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Blabla und: Jetzt noch schnell den Leo-Jasmine kaufen!

An dieser Stelle müßte eigentlich ein Blogbeitrag mit dem Titel folgen “Warum wir nicht bloggen”… In anderen Worten: das ist doch mal wieder die typisch – einen Fillerbeitrag mit bißchen mutiger Aussage (Warum wir bloggen) gepostet und schon erfüllt sie sich, negativ sozusagen, und es passiert gar nichts mehr auf dem Blog. Tja. 

Warum ich gerade nicht schreibe ist relativ einfach zu beantworten: ich bin uninspiriert und habe anderes zu tun und zu denken. (Gilt afaik für uns alle drei) 

Jede, die schon mal gebloggt oder überhaupt geschrieben hat, kennt dieses dunkle Loch der Uninspiration vermutlich: den berühmten Writer’s Block. Man sitzt mit der festen Absicht etwas zu schreiben vor einer leeren Seite und guckt gefühlt alle zwei Minuten in die Twittertimeline, aufs tumblr-Dashboard, in den Bloglovin Feed oder auf einen Newsticker. Tausende wichtige und interessante und aufwühlende Dinge da draußen in der Welt, aber kein lingerie-relevantes. Passend übrigens zur “Sauren Gurken-Zeit” im Business; der Februar ist häufig so ein bißchen langsam. So sagt man zumindest – bei dem Brimborium das um den Valentinstag gemacht wird, kann ich mir das fast nicht vorstellen. (Meine Abneigung diesbezüglich hat bereits Anne-Luise sehr schön auf den Punkt gebracht. Sonst vgl. auch Reblogs auf unserem Tie-In-tumblr. Ich sag jetzt dazu einfach mal nix weiter als “His eyes are as greeen as a fresh-pickled toad…”)

Theoretisch habe ich natürlich eine lange Liste von Themen, zu denen man noch mal was sagen könnte, aber praktisch bin ich zu faul sie mir rauszusuchen. (Unglaublicherweise handelt es sich hier um eine Sammlung von Zettelchen… Ja, ich weiß, wir haben 2014…) Statt dessen hab ich mal kurz ins Forum (Busenfreundinnen) geguckt und festgestellt, daß es mal wieder eine Frage zum Vermessen gibt, was die perfekte Gelegenheit darstellt eine vergessene Kategorie wiederzubeleben: die Fragen und Antworten.

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Offizielles Bild von Panache: Jasmine Balconnet (Early Spring 2014)

Daran setze ich mich jetzt gleich mal, bevor mich wieder was ablenkt… nebenbei sei zu bemerken, daß ich vorgestern beim Treffen mit zwei Ex-Kolleginnen (wink) informiert worden bin, daß der großartige Jasmine in Leoprint (Liiiebe) bei Panache bereits ausverkauft ist. Wer also noch ein Exemplar ergattern möchte, sollte sich beeilen – derzeit gibt es noch eine okaye Größenauswahl bei Bravissimo, Figleaves und bei ASOS. (Sonst noch irgendwo?)

Tips für Schnäppchenjägerinnen: für Figleaves gibt es oft Rabatte (einfach mal googlen oder in den Schnäppchenfred bei den Busenfreundinnen gucken). Gleiches gilt für ASOS. Zusätzlich kann man hier sparen, indem man die Website von Euro auf Pfund umstellt – der Umrechnungskurs von PayPal oder Kreditkarte ist auf jeden Fall günstiger als der von ASOS!

Für alle die zu spät dran sind – der Jasmine kommt im nächsten Herbst noch mal mit Animalprint, diesmal Schneeleopard. (Bild von Stanikomania)

Außerdem kommt der Jasmine noch in der frühlingshaften Farbkombi ivory/floral (Bild bei Sophisticated Pair); es soll ja auch Menschen ohne Blümchenphobie geben.Winking smile

Mehr d&d-Posts zum Modell findet ihr unter dem Tag Panache Jasmine.

Wie steht ihr so zu Animal-Prints?
Yay or nay?

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OT: 2013 im Rückspiegel

Ja, ganz innovativ poste ich heute auch mal was zum Jahresende.  Widerstand gegen die Rückblick-Befindlichkeit ist zwecklos. Immerhin kann ich so, während mit fortschreitendem Abend die (Böller-)Einschläge näher rücken, an beschauliche Sommerabende denken… und mich darauf freuen, daß morgen endlich alles vorbei ist. (Lang lebe der Aberglaube!)

Dezember ist immer so ein unerfreulicher Monat. Dunkel, kalt und dann auch noch Weihnachten. Trotz erklärter Grinchitude kann ich mich vom weihnachtlichen Besinnlichkeits-Konsum-Stress-Zirkus doch nicht so hundertprozentig abgrenzen wie mir das lieb wäre. Und als wäre der Weihnachtsliederterror noch nicht genug, macht sich parallel zum “Frohen Fest” auch noch alljährlich Endzeitstimmung breit: Dinge müssen entweder dringend noch ‘dieses Jahr’ oder auf keinen Fall vor ‘nächstem Jahr’ erledigt werden, man muß unbedingt noch einmal X und Y treffen und natürlich ist es obligatorisch die vergangenen Monate noch einmal Revue passieren zu lassen und die 1001 Rückblicke  zu konsumieren mit denen die Medien das Nachrichtenloch stopfen. Es fühlt sich an, als ginge die Welt unter. (Auch in Jahren, für die das nicht prophezeit wurde.)

Wie alle Rituale hat natürlich auch die Rückblickszeremonie sein gutes: man nimmt sich wirklich mal kurz Zeit, über sein Leben nachzudenken, so oberflächlich das auch erst mal sein mag. Stichwort gute Vorsätze.
Also was soll’s? Dann meditiere ich halt auch mal über die mehr oder weniger sinnvolle Frage, ob nun 2013 ein gutes oder ein schlechtes Jahr gewesen sei. Daß ich bei einem klaren weder noch rauskomme, heißt vermutlich, daß es schon ganz okay war. Unscheinbare Jahre schlägt man es letzten Endes dann doch immer irgendwie der Positiv-Bilanz zu, weil: immerhin ist nichts außergewöhnlich Katastrophisches passiert.

Und sonst so? Mal smalltalkmäßig zusammengefaßt, habe ich folgendes:

|Gesehen| Im Frühjahr hat es meine beste Freundin nach acht Jahren (!) vergeblicher Versuche geschafft, mich zum Supernatural-Gucken zu verleiten. Über Monate haben wir uns zusammen 6einhalb Staffeln reingezogen; den Rest habe ich dann mit meiner Mitbewohnerin gesehen. (Süchte greifen um sich, ihr kennt das!) Macht 181 Episoden à 40 Minuten, also 120einhalb Stunden. Mein größtes Fernsehprojekt aller Zeiten. An der Stelle bin ich immer wieder froh, daß ich nicht auch noch Computerspiele spiele, die ja auch mal locker mit 80 Stunden zu Buche schlagen... 
Auf den zweiten Platz kommt die Bond-Filmreihe, mit der eigentlich alles angefangen hat und mit der wir  natürlich immer noch nicht fertig sind. Eine Reise durch 50 Jahre Bond, das ist schon auch, äh, abenteuerlich. Irgendwo zwischen Nostalgie (Als ich klein war wollte ich auch Geheimagentin werden) und Ungläublichkeit (Das hat er jetzt nicht gesagt/getan?!), mit einer ordentlichen Portion Alkohol zur besseren Verträglichkeit, war da auch ein bißchen kulturwissenschaftlicher Erkenntnisgewinn dabei – I swear!
Artiest Film: Leviathan | Enttäuschendster Film: Pacific Rim | Überraschendst guter Film: The Heat | Zeitaufwendigster Film: The Hobbit – Meine Fresse, hat dieser Film ein cooles Fandom! Ich war echt geflashed – nicht nur von der Fan Art, sondern auch davon, wie vielfältig und divers und progressiv viele Fans sind. Neue Serien hab ich mir auch zu Gemüte geführt, namentlich: Elementary, Hannibal, House of Cards, Ray Donovan, Vikings. Noch auf der To Watch-Liste: Orphan Black.

 |Gelesen| Zeitlich gesehen, also von der Zeit die ich investiert habe, liegt hier – neben Unmengen von z.T. brillianter Tolkien-Fanfiction - auch wieder ne Serie vorne (war ja klar) und zwar Sandman Slim von Richard Kadrey. Aktuell bin ich beim 5. Band. Angefangen hat es als leichte Urlaubslektüre und das zieht sich jetzt so durch. Nach meiner Enttäuschung darüber wie schlecht die Hunger Games geschrieben sind und daß City of Bones gar nicht lesbar ist, hat das Fantasy-Reihen für mich erst mal wieder gerettet. Inhaltlich hätte ich mir einen bißchen weniger superheldenhaften Protagonisten gewünscht, das hätte die Serie auch vertragen, aber naja, irgendwas ist ja immer.
Neben dem zeitlichen Aspekt (wieviel Zeit verwendet man zum Lesen) gibt es noch den Impact-Faktor, also was hat mich am nachhaltigsten beindruckt: Maps & Legends, eine Essaysammlung mit dem Untertitel Reading and Writing along the Borderlands hat mich im Frühjahr sehr gerockt und dazu geführt, daß ich noch mehr von Michael Chabon gelesen habe, z.B. Gentleman of the Road und The Yiddish Policeman Union. Einen ähnlichen Liebhaberstatus hat eher schon Ende des Jahres Something Wicked This Way Comes von Ray Bradbury gewonnen. Ich hab schon mehrere Sätze begeistert laut verlesen.
Sonst kann ich mich gerade an nichts erinnern, was einen bleibenden Eindruck hinterlassen hätte…  Wie immer wenn ich so drüber nachdenke, viele Zeit ich mit Fernsehgucken verbringe und wieviel mit Lesen, dann kriege ich ein furchtbar schlechtes Gewissen. Guter Vorsatz fürs nächste Jahr also mal wieder: mehr lesen!

