antidemokratisch, da könnte ich schon wieder in die Tischkante beißen. 

Ja, ich weiß, die Sache mit der Foundation ist auf ne Art ein Luxusproblem. Andererseits werde ich als Frau auch pausenlos mit Werbung beschallt, was ich nun wieder kaufen soll, um schöner zu sein blabla. Und dann, wenn ich brav tun will, was mir gesagt wird, dann gibt es gar nix für mich?! Und das obwohl mir das Produkt als “quasi für mich maßgeschneidert” angepriesen wurde?!  Ehrlich, da kann ich mich einfach nur total verarscht fühlen!
Zurück zu meinem persönlichen Problem mit der Foundation und der Frage: 

Gibt es nun die perfekte “Bodypaint-Nuance”?

Also, ich hab meine noch nicht gefunden. Ich bin aber auch nicht willens 30 Euro plus für das blöde Zeug auszugeben. Man weiß ja nie, ob man’s verträgt oder nicht. Am Schluß kriegt man Pickel oder trockene Stellen oder man sieht aus als hätte man sich in Panade gewälzt. Nicht zu vergessen der Oxidationsfaktor – d.h. eine Farbe, die erst mal passend wirkte, verändert sich auf der Haut in eine ungünstige andere Richtung. So sind mir auf dem Höhepunkt meiner Winterblässe die meisten Sachen einfach zu rosa. Das läßt sich hauptsächlich damit erklären, daß ich schon explizit gelbe Töne brauche und selbst neutrale Farben auf meiner Haut rosa wirken. Sagte ich ja oben schon. Oftmals erscheint das Makeup dadurch auch zu dunkel. Ich glaube ein sehr, sehr großer Teil der Foundation-Verwirrung, auch was die Helligkeit angeht, ist der Tatsache geschuldet, daß viele nicht wissen wie sie sich auf der warm-neutral-kalt-Skala verorten sollen. Ich habe auch ganz lange gebraucht um zu verstehen, daß ich gar nicht “so hell” dafür aber “so gelb” bin und sich deswegen die meisten Makeups farblich nicht so gut mit meiner Haut verbinden. Im Idealfall sollte Foundation ja überhaupt nicht als solche erkennbar sein  – wer also “angemalt” aussieht macht was falsch.

Entsprechend gilt die Sache mit dem Hautunterton aber natürlich auch für dunklere Typen – auch wenn der  Toleranzbereich größer ist, je mehr Eigenfarbe jemand mitbringt, ist er doch begrenzt… Ich habe vor einer Weile mal ein Werbevideo von L’oreal gesehen, das dokumentieren sollte welch unglaublichen Fortschritt die neuen Farben der “True Match” (in D “Perfect Match”)-Reihe gegenüber anderen Makeups darstellt. Obwohl das zum guten Teil Propaganda war, konnte man darin aber wirklich ziemlich deutlich zu sehen, wie künstlich eine falsche Nuance gerade bei dunklerer Haut wirken kann. Daran, daß das Video nur Women of Colour zeigt, wird auch klar, für wen eine solche überarbeitete Farbskala von 33 Farben in drei “Typrichtungen” (Warm, Kalt, Neutral) die größte Bedeutung hat – für die, die vom Markt extrem marginalisiert werden. Von den 33 Tönen werden in Deutschland aber nur 9 angeboten, in Großbritannien sind es immerhin noch 22.

So ginge das halt auch: True Match-Farb-
Überblick  bei colorconnection.yuku.com

L’oreal genießt aus unterschiedlichen Gründen (v.a. wegen Tierversuchen) in der “Beautyblogosphere” keinen guten Ruf;  allerdings scheint die L’oreal Marke Maybelline die erste zu sein, die eine richtig dunkle Drogerie-Foundation auf den deutsch(-sprachig)en Markt gebracht hat, siehe die beiden Video-Reviews zur Fit Me!-Foundation in 355  bei iilovefashion und Blackvelvet330. Als Referenzpunkte geben die beiden an NC50 bzw. NW45-47 bei MAC zu tragen. (MAC ist afaik die einzige gut erhältliche Marke, die in Deutschland dunkle Foundations anbietet. Preislich rangiert sie aber schon am unteren Rand des HighEnd-Bereichs) Und beide freuen sich sichtlich, auch mal vom Angebot berücksichtigt zu werden. Ist ja auch nicht weiter überraschend.