|Geschrieben| Wenn ich schon nicht sonderlich viel Zeit in Lesen gesteckt habe, dann hab ich doch wenigstens relativ viel geschrieben dieses Jahr.  Für drüber&drunter ist dabei leider nicht so viel abgefallen, aber immerhin haben wir wieder eine gewisse Regelmäßigkeit in der Posting-Dichte etabliert und eine neue Brabarella an Land gezogen. (Yey @MiaRose & Anja!) Die stärkere interne Kommunikation hat dabei auch sehr geholfen. Deadlines und Feedback sind einfach unschätzbare Motivationsfaktoren. :)

|Gehört| Bleibendste Eindrücke und höchste Frequenz geben sich hier die Hand: Circle Takes The Square – eine US-amerikanische Screamo-Band und Ashborer – US-amerikanische Hipster Blackmetal Band, beide auch live. Welcome to Night Vale – Podcast, der vorgibt eine Lokalradiosendung der fiktiven Wüstenkommune Night Vale zu sein, in der allerhand Schräges und Surreales vor sich geht. (tumblr-Hype)

|Gegessen| Ich habe – wie wahrscheinlich viele – so Phasen in denen ich gewisse Nahrungsmittel in rauen Mengen konsumiere, nur um sie dann wieder zu vergessen. Dieses Jahr auf den Top-Plätzen: Tortillawraps mit Salat, Balsamico-Creme, Räuchertofu-Aufschnitt, Ofenkäse,  Schokopuffreis und Avocados. Gekocht habe, ich wie man daran sehen kann, total uneinfallsreich, was wiederum auch ein Vorsatz für 2014 ist: wieder Rezepte lesen, neue Inspirationen holen und umsetzen.

|Getrunken| Wie immer unfaßbar viel Kaffee, hauptsächlich Americanos aus zwei verschiedenen Espressomaschinen und zwischendurch meiner Bialetti Brikka. Allerdings quasi keinen sortenreinen Kaffee dieses Jahr, obwohl das doch meine geheime Leidenschaft ist. | Alkohol wieder moderater, vor allem nach bösartigen Bemerkungen meines Mitbewohners, daß Alkoholismus wohl schon zu den Berufskrankheiten meines Jobs gezählt werden könne. Also keine Sektchen mehr sondern lieber mal ein Bier oder ein Glas Wein. Zum Jahresende: Wodkavorräte dezimiert.

|Getragen| Die Frage muß ich jetzt natürlich BH-mäßig auslegen – vor allem Jasmine und Indina Balconette von Panache; gegen Jahresende quasi nur noch den Envy.
Dazu, as usual, Leggings, Shorts, Spaghetti-Tops, Schlauchschals, Bikerboots, Jerseyboleros und neuerdings Fleecejacken. Ich bin echt modefaul. Und das bei dem Blogtitel/thema… (ächz) Für 2013, oopsie, 2014 muß das natürlich heißen, steht mal wieder ein Make-Over an – langsam wird es sogar mir zu langweilig!

|Geärgert| Über die eigene Naivität, verschwendete Energie, unangebrachtes “Durch- und Aushalten”, Leute, die ihre Bedürfnisse nicht auf dem Schirm haben, und natürlich wie jedes Jahr, den kritischen Status Quo und alle möglichen linken politischen Projekte und ‘TheoretikerInnen’, die sowas von reaktionär sind, daß sich einem die Nackenhaare kräuseln.

|Gefreut| Daß mein Gehirn wieder ordentlich läuft. Zwischendurch hatte ich schon das Gefühl völlig zu verblöden und nur noch die Aufmerksamkeitsspanne einer Fruchtfliege zu haben. Außerdem: Tolle Menschen! Und natürlich: über den schönen Sommer!

|Gedacht| Interessant daß man immer wieder neue Erkenntnisse über sich haben kann, obwohl man sich doch schon so lange kennt. Konkreter: ich habe relativ viel über den Zusammenhang von Energielevel und Extro/Introvertiertheit nachgedacht und festgestellt, daß ich andere Menschen oft anstrengender finde als ich realisiert habe. (Ich bin nicht sonderlich schüchtern)

|Gewünscht| Daß es mir endlich gelingt, die Weltherrschaft an mich zu reißen. Oder mir ein guter Alternativplan einfällt. ;-) Sonst würde ich auch ein Haus am See nehmen. Oder einfach einen weiteren guten Sommer. *daumendrück*

|Gestaunt| Daß mein Interesse für den Blog und BraFitting noch mal wiedergekommen ist. Ich hatte das schon völlig abgeschrieben.

|Gekauft| Nach Jahren der Verweigerung endlich ein Smartphone, womit ich dann auch endlich im aktuellen Jahrzehnt angekommen bin. Uff! Ich kann auch ganz stolz berichten, daß sich meine selbstauferlegte Handy-Etiquette bewährt hat und mich immer noch ganz normal mit anderen Menschen unterhalten kann.

|Geklickt| Nachdem es lange Zeit ebenso an mir vorbeigezogen ist wie die Smartphone-Geschichte, hat mich 2013 das tumblr-Fever erwischt. Ausgangspunkt dabei war mein wiedererwachtes Interesse an Fanfiction (AO3) und die Erkenntnis, daß man heutzutage einen tumblr statt eines Livejournals hat (ja, ich war der Entwicklung etwas hinterher). Danach habe ich recht stupide aber mit wachsender Begeisterung schöne Bilder, lustige GIFs , interessante Zitate, politische Rundbriefe und amüsante Wortwitze konsumiert. Und dabei auch echt noch was gelernt. (tumblr can be so educational!)

Habt ihr auch so einen Jahresrückblick geschrieben?
Für den Blog, das Tagebuch oder allgemein die Nachwelt?
War 2013 für euch eindeutig gut oder schlecht?

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Ein perfekter Moment: Sommerabend am Liepnitzsee

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OT: 50 Shades of Nude - Foundation und Diversity


“Winter is coming”… und die Catchphrase macht das auch nicht wirklich besser. Zumal sie im Frühjahr deutlich witziger ist, denn streng genommen ist nach dem Winter natürlich vor dem Winter und Winter ist am schönsten, wenn er noch weit weg ist. Finde ich. Wie dem auch sei… langsam ist das schöne bunte Laub verschwunden und die Tage werden kurz und zu kalt ist es sowieso – also ist es kaum noch zu leugnen daß wir in der kalten Jahreszeit angekommen sind. Spätestens jetzt wäre es an der Zeit, sich mit der Anschaffung von Anschaffung von neuen Winteraccessories über das Unvermeidliche zu trösten. Konsumkick gegen Herbstdepression.

Neben Mütze, Schal und Handschuhen steht bei mir jedes Jahr noch ein weiteres “Drüber-Item” auf der Anschaffungsliste:  die “Winterfoundation”, also ein (Flüssig-)Make-Up, das mich durch die kalte Zeit begleiten und erst unter Beimischung der Sommerfarbe und irgendwann pur einen ebenmäßigen Teint vorgaukeln wird – aller Heizungsluft, Kälte und fehlender Sonne zum Trotz. Also habe ich etwas gemacht, was ich schon seit fast zwei Jahren nicht getan habe: Kosmetikblogs gelesen und Swatches (Farbklekse) gegoogled, denn so ein Foundation-Kauf will gut recherchiert sein. Winking smile

Neben der Problematik von Textur, Deckkraft und Verträglichkeit stellt sich für mich vor allem die unerfreuliche Frage nach der passenden Farbe. Ich habe eine – in meinen Augen für mitteleuropäische Verhältnisse nicht außergewöhnlich seltene – Hautfarbe, die im Sommer relativ schnell auf ein mittleres Gold-Gelb bräunt, im Winter aber auf Wandfarbe mit ausgeprägt gelbem Unterton ausbleicht. Dummerweise ist offensichtlich vorgesehen, daß mein Hauttyp stets sommerbraun zu sein hat, denn mit fortschreitender Blässe wird es immer schwieriger ein halbwegs passendes Makeup zu finden:  Je heller die Haut, desto weniger verzeiht sie eine falsche Nuance und auf meiner Haut wirkt  dann irgendwann alles einfach nur noch rosa, selbst die neutraleren Beige-Töne.

Eigentlich kein Wunder, denn der deutsche Markt scheint auch im Bereich Foundation auf das altbewährte Prinzip “One fits all” zu setzen – üblicherweise findet man im Drogerie-Regal vier bis sechs Nuancen eines Make-Ups, die anscheinend mehr oder weniger auf gut Glück zusammengestellt werden und in der Regel im mittleren Farbspektrum rangieren; wer also hellere oder dunklere Haut hat oder eine andere Farbnuance benötigt, der guckt in die Röhre. Hurra Diversity! 

Ist es nicht schön, wie man bei jedem beliebigen Thema auf die Diskrepanz zwischen dem normalverteilten Mainstream-Angebot und den individuellen Bedürfnissen der konkreten Einzelperson zu sprechen kommen kann?

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Weite Teile meines aktuellen "Malkastens"
Nun ist ja – wie immer – klar, daß Massenproduktion per definitionem heißt, daß Waren nicht auf persönliche Einzelbedürfnisse zugeschnitten sind, sondern die Hersteller versuchen einen Kompromiß zu finden, mit dem sie es möglichst vielen recht machen können. Im Idealfall kann man das Produkt so konzipieren, das es sich nach Bedarf etwas anpassen läßt – so wie ein höhenverstellbarer Bürostuhl z.B. Oder Klamotten mit hohem Elasthananteil. Oder Schnürstiefel. Alles ganz tolle Erfindungen.

Im Zuge dieser Idee der “Anpassbarkeit” werden in den letzten Jahren immer wieder Foundations mit dem Werbeversprechen auf den Markt gebracht, daß sich die Farbe dem Hauttyp anpassen, ja geradezu magisch damit verschmelzen würde. Schöne Idee. Theoretisch gibt es das angepriesene Produkt dann auch in vielen Nuancen. Praktisch aber nur in den USA. Weil wir hier in Mitteleuropa nämlich nur die besagten vier bis sechs Hautfarben haben. Das ganze Jahr hindurch. Das heißt schon mal ganz klar, daß der Anteil an Women of Colour offensichtlich im nicht (markt-)relevanten Bereich liegt; was selbstverstänlich nichts über die reale Anzahl der potentiellen Käuferinnen aussagen muß sondern in erster Linie etwas über ihre Wahrnehmung. “Hautfarben” das ist einfach für den deutschen Markt nur ein klitzekleines Spektrum von Nuancen, was man an Pflasterfarben sehen kann und daran welche BHs als “nude” ausgezeichnet werden. (Vgl. dazu den früheren Blog-Post: Hautfarbe = Hautfarben – die Problematik des passenden “nude”-BHs )

Läßt man die rassistischen Implikationen bei Seite (weißes Privileg) und guckt erst mal ganz abstrakt auf die ganze Sache, dann fällt einem schnell auf, daß es schon irgendwie komisch ist in einer Gesellschaft zu leben, in der Attraktivität sowas wie den Kernpunkt weiblicher Identität bildet und Millionen, ach was Milliarden!  mit dem Verkauf von Kosmetika verdient werden, während gleichzeitig die Bedürfnisse der Konsumentinnen nicht ernst genug genommen werden, um ein wirklich sinnvolles Angebot zur Verfügung zu stellen. 

Also was denn nun? Soll ich mich nun bemühen, wie ein retuschiertes Abbild meiner selbst auszusehen oder nicht?  Die Antwort liegt auf der Hand: Ja schon, aber bitte nur im Rahmen von  fünf  Hautfarbe-Nuancen. Alles andere wird für uns, die VerkäuferInnen zu teuer.  Lieber verdienen wir extra daran, daß ihr euch auf der Suche nach dem richtigen Makeup durch tausend Produkte probiert. 

Die Idee ist also, eine schier unendliche Produktpalette von unterschiedlichsten Texturen und Finishes von ultramatt bis superdewy und von extrem deckend bis megaleicht rauszubringen, aber halt nur in den Farben die “der deutschen Durchschnittsfrau” passen. Was die Makeupanbieter und –herstellerinnen dabei allerdings auch vergessen, ist daß es sich bei Deutschland nicht nur im figurativen Sinne um ein Land der Bleichgesichter handelt. Und selbige selbsternannte Blassnasen haben eine deutlich lautere Stimmung als marginalisierte Women of Colour. Nicht ganz unerwartet schallt daher beständig die Klage über die zu dunklen oder falsch getönten Foundations durch die Beautyblogs und –foren. 

Und ja, ich finde es auch seltsam wieso es nicht möglich zu sein scheint, standardmäßig hellere Foundations anzubieten und eben auch gleich noch dunklere. Und vielleicht, wo es schon produziert wird, in verschiedenen Farbnuancen für warme, kalte und neutrale Untertöne?! Ggf. wären ja schon eine Art Baukastensystem eine Lösung, dann könnte man sich einfach seinen passenden Ton selber zusammenmischen. Immerhin wechselt man ja auch nicht ad hoc von Sommerbräune zu Winterblässe und umgekehrt. Wo zur Hölle, lieber Einzelhandel und verehrte Kosmetikindustrie, liegt da das Problem?! Ich sehe ein, daß nicht jede Popeldrogerie das gesamte Farbspektrum anbieten kann, aber wenigstens die Hersteller könnten einen Onlineshop einrichten, in denen es auch “exotischere” Farbnuancen zur Auswahl gibt, die sie für den US-Markt ja sowieso produzieren. 

Das ist aber natürlich nur die eine Seite der ganzen Angelegenheit. Auf der anderen stehen die Konsumentinnen, die sich zumindest soweit zueinander solidarisch verhalten könnten, als daß sie nicht nur die eigenen Bedürfnisse wahrnähmen. Und da sehe ich das nächste Problem: Aus dem was ich bisher so gelesen habe, schließe ich, daß sehr viele schon keine Lust auf Rumgepantsche haben und lieber eine optimal passende Foundation straight from the bottle hätten. Ja, kann ich auch irgendwie verstehen. Andererseits wäre es da doch eine Überlegung, daß man das dann vielleicht unter Spezialinteresse verbuchen könnte und das dann an den sog. “Fachhandel” sprich die Parfümerien verweisen? Statt dessen wird aber leider oft versucht, die eigenen Interessen gegen die anderer Menschen argumentativ durchzusetzen, indem deren Bedürfnisse marginalisiert werden und die eigenen dafür unreflektiert ins Zentrum geschoben.

Fragwürdig: Der Hype des  “Alabasterteints”

Ich weiß gar nicht wie oft in Unterhaltungen über Makeup-Töne pejorative Aussagen getätigt werden, etwa man möchte ja nicht wie ein Schweinchen oder ein Indianer (sic!) aussehen, heißt es dann häufig, und sogar das N-Wort ist schon gefallen. Ja, wirklich! Gleichzeitig scheinen sich immer mehr Frauen bemüßigt zu fühlen zu betonen, daß sie Sonnenbräune ja gar nicht schön fänden und auf ihre Blässe richtiggehend stolz seien. Der “Alabasterteint” wird konsequenterweise dann auch ganzjährig mit SPF50 argwöhnischst vor jedem Sonnenstrahl geschützt.

Und das ist dann so der Punkt, an der die ganze Sache endgültig in eine Richtung kippt, die mir gar nicht gefällt. Bei aller Liebe zur Diversität und bei allem Vorbehalt gegenüber exzessivem Sonnenbaden und Solariumsbesuchen: das Ideal der vornehmen Blässe ist mir einfach zu krass mit rassistischen, klassistischen und kolonialistischen Ideen verbandelt, als daß ich solche Aussagen als bloßes Geschmacksurteil abtun könnte.

Mir ist schon klar, daß der “neue” Trend zur Blässe erst mal als Abgrenzung zum Diktat der '”gesunden Bräune” daherkommt und mit allem begründet wird, was man seit dem Kindergarten über Hautkrebsrisiko, vorzeitige Hautalterung  und die Gefährlichkeit des Ozonlochs gelernt hat.  Und natürlich ist es individuell unterschiedlich, wieviel Sonne die Haut verträgt und ob sie überhaupt relevant ‘bräunt’ oder eher verbrennt. Und selbstverständlich bin ich auch nicht der Meinung, daß man Blässe als unattraktiv abstempeln sollte. Aber den Spieß einfach umzudrehen, bedeutet wirklich überhaupt nicht aus einer subalternen Position  zu sprechen, wie sich das manche glaub ich gerne einreden möchten! 

Blässe läßt sich nicht einfach aus dem Kontext lösen, in dem es jahrhundertelang stand und immer noch steht: helle Haut symbolisiert nicht nur die Freiheit von harter körperlicher Arbeit (im Freien) und damit die Zugehörigkeit zu einer höheren Schicht (Adel, Bürgertum) sondern auch eine rassistische Überlegenheit, die als strukturelle Privilegiertheit von Weißen gegenüber People Of Colour leider immer noch besteht. Das ist auch der Hintergrund der sich in den letzten Jahren auch hier so großer Beliebtheit erfreuenden asiatischen BBCreams mit aufhellender Wirkung.

Deswegen könnte ich immer kotzen, wenn ich sowas lese wie “Ich bin stolz auf meinen Schneewittchenteint” und dann vielleicht auch noch mit angehängten Tips wie man wirklich kein bißchen Sonne an die Haut läßt. Klar,  zuviel ist schädlich, aber zuwenig auch! Schon mal was von Vitamin D gehört? (Ggf. bitte mal lesen: Wikipedia > Vitamin D (Cholecalciferol) > Einfluß auf die Gesundheit) Abgesehen davon bin ich ganz konservativ der Meinung, daß man nur auf (eigene) Leistungen stolz sein kann (sollte!) nicht auf Eigenschaften.

Mehr Vielfalt wär doch auch ne Lösung

Im Grunde ist es doch eigentlich ganz einfach:
Alle Menschen sind unterschiedlich. Das ist einfach so. KeineR sollte sich für seine*ihre Individualität  rechtfertigen müssen. Und im Zuge ganz basaler Eigeninteressen wäre es einfach schön, sich für mehr (Waren-)Vielfalt einzusetzen statt dafür daß man nur selber in seinen Bedürfnissen berücksichtigt wird.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß das grundsätzlich nicht funktionieren kann - auch wenn es erst mal unternehmerischen Vermarktungsidealen (möglichst kleiner Warenbestand, möglichst hoher Durchlauf, möglichst großer Gewinn) entgegensteht. In anderen Ländern geht es ja offensichtlich auch – oder warum sonst kann man in Großbritannien einigermaßen einfach und günstig BHs in Größen bekommen, die hier als supermegaexotisch gelten? Genauso muß das doch auch mit Foundations klappen. 