Im Verhältnis dazu relativiert sich natürlich die Klage übers mangelnde Angebot für sehr blasse Haut. Wenn ich ehrlich bin glaube ich, daß sich ein Großteil der “Nicht-Hell-Genug”-Probleme mit einem guten und günstigen Angebot an “Misch-Weiß” aus der Welt schaffen ließe. Soll heißen mehrere Varianten/Texturen, damit für alle was dabei ist und man vielleicht nicht so sehr nur eine Foundation damit aufhellen kann sondern vielleicht das Weiß eher auf die passende Tönung einfärben. Das müßte doch relativ easy möglich sein, oder? Plus, man könnte das Weiß auch einfach als Highlighter verwenden… Leider herrscht diesbezüglich auf dem deutschen Markt erst recht Ebbe; häufig wird die weiße Foundation von Star Gazer empfohlen, das ich aber von der Textur nicht so recht als Foundation durchgehen lassen würde. Es ist halt schon eher so eine Art “Grufti-Deckweiß”. Daneben gibt es noch zwei weiße Foundations von Illamasqua die man sich – ebenso wie übrigens dunkle Töne – aus UK bestellen kann, die Face & Body-Foundation von MAC und ein paar wirklich, wirklich helle Nuancen mit leichter Eigenfärbung. Der letzte Neuankömmling in dieser Gruppe ist das Easy Match Make Up von Manhattan in 30 Porcelain.

Infos zu hellen Foundations findet ihr beispielsweise unter dem entsprechenden Tag bei MagiMania und in der aktuellen Reihe “Foundation Friday” von Godfrina auf kalterkaffee.at

Für dunkle Haut hab ich im deutschsprachigen Bereich nicht so viel gefunden außer Youtube-Videos;  neben den oben genannten iilovefashion und Blackvelvet330 hab ich noch ergoogled: BeautybyMiry (MAC), MaryRoé (Maybelline, BobbyBrown), Sinra (Maybelline, NYX), Mama Afrika (Maybelline), Nellys Modeblog (Makeup Store, Maybelline). Die Marken reflektieren schon ganz gut die nicht-vorhandene Auswahl: hier wird nicht großartig rumverglichen, wer zwei Produkte hat, die einigermaßen passen kann sich offensichtlich schon glücklich schätzen.  Das Video “Great Foundations for a Woman of Color” der US-Amerikanerin shaneilh bespricht dagegen immerhin 10 Optionen. Daß das Angebot für WOCs auch in den USA deutlich (!) kleiner ist als für Weiß darf man natürlich nicht vergessen. Aber sogar davon sind wir hier noch Lichtjahre entfernt.

So danke fürs Zuhören. :)


Seid ihr auch Anhängerinnen im Fingerfarbenclub? Oder schon ausgewachsene Beauty-Junkies? Oder gehört ihr zu denen die höchstens eine Wimperntusche und einen Puder besitzen?




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Hautfarbe = Hautfarben [Plural] - oder die Problematik des passenden "Nude"-BHs

Wer von euch englischsprachige (Lingerie-)Blogs verfolgt, ist vielleicht schon auf eine Kampagne aufmerksam geworden, die gerade versucht auf eine Problematik hinzuweisen: Hautfarben ist eine recht "weiße" Farbe.