Ich verstehe einfach nicht, weshalb es in Deutschland so selbstverständlich sein kann, Konsumbedürfnisse die marginal vom Mainstream abweichen direkt an den “Fachhandel” abzuschieben. Du bist zu klein zu groß zu dick zu dünn zu hell zu dunkel? Naja, Pech gehabt. Nicht unser Problem. Echt, das ist so unfaßbar antidemokratisch, da könnte ich schon wieder in die Tischkante beißen. 

Ja, ich weiß, die Sache mit der Foundation ist auf ne Art ein Luxusproblem. Andererseits werde ich als Frau auch pausenlos mit Werbung beschallt, was ich nun wieder kaufen soll, um schöner zu sein blabla. Und dann, wenn ich brav tun will, was mir gesagt wird, dann gibt es gar nix für mich?! Und das obwohl mir das Produkt als “quasi für mich maßgeschneidert” angepriesen wurde?!  Ehrlich, da kann ich mich einfach nur total verarscht fühlen!
Zurück zu meinem persönlichen Problem mit der Foundation und der Frage: 

Gibt es nun die perfekte “Bodypaint-Nuance”?

Also, ich hab meine noch nicht gefunden. Ich bin aber auch nicht willens 30 Euro plus für das blöde Zeug auszugeben. Man weiß ja nie, ob man’s verträgt oder nicht. Am Schluß kriegt man Pickel oder trockene Stellen oder man sieht aus als hätte man sich in Panade gewälzt. Nicht zu vergessen der Oxidationsfaktor – d.h. eine Farbe, die erst mal passend wirkte, verändert sich auf der Haut in eine ungünstige andere Richtung. So sind mir auf dem Höhepunkt meiner Winterblässe die meisten Sachen einfach zu rosa. Das läßt sich hauptsächlich damit erklären, daß ich schon explizit gelbe Töne brauche und selbst neutrale Farben auf meiner Haut rosa wirken. Sagte ich ja oben schon. Oftmals erscheint das Makeup dadurch auch zu dunkel. Ich glaube ein sehr, sehr großer Teil der Foundation-Verwirrung, auch was die Helligkeit angeht, ist der Tatsache geschuldet, daß viele nicht wissen wie sie sich auf der warm-neutral-kalt-Skala verorten sollen. Ich habe auch ganz lange gebraucht um zu verstehen, daß ich gar nicht “so hell” dafür aber “so gelb” bin und sich deswegen die meisten Makeups farblich nicht so gut mit meiner Haut verbinden. Im Idealfall sollte Foundation ja überhaupt nicht als solche erkennbar sein  – wer also “angemalt” aussieht macht was falsch.

Entsprechend gilt die Sache mit dem Hautunterton aber natürlich auch für dunklere Typen – auch wenn der  Toleranzbereich größer ist, je mehr Eigenfarbe jemand mitbringt, ist er doch begrenzt… Ich habe vor einer Weile mal ein Werbevideo von L’oreal gesehen, das dokumentieren sollte welch unglaublichen Fortschritt die neuen Farben der “True Match” (in D “Perfect Match”)-Reihe gegenüber anderen Makeups darstellt. Obwohl das zum guten Teil Propaganda war, konnte man darin aber wirklich ziemlich deutlich zu sehen, wie künstlich eine falsche Nuance gerade bei dunklerer Haut wirken kann. Daran, daß das Video nur Women of Colour zeigt, wird auch klar, für wen eine solche überarbeitete Farbskala von 33 Farben in drei “Typrichtungen” (Warm, Kalt, Neutral) die größte Bedeutung hat – für die, die vom Markt extrem marginalisiert werden. Von den 33 Tönen werden in Deutschland aber nur 9 angeboten, in Großbritannien sind es immerhin noch 22.

So ginge das halt auch: True Match-Farb-
Überblick  bei colorconnection.yuku.com

L’oreal genießt aus unterschiedlichen Gründen (v.a. wegen Tierversuchen) in der “Beautyblogosphere” keinen guten Ruf;  allerdings scheint die L’oreal Marke Maybelline die erste zu sein, die eine richtig dunkle Drogerie-Foundation auf den deutsch(-sprachig)en Markt gebracht hat, siehe die beiden Video-Reviews zur Fit Me!-Foundation in 355  bei iilovefashion und Blackvelvet330. Als Referenzpunkte geben die beiden an NC50 bzw. NW45-47 bei MAC zu tragen. (MAC ist afaik die einzige gut erhältliche Marke, die in Deutschland dunkle Foundations anbietet. Preislich rangiert sie aber schon am unteren Rand des HighEnd-Bereichs) Und beide freuen sich sichtlich, auch mal vom Angebot berücksichtigt zu werden. Ist ja auch nicht weiter überraschend.

Im Verhältnis dazu relativiert sich natürlich die Klage übers mangelnde Angebot für sehr blasse Haut. Wenn ich ehrlich bin glaube ich, daß sich ein Großteil der “Nicht-Hell-Genug”-Probleme mit einem guten und günstigen Angebot an “Misch-Weiß” aus der Welt schaffen ließe. Soll heißen mehrere Varianten/Texturen, damit für alle was dabei ist und man vielleicht nicht so sehr nur eine Foundation damit aufhellen kann sondern vielleicht das Weiß eher auf die passende Tönung einfärben. Das müßte doch relativ easy möglich sein, oder? Plus, man könnte das Weiß auch einfach als Highlighter verwenden… Leider herrscht diesbezüglich auf dem deutschen Markt erst recht Ebbe; häufig wird die weiße Foundation von Star Gazer empfohlen, das ich aber von der Textur nicht so recht als Foundation durchgehen lassen würde. Es ist halt schon eher so eine Art “Grufti-Deckweiß”. Daneben gibt es noch zwei weiße Foundations von Illamasqua die man sich – ebenso wie übrigens dunkle Töne – aus UK bestellen kann, die Face & Body-Foundation von MAC und ein paar wirklich, wirklich helle Nuancen mit leichter Eigenfärbung. Der letzte Neuankömmling in dieser Gruppe ist das Easy Match Make Up von Manhattan in 30 Porcelain.

Infos zu hellen Foundations findet ihr beispielsweise unter dem entsprechenden Tag bei MagiMania und in der aktuellen Reihe “Foundation Friday” von Godfrina auf kalterkaffee.at

Für dunkle Haut hab ich im deutschsprachigen Bereich nicht so viel gefunden außer Youtube-Videos;  neben den oben genannten iilovefashion und Blackvelvet330 hab ich noch ergoogled: BeautybyMiry (MAC), MaryRoé (Maybelline, BobbyBrown), Sinra (Maybelline, NYX), Mama Afrika (Maybelline), Nellys Modeblog (Makeup Store, Maybelline). Die Marken reflektieren schon ganz gut die nicht-vorhandene Auswahl: hier wird nicht großartig rumverglichen, wer zwei Produkte hat, die einigermaßen passen kann sich offensichtlich schon glücklich schätzen.  Das Video “Great Foundations for a Woman of Color” der US-Amerikanerin shaneilh bespricht dagegen immerhin 10 Optionen. Daß das Angebot für WOCs auch in den USA deutlich (!) kleiner ist als für Weiß darf man natürlich nicht vergessen. Aber sogar davon sind wir hier noch Lichtjahre entfernt.

So danke fürs Zuhören. :)


Seid ihr auch Anhängerinnen im Fingerfarbenclub? Oder schon ausgewachsene Beauty-Junkies? Oder gehört ihr zu denen die höchstens eine Wimperntusche und einen Puder besitzen?




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Ein bißchen off topic: Beleidigungen

Im Oktober habe ich angefangen diesen Blogpost zu schreiben. Aber nachdem das Thema kein Ende nehmen wollte und ich an der englischen Ausgangsversion immer noch Verbesserungen vorgenommen habe, verwandelte sich der Text langsam aber sicher in einen meiner längerfristigen Schubladenbewohner. 

Nun kann man natürlich die Frage von Beleidigungen und Übergriffen nicht längerfristig ignorieren. Man begegnet dem Thema ständig, wenn man die Zeitung liest, einen Blog, sich mit FreundInnen trifft, wenn man auf die Straße geht – einfach überall. 

Meine letzten Berührungspunkte waren der Beitrag You don’t have to put on the red light* (*you’re fair game anyway) von Becky (Busts4Justice) und eine von Bibi angefangene Diskussion bei den Busenfreundinnen über die Kommentare zu einem Spiegel Online-Artikel zur sog. Brüderle-Affaire. Also unternehme ich heute einen neuen Versuch mit dem Thema. (Sorry, es ist furchtbar lang geworden!)

Also, dieser Beitrag nahm seinen Ausgang vor längerer Zeit, als ich über einen Blogpost von Katrin von den Reizende Rundungen (einem Mode-Blog, den ihr hoffentlich schon kennt ;-)) stolperte. Sie beanwortet darin die Frage von einer ihrer Leserinnen, wie man am besten mit Beleidigungen umgeht. Und obwohl Katrin, wie immer, einige sehr tolle und ermutigende Dinge darüber sagt wie man das Gefühl, verletzt und gedemütigt worden zu sein, mit positiver Einstellung begegnen kann, habe ich doch das Gefühl, daß mir ein paar Punkte fehlen. Nachdem mich die Sache einige Tage nicht losließ, habe ich beschlossen einen eigenen Post dazu zu verfassen.

Im folgenden Beitrag konzentriere ich mich vor allem auf das Thema “Beleidigungen von Fremden”; etwas das Katrin auch in einem Folgepost namens “Schimpftirade auf offener Straße” beschreibt. Das hat seinen Grund darin, daß ich selten von Freunden oder Bekannten mit abfälligen Bemerkungen konfrontiert werde. (Ein Hoch auf meine Bubble der Harmonie!) Ein weiteres, wichtiges Thema wären Internet-Hater und Trolle; aber ich weiß nicht wie ich darauf auch noch eingehen soll, ohne hier völlig den Rahmen zu spregen.

Vielen Dank an meinen Mitbewohner für die kreative Hilfestellung! ;-)

Worum geht's? Allgemein zum Thema...

Schon mal vorneweg: Eine Beleidigung sind etwas, was jeden treffen kann. Nichtsdestotrotz, die Wahrscheinlichkeit hängt natürlich auch nicht unwesentlich an der eigenen Position in der sozialen Hierarchie, d.h. es ist deutlich wahrscheinlicher zur Zielscheibe zu werden, wenn man zufällig eine Frau, schwarz, queer, behindert etc. ist. Das hat IMO mehrere Gründe, die ich hoffentlich im Folgenden etwas ausführen kann. Hauptsächlicher Faktor ist m.E. jedoch, daß man vom Angreifer als jemand wahrgenommen wird, von dem man keine Gegenwehr erwartet.

Das, und das kann man nicht genug betonen, heißt natürlich nicht, daß man selber schuld daran ist, beleidigt zu werden, weil man “schwach” erscheint. Die Beleidigung bestätigt nicht, daß man zu fett, zu schwarz, zu queer oder einfach zu provokativ ist. Das heißt, man kann den Übergriff nicht vermeiden, indem man den Kopf unten hält und ein paar geheimen Regeln folgt. Wirklich, bitte als Mantra übernehmen: Es ist nicht deine Schuld! Es gibt keine Rechtfertigung für verbale Übergriffe. Es ist dein Recht zu sein, was und wer du bist – völlig gleichgültig, was andre Leute denken!

Und, mal ehrlich, sie können denken, was sie wollen, solange sie dabei den Mund halten. Leider sind wir damit schon beim Problem angekommen – es gibt immer jemanden, der die fundamentalen Regeln zwischenmenschlichen Verhaltens nicht versteht und keinen Filter zwischen Denken und Sprechen kennt. Also sagen sie direkt was ihnen in den Kopf kommt – und meistens ist das nichts, was man unbedingt hören wollte.

Die Frage dabei wäre: Warum machen sie das? 
Und die Antwort darauf ist ziemlich einfach: Weil sie sich dadurch besser fühlen.

Jemanden zu beleidigen heißt jemanden zu objektivieren, heißt sich selber als überlegen zu imaginieren und damit das eigene, niedrige Selbstwertgefühl zu pushen. Das funktioniert natürlich nur, solange das Opfer des Übergriffs auf der Empfängerseite der Aggression bleibt und in seinem Objektstatus verharrt. Sobald man anfängt sich zur Wehr zur setzen, verwandelt sich der gewünschte Effekt in sein Gegenteil.

Das ist nicht nur für den Aggressor der Fall sondern auch für das Opfer. Irgendeine Reaktion auf eine Bedrohung ist notwendig, um sie verarbeiten zu können. Klassisch ist das eine Entscheidung zwischen “Fight or Flight”, also Kampf oder Flucht. Nun wäre meine küchenpsycholgische Interpretation der Situation, daß im Fall einer Beleidigung der Übergriff bereits erfolgt ist. Du kannst der Attacke nicht mehr entkommen, weil sie bereits erfolgt ist. Also hast man zwei Optionen...

Wie gehe ich mit Beleidigungen um?

Reaktion 1: Ignorieren
Man stellt sich vor, man sei undurchdringlich und läßt die Beleidigung einfach von sich abtropfen. Das heißt du bist in einer Position, in der du die Beleidung als etwas Fiktionales ansehen kannst, das dein persönliches Schutzschild nicht durchdringt. Du weißt, daß der Angreifer eigentlich eine bemitleidenswerte Kreatur ist und der Angriff für dich keinerlei Bedeutung hat. Das ist eine sehr beneidenswerte Haltung und ich bin mir sicher, daß es nicht viele gibt, die diese erreicht haben. Es ist quasi so eine Art schwarzer Gürtel in Gelassenheit  nötig. Und auch wenn man gute Tage hat, an denen das gelingt, gibt es auch andere.

In diesen Fällen fühlt man sich verletzt und gedemütigt und es dauert Stunden, bis man den Angriff einigermaßen “verdaut” hat. Ziemlich wahrscheinlich wird man einige Zeit darauf verwenden, darüber nachzudenken wie man solche Situationen in Zukunft vermeiden kann und damit auch inwiefern sie berechtigt war (Bin ich wirklich zu [bitte irgendeinen Makel einfügen]?). Vielleicht denkt man darüber nach, eine Diät anzufangen, unauffälligere Klamotten zu tragen, vielleicht überlegt man sogar, ob eine Schönheitsoperation die Lösung wäre…

Viele Menschen sind verzweifelt bemüht als etwas/jemand durchzugehen, das/der wenig (negative) Aufmerksamkeit auf sich zieht: homosexuelle Männer zelebrieren ein Macho-Gehabe um bloß nicht als “Schwuchtel” wahrgenommen zu werden und viele Frauen verstecken sich in farblosen Säcken in der Hoffnung, unsichtbar zu werden.

Eine gute Freundin von mir gestand mir vor einer Weile, daß sie sich verstärkt Gedanken um ihr Outfit und ihr Auftreten mache, da sie häufiger als “Lesbe” betitelt worden sei. Sie sagte, sie ziehe in Erwägung sich die Haare wachsen  zu lassen und überlege, mehr Klamotten zu tragen, die weniger “butchy” und femininer sei. Wir sprachen ein paar Minuten darüber und kamen schnell zu dem Schluß, daß das vermutlich gegen dieses Schubladendenken gar nicht helfen würde; alles was sie so erreichen könnte, wäre sich selbst zu verleugnen um in ein männliches Klischeebild zu passen. Dazu kommt ja auch, daß als Lesbe bezeichnet zu werden auch nichts ist, wofür man sich schämen müßte, auch dann nicht, wenn man es schöner fände, nicht schon beim ersten Eindruck in eine solche Schublade gesteckt zu werden bzw. überhaupt lieber selber wählen möchte, als was man wahrgenommen wird. 

Kleiner Exkurs: Sexuell aufgeladene Sprüche
Wie dem auch sei, die Diskussion brachte einen anderen Aspekt ans Licht, den ich in dem Kontext für relevanter halte: Es ist der Faktor “Beweis mir das Gegenteil”. Wenn dich ein Kerl als Lesbe bezeichnet kann das eine sehr krude Art von Anmache sein. Die Implikation dabei wäre “Wenn du keine Lesbe bist, was ist dann deine Ausrede nicht mit mir was zu trinken/mich zu küssen/Sex mit mir zu haben.”

Die Grenze zwischen einem Anmachspruch und einer Beleidigung ist oft sehr, sehr dünn und meist überhaupt nicht existent. Warst du schon mal in der Situation, daß du dich gefragt hast, ob so ein Spruch überhaupt bei irgendjemandem funktionieren könnte? Daß irgendjemand auf eine solche Anmache positiv reagieren könnte?

Ich schreibe das natürlich aus der Perspektive einer Frau mit großen Brüsten, die mir eine Menge Kommentare einbringen, von absolut lächerlich bis hin zu wirklich eklig. Aber schlußendlich ist es eben egal, was es ist – Menschen und Männer im besonderen schaffen es eben immer, einen schwachen Punkt zu finden, auf dem sie rumhacken können.

Ich will jetzt nicht in einen Rant über meine Erfahrungen abschweifen. Worum es mir ging, war klar zu machen, daß auch sexuell aufgeladene Sprüche als Beleidigungen fungieren, die jemanden objektivieren und dadurch den Sprecher in seiner Über-Subjektivität bestärken.

Reaktion 2: Spiegeln
Wie ich schon oben erwähnt habe, gibt es zwei Reaktionen: die eine wäre zu versuchen, die Beleidigung zu ignorieren, die andere ist, die erfahrene Aggression zu spiegeln, sie also direkt 1:1 zurückzugeben. Jemand kommentiert deinen Körper? Dann sag ihm, er ist häßlich, dumm, was auch immer dir gerade einfällt. Es muß  nicht geistreich sein (obwohl es natürlich immer schön ist, wenn einem was Gutes/Witziges/Intelligentes einfällt). Es geht nur darum, etwas Negatives zurückzugeben.

Die erste Reaktion die du bekommen wirst ist Überraschung. Jemand der andere auf die Art beleidigt wie er dich gerade beleidigt hat, rechnet nicht mit Widerstand. Die zweite Reaktion wird vermutlich Ärger und Wut darüber sein, daß du es gewagt hast, den Spieß umzudrehen. Und das ist der Moment der einfach unbezahlbar ist und dir ermöglicht, einfach weiterzugehen, fröhlich pfeifend, statt dich für Stunden selbst zu hassen. 