Viele von euch (die aus der Beautyblogosphere kommen z.B.) kennen die Problematik vermutlich schon aus einem anderen Bereich - der Suche nach dem perfekt passenden Foundation-Ton. Sobald man aus dem kleinen Bereich von klassisch-"weißen" Hauttönen herausfällt und einen als "exotisch" betrachteten Unterton benötigt, wird das Angebot schlagartig dünn. Das wird schon gerne von den sog. "Blassnäschen" beklagt; für dunkelhäutige Frauen ist die Auswahl aber noch miserabler. Und nicht nur hier, im vornehmlich weißen Mitteleuropa, sondern auch in den USA. "Weiß sein" wird einfach als Norm angesehen, alles andere ist ein Spezialfall. Das ist natürlich ein rassistisches Problem - man muß sich nur mal die Weltbevölkerung angucken und schon fällt einem auf, daß die meisten Menschen eben nicht-weiß sind. Und auch hier noch mal bemerkt: Das ist schon eine komische Ausdrucksweise, die Mehrheit über ein nicht-irgendwas zu charakterisieren. Aber ich schweife ab... eigentlich wollte ich ja auf das Thema BHs zurückzukommen.

Was hier als Hautton verstanden wird, changiert irgendwo zwischen Champagner, Gold- und Apricot-Tönen, also im klassischen Bereich von weißer Hautfarbe. Es gibt keine oder kaum dunkleren Nuancen. Braun ist offensichtlich *die* unbekannte Farbe wenn es um Nude-Unterwäsche geht - und so gehörte es für Women of Colour über Jahrzehnte zur gängigen Praxis, die BHs einfach selbst zu färben (!). Nichts gegen D.I.Y, aber in dem Fall ist das nun wirklich keine tragbare Lösung. (No pun intended!)

Kampagnenbild von What's
Your Nude (Quelle: Facebook)

Tara Raines aus Los Angeles hat daher die Kampagne What's your Nude? mit dem Untertitel More brown bras, please! (Mehr braune BHs bitte!) ins Leben gerufen, um auf das fehlende Angebot hinzuweisen. Auf ihrer Facebookseite kann man das Projekt nicht nur "liken", sondern sich auch selbst beteiligen; z.B. indem man Bilder von brauen BHs in Wäscheläden - oder deren Nicht-Existenz! - auf die Seite hochläd. >> Link zur Facebookseite What's your Nude? - More brown bras

Abgesehen davon plädiert Tara Raines an Frauen, sich mit ProduzentInnen und VerkäuferInnen in Verbindung zu setzen und auf die Problematik und den Bedarf bzw. die Nachfrage nach Brauntönen bei BHs aufmerksam zu machen.

Wenn ihr mal genauer darauf achtet, werdet ihr sicher auch feststellen, daß das Angebot desolat ist... nicht nur in mitteleuropäischen Läden sondern auch im internationalen Versandhandel. Und auch die umgekehrte Betrachtungsweise, daß der nicht-weiße Nude-BH direkt ins Auge fällt, wie etwa die Erweiterung des Sortiments auf einen braunen BH wie etwa beim Bravissimo Alana, der seit letztem Sommer standardmäßig nicht nur in schwarz, weiß und "nude" sondern auch im braunen "mocha" angeboten wird, sollte nachdenklich stimmen.

Der Bravissimo Alana in zwei "Nudes": Mocha (links) und Nude.
Bildquelle: Bravissimo

Eigentlich bin ich - wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt - eine absolute Hautfarbene-BH-Verächterin: mir kommt sowas nicht ins Haus, denn zu lange habe ich befürchtet, das könnte letzten Endes die einzige für mich verfügbare Wäschefarbe sein. Brrrr. (Ich habe noch nie einen Nude-BH besessen.) Ich halte mich dann lieber an den Tip, daß man auch rote BHs durch weiße Oberteile nicht sehen kann - sofern ich denn überhaupt mal was Weißes tragen möchte. Aaaaber, das sehen nun mal nicht alle so und wenn Frauen das Bedürfnis nach hautfarbener Wäsche haben, dann sollten sie sie auch tragen können - völlig unabhängig von ihrer Hautfarbe. Das versteht sich ja wohl von selbst!!