Kurz: Sich zu wehren wirkt wirklich Wunder. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, daß sich damit die Frage der Aggression-in-sich-Hineinfressens wirklich erledigt hat. So kann  man die Akte Beleidigung direkt schließen und einen schönen Resttag haben.

Natürlich muß man sich überlegen, ob man sich in der entsprechenden Situation sicher genug fühlt. Es ist sicherlich keine gute Idee, einen wütenden Mob zu provozieren oder jemanden in einer Situation herauszufordern, in der es niemanden gibt, der dir im Notfall zur Hilfe eilen könnte. Andererseits finden die meisten Beleidigungen am hellichten Tag auf offener Straße statt und die Angreifer sind nicht unbedingt 2-Meter-Nazis, zu deren liebsten Hobbies Straßenkämpfe gehören.

Soweit mein ursprünglicher Plan. Ich möchte noch ganz kurz ein paar Sachen sagen.

Finale Anmerkungen:

Mein Ratschlag mit dem “Zurückschlagen” klappt vermutlich nicht für alle. Ich denke dabei vor allem an Situationen in denen sexuelle Übergriffe stattfinden und die Opfer sich hinterher Vorwürfe machen – und ihnen Vorwürfe gemacht werden – sie hätten nicht ausreichend deutlich Nein! gesagt. Das ist nicht, was ich hiermit sagen will. Ich möchte ermutigen, sich Beleidigungen nicht gefallen zu lassen. Eben weil man ihnen nicht entgehen kann.

In meinem Leben praktiziere ich trotzdem einige “Flight-Strategien” – ich laufe mit Kopfhörern durch die Stadt, vermeide viele Locations (z.B. Prollokneipen/-dissen) und ggf. auch Gruppen von männlichen Halbwüchsigen. Dazu gehören auch “Stealthy-Approaches” wie eine gewisse Auswahl von Klamotten, die nicht sonderlich feminin wirkt. (Das Tragen von Röcken soll sich bspw. wirklich signifikant in der Anzahl von blöden Anmachen niederschlagen!)

Taktische Vorgehen bei Bekannten und Freunden: Weil es natürlich auch vorkommt, daß man einen blöden Spruch von jemandem reingedrückt bekommt, den man besser kennt und vielleicht sogar mag: Hier kann es helfen, die Person darauf anzusprechen, daß man sich davon verletzt fühlt. Durch eine “Ich fühle mich soundso”-Formulierung läßt sich meistens eine persönliche Ebene herstellen, durch die der anderen Person die Implikationen der eigenen Aussage bewußt werden, wodurch man ein schlechtes Gewissen ergo eine längerfristige Besserung erzeugen kann. (Wenn man Glück hat.)

So, jetzt reicht’s aber wirklich. Wenn euch noch was einfällt, würde ich mich wahnsinnig über Kommentare freuen.

Wie geht ihr mit Beleidigungen um?

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Blog-Tip: Lebensmittelunverträglichkeiten + Hashimoto

Liebe Blogleserinnen,

heute habe ich mal wieder ein Offtopic-Thema für euch - einen Lesetip zu Lebensmittelunverträglichkeiten und Hashimoto-Thyreoiditis, einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die sich vor allem als Unterfunktion äußert.

Eine Schilddrüsenunterfunktion ist ein recht häufiges Leiden - wer sich mal im Familien- und Freundeskreis umgehört hat, hat das vermutlich schon mitbekommen. ;-) Was viele (die meisten!) nicht wissen, ist daß Hashimoto mittlerweile als die Hauptursache für Unterfunktionen gilt. Entgegen der landläufigen Meinung etabliert sich hierbei gerade die Theorie, daß nicht eine Unterversorgung mit Jod die Ursache für die Unterfunktion der Schilddrüse ist, sondern im Gegenteil die Jodierung von Lebensmitteln wie sie seit Anfang der 80er Jahre praktiziert wird als Auslöser für die Krankheit angesehen werden kann.

Anders gesagt: da davon ausgegangen wurde, daß Deutschland ein Jodmangelgebiet ist, wurde dazu übergegangen, allen Lebensmitteln Jod (vor allem in der Form von jodiertem Speisesalz) hinzuzufügen, um die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Dadurch enthalten mittlerweile fast alle in Deutschland industriell verarbeiteten Lebensmittel einen, nach der Meinung von etlichen ExpertInnen, bedenklich hohen Anteil von Jod. Dieser wiederum muß aber (skurrilerweise) auf den Lebensmitteln nicht ausgewiesen werden!

Diese Verteilung von Jod nach einem willkürlichen Gießkannenprinzip (immer schön drauf auf alles), hat nun - wiederum dieser Theorie nach - dazu geführt, daß Erkrankungen der Schilddrüse nicht rückläufig sondern eher auf dem Vormarsch sind.
Gießkannen in Frankfurt a.M. außerhalb
ihres natürlichen Lebensraums - des Friedhofs!!
vgl. dazu die Gießkannen-Kategorie @Wiki Commons
Bild von Peng - grazie mille!

Es wird daher bei einer Hashimoto-Diagnose empfohlen, auf jodhaltige Lebensmittel (allem voran natürlich jodiertem Speisesalz) zu verzichten, weil Jod im Verdacht steht die Entzündung der Schilddrüse noch weiter anzuheizen. Die Therapie für Hashimoto besteht also einerseits aus der Verabreichung von Schilddrüsenhormonen, die der Körper selbst nicht mehr produzieren kann und in der weitgehenden Vermeidung von jodhaltigen Produtken. Dummerweise, dank Gießkanne, ist dieses Jod in allem drin, vor allem Milchprodukte gelten als stark "belastet". 

Wer sich jetzt fragt, warum auch aus Generalverdacht eine medizinische Behandlung der Bevölkerung erfolgt, die so unerfreuliche Nebenwirkungen haben kann, der bekommt von mir 100 Punkte und ein Fleißbienchen.

Nun bin ich als "Hashi" bisher eher unwillig gewesen, mich mit dem Thema weitergehend zu befassen - ich nehme jetzt seit Herbst 2011 brav meine Medikamente - mit wechselndem Erfolg - und habe das Jodsalz aus dem WG-Fundus verbannt.

Eine Freundin von mir beschäftigt sich mit dem Thema aber deutlich intensiver, was seinen Grund darin hat, daß sie neben Hashimoto auch noch unter einer Jodunverträglichkeit leidet und ihr Körper auf Zusatzstoffe in der Nahrung wie eine Wünschelrute reagiert. Auf ihrem neuen Blog



schreibt sie unter dem Titel "Lebensmittel"industrie" – Leben und Lebensmittel. Eine Antithese?" über ihre Erfahrungen mit Hashimoto, Jod, anderen Zusatzstoffen, Bioernährung und was ihr sonst noch so einfällt.

Ich denke mal für alle wie mich, die irgendwie betroffen sind, aber zu faul sich selber ins Thema einzulesen, könnte das ziemlich interessant werden. Evtl. hilft es auch einigen, den Ursachen für ihre Symptome auf die Spur zu kommen. Sonst gilt natürlich wie immer: Laienhalbwissen ersetzt keinen Arztbesuch; sucht euch auf jeden Fall eine vernünftige Endikrinologin.

Einen schönen Sonntag wünscht euch,

eure george


Weiterführende Links:
Wikipedia-Artikel: Hashimoto-Thyreoiditis
Forum zu Hashimoto und Morbus Basedow: http://www.ht-mb.de/
Überblick zur Jodfrage bei Hashimoto: http://www.kit-online.org/HT-Jod
Und für alle, die lieber Filmchen gucken - ein "Anti-Jod-Propaganda-Video". ;-)




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OT: Ein One-Size-Fits-All-Rant - diesmal: Kondom-Größen...

Es ist schon mehrfach angemerkt worden, daß man im Zuge der Bra-Fitting-Geschichte plötzlich auch noch andere Problemfelder entdeckt, die dringend der Revolutionierung bedürfen. Neben überhaupt passenden Klamotten (kurvigen Jeans oder 'busenfreundlichen' Blusen) werden auch Alternativen zu den üblichen Lösungen mit Monopolcharakter verhandelt: wie Moon-Cups statt Tampons oder symptothermale Verhütung (auch unter dem etwas unglücklichen Namen NFP, also Natürliche Familien-Planung bekannt) statt hormoneller... Besonders kritisch begegnet man nach der Entdeckung realer Größenvielfalt und der Pluralität von Körperformen freilich allen One-Size-Fits-All-Ideen...

Und wo werden diese in ähnlichem Maß praktiziert wie beim Thema Kondomgrößen?!
Gummis gibt es quasi per definitionem nur in einer unbenannten Standardgröße - und dann noch als XXL-Version für Poser. Oder?

Nun könntet ihr natürlich erst mal einwenden: Was genau geht das jetzt die Leserinnen dieses Blogs an, bei denen es sich vermutlich zum überwältigenden Großteil um Frauen handelt?
Tja, die Antwort liegt auf der Hand: Wir (bi- oder heterosexuellen) Frauen wollen uns ja gegen eine ungewollte Schwangerschaft und/oder übertragbare Krankheiten schützen und daher liegt es in unserem Interesse, platzende Kondome und/oder nörgelnde Männer (Stichwort: Ist aber so unbequem mit Gummi!) zu vermeiden.

So wie Frauen denken, daß sie in BHs der Größe 75B oder 80C passen müssen, wenn sie nicht anormal sein wollen, so ähnlich glauben auch Männer, daß sich Kondome ja dehnen und wenigstens eine der Größen aus dem Drogeriemarkt um die Ecke die richtige sein muß.

Nun unterscheiden sich erigierte Penisse aber nicht nur in Länge und Umfang sondern auch in der Form voneinander, subjektives Empfinden mal ganz außen vor gelassen, und es macht daher schon Sinn, sich eine Gummisorte zu suchen mit der man gut klar kommt. Es geht also letzten Endes um ein Condom-Fitting und die Erkenntnis, daß die angeblich allen passenden Kondome der einschlägigen Marken gar nicht so universell einsetzbar sind, wie man sich das so vorstellt.

Der Slogan von Billy Boy "Paßt immer" wäre damit also als reine Lüge... äh... dolle Übertreibung zu entlarven. Ein Standardkondom dieser Marke ist 52mm (plusminus zwei Millimeter) breit und 175mm lang. Dafür gibt es die Sache aber auch genoppt und in verschiedenen Geschmacksrichtungen, neuerdings auch mit Orangenaroma.
Reicht das nicht aus, muß man schon auf die Extra-Reihe B² zurückgreifen; bei einer Länge von 195mm sind  die Kondome Perfekte Passform und Extra Groß (aka XXL [sic!])  im oberen Bereich 62mm, im unteren 55mm breit. Ob nun zwischen der perfekten Passform und der Extragröße noch ein Unterschied besteht, darüber gibt die Homepage leider keinerlei Informationen preis.

Ähnlich gut sortiert sind auch die anderen beiden Marken aus dem Hause MAPA, Blausiegel und Fromms. Während Blausiegel auch eine Komfort-Größe (vgl. BillyBoy Perfekte Passform) anbietet, kann man in den FAQ auf der Fromms-Webseite sogar folgendes lesen:
"Wie groß und dick sind Kondome eigentlich?
Kondome passen sich der Größe des Gliedes weitestgehend von selbst an. Alle MAPA Kondome entsprechen den europäischen Standardmaßen der Norm ISO 4074. Das entspricht einer Länge von 170-180 mm, einer Breite von ca. 52 mm beim flachgelegten Kondom und einer Wandstärke von ca. 0,06 mm. Damit sind alle Kondome aus dem Mapa-Sortiment um ein vielfaches dünner als die menschliche Haut! "
Na dankeschön! (Bezogen auf den ersten Satz)

Bei der Konkurrenz sieht es aber auch nicht viel besser aus, Ritex bietet Kondome mit 53 und 55mm (=XXL!) Breite an, Durex macht auf der Produkt-Website gar keine Aussagen zur Größe ihrer Ware (King Size spricht ja schon Bände, oder?!) und Rossmanns Preventivo gibt es in Standard = 52mm und Large=54mm.

Insgesamt überwiegt das Bild des Normalkondoms - das es dann auch mit Extras wie mit Noppen, in extradünn, -dick, -feucht, mit Geschmack oder in aufregenden Farben gibt. Größere Gummis gelten als entsprechende Spezialuntersorte. Und die gibt es dann natürlich nicht mehr in einer Sonderausführung. 

Wenn man sich im Vergleich dazu mal das Sortiment von MySize-Kondomen anguckt, dann stellt man schnell fest, daß es wohl offensichtlich doch eine größere Abweichung in der Penisnormalverteilung geben muß, als daß zwei Größen ausreichen würden. MySize bietet nämlich sieben (!) unterschiedliche Größen an, also Gummis mit einer Breite von 47mm bis 69mm, was einem Penisumfang zwischen 9.5 und 15cm entspricht. 


Zur optimalen Größenbestimmung gibt es ein "Penismaßband" zum Runterladen und Ausdrucken: Direktlink zum PDF. Dazu findet man Sätze, die einem spontan bekannt vorkommen: "Using the correct MY.SIZE condom, you feel safer, because the condoms has an optimum fit. The condom can not slip off."
Wirklich wie beim Brafitting, oder?

Folgt man dem Link zu einem deutschen Vertriebspartner wird man dann aber direkt mit einem Bild konfrontiert, bei dem ich erst mal fassunglos den Mund auf und zu gemacht habe. Mehrfach!
Also hier, einmal Goldfisch spielen für euch:

Bildquelle: www.vinico.com
Ich weiß ja nicht wie ihr das seht - aber ich habe tatsächlich noch keine Korrelation zwischen Körper- und Penisgröße feststellen können!! (For the record: Auch nicht in Bezug auf Nasengrößen) 
Angesichts der Tatsache, daß der Shop mit dem Bild potentielle Kundschaft beleidigt und deren Komplexe bedient, affirmiert es symbolisch gleich noch eine andere, vielleicht noch rigidere Körpernorm für Männer. Während (heterosexuellen) Männern im Vergleich zu Frauen immer noch mehr Freiheit von Schönheitsidealen zugestanden wird - Frauen gucken ja eher auf die inneren Werte - gibt es doch eine Ausnahme von der Regel: Attraktivität bestimmt sich nicht nur über die Klischees "humorvoll, gepflegt, romantisch" sondern auch wesentlich über die Körpergröße. Daß ihr Partner größer sein soll als sie selbst, oder wenigstens nicht kleiner, das ist ein ganz großer Punkt auf der Wunschliste der meisten Frauen.
Kleiner Mann-kleiner Penis-Unterstellungen sind also gleich doppelt problematisch.

Eine Penisgröße als "normal" zu definieren ist nebenbei bemerkt, auch schon ganz schön problematisch. Zumal ja auch erst mal gar nichts darüber ausgesagt wird, ob normal sich nun auf die Länge oder auf den Umfang bezieht.

Im Endeffekt gilt an der Stelle das gleich wie in Bezug auf Brüste immer wieder konstatiert: Nix ist falsch, alles ist richtig wie es ist - relevant ist nur die passende Verpackung zu finden!

Zum Weiterlesen empfehle ich die Kondomthreads im NFP-Forum.
Grober Angebotsüberblick: Liste bei testberichte.de


Was sind eure 10 Cent zum Thema?

Kommentare nach dem Jump.

Comments:

  • Popinnie
    sehr gutes thema. damit habe ich mich auch schon ausführlicher beschäftigt. das fatale an der philosophy der kondomindustrie ist ja, dass durch die falsche größe auch das reißen des kondoms begünstigt wird. das wirkt sich letztendlich auch auf den ruf von kondomen aus.
    würde über kondomgrößen besser aufgeklärt werden, würde sich sicher der absatz verbessern. aber so fristet das kondom irgendwie das dasein als geschlechtskrankheiten-verhüterli.
    die meisten würden sich niemals nur auf kondome verlassen, wenn sie schwangerschaften verhüten wollen. dabei ist die wahrscheinlichkeit, dass ein gut passendes kondom reißt extrem gering.
    My recent post frauenprobleme
  • george
    Ich stimme dir völlig zu. Leider gibt es so Spezis, die gar nicht auf die Idee kommen, daß ihre Kondome deswegen dauernd reißen, weil ihnen die Teile einfach zu klein sind - oder, noch schlimmer, die einfach zu blöde sind, sich eine andere Größe zu besorgen. Das ist natürlich verantwortungslos.

    Ich denke auch, daß da mehr Aufklärung nicht nur für mehr Sicherheit, sondern auch für weniger Vorbehalte (Stichwort Bequemlichkeit) und dadurch einen höheren Absatz führen würde.

    Zusätzlich muß man ja auch noch mit einbeziehen, daß viele (die meisten?) Männer davon ausgehen, daß ihre Freundinnen das Empfängnisproblem hormonell beseitigen und sie fein raus sind... Hab ich zumindest den Eindruck, daß das so ist...
  • Popinnie
    Ist auch so. Da fallen mir sehr viele Beipsiele ein.
    My recent post frauenprobleme
  • Ach, George, du sprichst mir aus dem Herzen. Auch wenn es hier um primäre Geschlechtsmerkmale geht, treffen doch viele der Grundideen des Fittings auch hier zu. Aber irgendwie ist die Diskussion um den Penis noch stärker tabuisiert als die über Brüste. Ich mag auch Männer nicht, die erwarten, dass man als Sexpartner ein Kondom mitbringt. Sollte er nicht immens daran interessiert sein, zu wissen was Ihm passt? Aber ne, wird schon gehen und alle Frauen nehmen ja heutzutage die Pille :S .
    Aber da ist ein ähnlicher Diskurs normativ wie bei der Buchstabenphobie, was es nicht beim Drogeriemarkt zu erwerben gibt, existiert auch nicht, bzw. ist &#039abnormal&#039.
    Schön auch der Kommentar meines FA Arzt zum Thema, naja dann müssen die sich halt einen asiatischen Mann suchen. Da hat es mir glatt die Sprache verschlagen und das passiert nicht oft.
  • george
    Schön, daß wir uns da einig sind. :p (Mein ich jetzt ernster als es klingt. :))

    Wenn man mal sieht, wie klein eigentlich die Bra Fitting-Szene ist, dann denke ich, daß die Themen BHs/Kondome sich durchaus vergleichen lassen. Eine kleine Minderheit ist durchaus in der Lage, sich um gut passende Gummis zu kümmern.