Insofern seid ihr mal alle aufgerufen - zum einen euch über den Ausschluß von Menschen qua Hautfarbe auch auf so einer Ebene wie Pflaster, Makeup oder BHs Gedanken zu machen und zum anderen vielleicht sogar den ein oder anderen Protest zu verfassen und euch bei den Herstellern zu beschweren. Z.B. über Facebook, Twitter, Mail, per Post oder Telefon. Und dann bitte noch die Facebookseite "liken" falls ihr so einen "Friendface"-Account habt. ;-)


So, jetzt kann ich mich den Rest des Wochenendes als Gutmensch fühlen. Aber mal im Ernst... man macht sich seiner Privilegien als weiße Frau echt selten bewußt... Insofern also mal ein Crossover: Brafitting meets Critical Whiteness
Cheers,
george



Mehr Informationen:


Facebook-Seite der Kampagne:  What's your Nude? - More brown bras

LingerieBlog.co.uk:
INTERVIEW: What’s Your Nude Lingerie Campaign

The Lingerie Addict:
More Brown Bras, Please: The ‘What’s Your Nude?’ Campaign

DailyMail:
'I want one in BROWN!' African American psychologist attacks bra manufacturers for catering only to white women in 'nude' collections

HuffingtonPost:
'What's Your Nude?' Facebook Campaign, Tara Raines Tackles Lack Of Brown Colored Bras

The Look:
'What's your nude?': Online diversity campaign targets bra colors

Fashionista.com:
When ‘Nude’ Doesn’t Match Your Skin Color: Psychologist Tara Raines Launches ‘What’s Your Nude’ Campaign to Promote Diversity in Bra Colors

Einige einführende Worte zum Black History Month bei der Mädchenmannschaft


und ein Posting generell zu hautfarbenen BHs:

butterfly collection: How a nude bra should make you feel


Kommentare nach dem Jump



Comments:


  • chaotic
    Ich hab letztens einen braunen BH gefunden, vollmilchschokoladenbraun (ich liebe diese Farbe), von Esprit, im Kaufhof (oder evtl Karstadt) und sogar in der Größe 70D (also mir einigermaßen passend, und darum jetzt in meinem Besitz).

    Ich mag auch keine Nude-BHs, weil Nude-Farbtöne immer eine Mischung aus blass-rosa und blass-beige sind (so meine Erfahungen) und ich mag beide Farben nicht (und sie stehen mir nicht). Weiße Oberteile trage ich außerdem nie ohne etwas drunter (bei Blusen) oder drüber (offene Bluse bei Trägertops) so dass man einen BH nicht durchsehen würde.

    Ich geb zu, ich habe bei braunen BHs bisher noch nie an braune Hautfarbe gedacht, sondern immer an "schöne Farbe als Alternative zum Standard-Schwarz".

    chaotic (die mal wieder von den Busenfreundinnen zu deinem Blog gewandert ist)
  • george
    Schön, daß du vorbeigeschaut hast, chaotic. :)

    Ja, ich hab auch einen braunen BH - den Porcelain Strapless in Chocolate. Ich wollte das Modell mal probieren und den gab es günstig. Ich finde die Farbe eigentlich auch ganz schön... erst in der Retrospektive fällt mir auf, daß das natürlich für manche Frauen ein Nude-Ton ist. Es gab auch limitierte Braun-Töne in anderen regulären Serien. Schön wäre halt wenn das zum Standardsortiment gehören würde...
  • Wie Chaotic und Du besitze ich keine Bhs in &#039Nude&#039. Unter Blusen trage ich eh ein Hemdchen und ansonsten habe ich auch die Assoziation Oma. Allerdings hatte ich in meiner Präfittingzeit mal ein braunes Exemplar! Mir ist daher (und natürlich weil ich in meiner privilegierten Bubble lebe) auch nicht wirklich die Idee gekommen, wie diskriminierend diese Praxis ist.
    Neben dem größeren Angebot in braun sollte man vielleicht einfach die Beschreibung hautfarben abschaffen. Die Bhs sind beige, also nennen wir sie auch beige!
  • george
    Gute Idee mit dem Beige. Wird sofort als Standardwort vorgemerkt. :)
  • Garfield83
    Ich habe mich auch schon gefragt, welche Farbe denn andere Ethnien tragen, wenn es hautfarben sein soll. Spätestens als Champagner meine Hautfarbe wurde, wurde ich neugierig. Mit den Pflastern stellen sich ja wohl ähnliche Probleme
  • george
    Ja, das mit den Pflastern hatte ich sogar auf dem Schirm... aber über Unterwäsche hatte ich ernsthaft noch nie nachgedacht. Irgendwie schon komisch...
  • tongueincheck
    Der Bravissimo Alana in Mocha ist mein "Nude".
  • george
    Wie MiaRose oben schon sagte... "nude" sollte man als Bezeichnung wohl einfach über Bord werfen. Hautfarben sind eben unterschiedlich...
  • Die Aktion ist toll :) Dass man Rot nicht unter weißen Shirt sehen kann, kann ich aber leider nicht bestätigen. Bei mir sieht man die leider immer durch. Das einzige, was man wirklich nicht sehen kann, sind entweder Nude-Farben oder helle Pastellfarben wie das Grün oder Gelb beim Cleo George. Aber da hab ich dann immer das Problem, dass man dann etwas anderes sieht, weil die BHs so durchsichtig sind ;)
    Ich hatte erst einen Nude-BH, den ich aber verkauft habe, weil die Passform nicht ideal war (Freya Deco). Er kam schon nah an meine Hautfarbe heran, aber ich kann mir vorstellen, dass andere Frauen genauso ein GLück haben.

    My recent post AMU + FOTD: PPQ
  • george
    Bei mir geht das mit dem Rot eigentlich ganz gut... aber es macht ja Sinn, daß das nicht bei jeder Hautfarbe funktioniert. Und wenn man was ganz dünnes Weißes anhat, dann wird man wohl fast alles durchsehen...
    (Ich bin ja so eine notorische Schwarzträgerin, daß ich da auch nicht auf allzuviel Erfahrung zurückgreifen kann...)
  • beautyjagd
    Ich bin auch keine Nude-Trägerin, aber ich habe noch nie in Bezug auf Wäsche über den Hautton nachgedacht, sondern immer nur bei Foundations. Es ist wirklich irre, dass weiß als DAS Schönheitsideal gilt. Danke für deinen Post!!
  • george
    Es steht zu hoffen, daß Schönheit irgendwann mal ein wenig vielfältiger sein darf.
    Dieses Weiß=Norm-Ding ist schon wirklich gruselig... Ich meine, hallo, wir haben 2012!!
    Aber bis das Denkmuster durchbrochen ist, wird es wohl noch dauern. Ich stolpere da auch ständig drüber, obwohl ich mich eigentlich für nicht ganz unkritisch halte... Tja.
  • george
    PS@alle: Danke für eure Kommentare. Ich freu mich immer, wenn ich Feedback kriege und sich Leserinnen "zu erkennen geben". :D
  • Ich habe einen Nude-BH, den ich ursprünglich für weiße Klamotten gedacht hatte, der mir aber von seiner Form her am allerbesten gefällt - daher trage ich ihn extrem oft. :D Bisher hat das auch noch keine_n gestört, der_die mich beim Ausziehen beobachtet bzw. mich ausgezogen hat. ;)

    Das mit dem "hautfarben" regt mich ja schon seit Jahren auf und hat witzigerweise bei Buntstiften angefangen. Die "Hautfarbe" in unseren Breitengraden heißt eigentlich auch Inkarnat (oder so ähnlich).
  • george
    Ich glaube auch, daß den meisten Leuten das Untendrunter herzlich egal ist - mal abgesehen davon, daß viele beige eine ganz schöne Farbe finden. Ich bin halt nur Panzer-traumatisiert. ;)

    Und ich merke gerade, daß ich schon seit Ewigkeiten keine Buntstifte gekauft habe... mir war gar nicht klar, daß sowas wie "Hautfarbe" im Sortiment enthalten ist. Ich male Weiße wohl immer noch als Simpsons. :D

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