    Und Zustimmung zur "Beschaffungsfrage" - Ich finde schon, daß man sich in einer festen Beziehung oder regelmäßigen Affaire die Beschaffung und die Kosten von Verhütungsmitteln teilen sollte - aber gerade beim ersten Mal oder einem One-Night-Stand ist es doch klar, daß das irgendwie schon eher eine Aufgabe für den Kerl ist. Anders gesagt: Ich hab doch kein Fitting-Sortiment im N8schrank rumliegen!
    Ich bin da in letzter Zeit auch bockig. (Ha!)

    Das ist ja mal wieder eine hübsche Rassismus-Geschichte. *traurig den Kopf schüttel* Manchmal fragt man sich wirklich...
  • Popinnie
    Ich hab mich ehrlich gesagt schon oft gefragt wie ich das handhaben würde, wenn ich keine feste Beziehung (und damit eine bekannte Kondommarke/-größe zu kaufen) hätte. Man kann als Frau ja unmöglich ein Sortiment ansammeln. Dafür sind die Dinger dann auch schon wieder zu teuer.

    Und wie käme das auch rüber, wenn man dann erstmal mit einer Kondomsammlung ankommt :D
    Eventuell würde das Repertoir den Angebeteten dann ja auch wieder abschrecken. Andererseits wäre das wieder kein Problem wenn es nicht dieses Zu-Groß/Zu-Klein-Denken gäbe...
    My recent post frauenprobleme

  • george
    Im besten Fall zückt man erst mal das Penismaßband. *lol*

    Nein im Ernst, eine kleine Kondomsammlung würde schon Sinn machen. Und gute Vorbereitung sollte auch niemanden abschrecken... Beim oben verlinkten Shop mit dem bösen Bild gibt es mysize-Probierpackungen: http://www.vinico.com/de/shop/kondome/eigenschaft...

    Meine Befürchtung wäre nur, dann auf einem Großteil der Anschaffungen sitzen zu bleiben. So promiskuitiv ist mein Leben auch wieder nicht. *g*
  • Moppi
    Zu dem Bild fehlen mir auch die Worte.
    Wäre wie: Kleine Frau = kleine Brüste, große Frau = große Brüste! *tocktock*
    My recent post Marni for H&M Schaufensterbummel
  • george
    Ja, krass oder? Aber gut, Brüste kann man ja wenigstens z.T. sehen, Penisse sind ja ein gut gehütetes Geheimnis...

    *an sich runterguck* Oh nein, wo ist meiner nur hin?! ;-)
  • Ich komm ihn im April suchen^^ (ich sollte echt mehr schlafen ;) )
    My recent post Ayten Gasson - Luxus in Seide - Luxurious Silk

  • george
    Ok, Doctor Freud, so machen wir das. Und jetzt ab in die Heia! :D


  • Ich habe gestern zu Hause mal von diesem Post erzählt und bin fast genötigt worden, seinen Kommentar dazu zu schreiben.
    Es war sowas wie: unpassendes Kondom engt halt ein. Passendes Kondom: "Was? Ich trag ein Kondom?".

    *undweg*
    My recent post Online-Shops • Re: [UK] Bravissimo
  • george
    :D Wir haben das an anderer Stelle ja schon ausführlich diskutiert mit den Fittingfragen.

    PS: Soll heißen, deine Aussagen sind natürlich auch mit eingeflossen in diesen Beitrag. *knuddel*
  • Wie unglaublich unsensibel mit dem Thema Penisgröße umgegangen wird, ist mir schon seit längerem aufgeallen. Vorallem durch die Bezeichungen xs/xl/king size u.ä. Dass man da nicht neutralere Bezeichnungen findet ist mir schleierhaft, liegt aber wahrscheinlich einfach daran, dass es überhaupt eine Innovation ist auf Länge und Umfang zu achten.

    Das Bild von vinico spiegelt aber auch einfach ein gutes Klischebild wider und warum mal nicht zur abwechslung Männer diskriminieren *Achtung Ironie....
    My recent post [Review] p2 Mattify Your Lips
  • george
    Jetzt mal vom allgemeinen Mobbing abgesehen - daß ein Shop der gerne unterschiedliche Größen verkaufen möchte da mitmacht ist auf ne Art auch schon wieder zum Kaputtlachen...

    Naja, ich bin ja insgeheim ein kleiner Hippie der hofft, daß die Menschen irgendwann alle mal lernen respektvoll miteinander umzugehen. *daumendrück*

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Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?

Kürzlich stellte ich fest, daß uns dieses Jahr gleich zwei Kino-Versionen von Schneewittchen bescheren wird, nämlich Snow White and the Huntsman mit Kristen Steward (Twilight) als Snow White, Chris Hemsworth (Thor) als Huntsman und Charlize Theron als böser Königin sowie Mirror, Mirror mit Julia Roberts als Stiefmutter, Sean Bean als König (Irgendwann wird er mal wieder nen Charakter spielen, der das Ende vom Film erlebt… *daumendrück*) und Lily Collins (Priest) als Schneewittchen. Daneben wird es im Februar noch einen Direct-to-DVD-Release von Grimm’s Snow White mit Eliza Bennet (Inkheart) in der Hauptrolle geben.

Bildquelle: Wikicommons
Ich muß gestehen, daß mich die offensichtlich anhaltende Beliebtheit des Stoffes ganz schön überrascht – aus feministischer Perspektive betrachtet ist die Geschichte ja schlichtweg eine Katastrophe: Nicht nur wird die Stiefmutter zum giftmischenden, menschenfressenden Monster stilisiert, sondern auch noch mit Schneewittchen als unschuldig-naivem, hausfräulichem Ideal kontrastiert, dessen genuine Jugend und Schönheit vor der pervertierten Eitelkeit einer älteren Frau gerettet werden soll. Wahrscheinlich gibt es kein misogynes Klischee, das das Märchen ausläßt. Und obwohl man die Sache ja auch etwas anders interpretieren könnte, wird diese Dichotomie von Hure/Hexe und Heilige nun in jeder Adaption der Geschichte - mal mehr mal weniger extrem - reproduziert. Während Mirror, Mirror, dem Trailer nach zu urteilen, eine Art augenzwinkernde Komödie sein soll, buchstabiert Snow White and the Huntsman den frauenfeindlichen Gehalt der Vorlage recht drastisch aus: Charlize Therons Charakter ist hier nicht nur eine böse, machtbesessene Hexe, sondern auch eine Art Vampirin, die anderen Frauen das Leben aussaugt. 

Eine ähnlich gruselige Darstellung gab es schon in einer Verfilmung mit Sigourney Weaver von 1997 (Snow White: A Tale of Terror), aber auch in Terry Gilliams Brothers Grimm (2005), in der eine böse Hexe (Monica Bellucci) junge Mädchen entführt, um mit deren Leben ihr eigenes zu verlängern. Sogar die Disney-Variante von Rapunzel (Tangled | 2010) erzählt von der bösen Stiefmutter, die Rapunzel als Quelle anhaltender Jugend mißbraucht.

Auch wenn in die Neuerzählungen immer mehr “mildernde” Umstände mit eingesponnen werden – etwa in der Form einer weniger passiven “Heldin” (Schneewittchen, respektive Angelika oder Rapunzel) – wird an der  Stiefmutter/Hexe als Inbegriff des Bösen doch durchweg festgehalten. Ihre kriminelle Energie speist sich dabei aus dem Wunsch, unnatürlicherweise (!) ewig jung und schön zu bleiben und damit (implizit) ihre Machtposition als “first lady” zu behalten, die sie eigentlich - aus Altersgründen - an Schneewittchen (oder eine andere Konkurrenz) abgeben müßte. Dabei wird nicht Schönheit als solche problematisiert, sondern Eitelkeit, Stolz, Neid und Hochmut - also die guten alten Todsünden... Schönheit ist erlaubt, solange sie "natürlich" ist und zweckfrei bleibt und die schöne Frau passiv, Gegenstand der Bewunderung irgendwelcher Kerle.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in der Konstellation stellt sich dann plötzlich die böse Stiefmutter als geschmähte Karrierefrau und damit irgendwie Sympathieträgerin dar und Schneewittchen als die Verkörperung einer Frauenrolle, die hinter eigentlich alles zurückfällt, was man jemals als emanzipative Errungenschaft hat betrachten können. Das ist schon auch eine merkwürdige Situation, denn Schönheit als Mittel der Macht ist ja nicht unbedingt etwas, das man affirmieren möchte, oder?


Die Idee, der “Wert” einer Frau und damit verbunden ihr Einfluß (nämlich auf die Männer) ließe sich auf ihre körperliche Attraktivität reduzieren, ist natürlich keine Erfindung irgendwelcher Märchenerzähler, wenngleich sie auch in allen möglichen Geschichten von der Antike bis in die Gegenwart eine Rolle spielt: Die begehrenswerte Frau ist Motivation für Heldentaten, Ursache von Kriegen, ja sogar der Grund, weshalb die Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden. Diese Vorstellungen prägen durchaus sehr nachhaltig unsere Vorstellungen von Identitäten und damit auch irgendwie die Realität. Wenn man beispielsweise mal versucht aus der Menge aller möglicher berühmter Frauen der älteren und neueren Geschichte, diejenigen auszuklammern, die vor allem über ihre Schönheit und/oder ihre Liaison mit einem einflußreichen Mann bekannt geworden sind, bleibt eine erschreckend kleine Zahl übrig. (Die Mütter kann man auch mal rausrechnen.) Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen, Schriftstellerinnen, erfolgreiche Unternehmerinnen oder Künstlerinnen sind nicht nur im Vergleich zu ihren männlichen Pendants bis heute extrem in der Minderzahl, sondern auch gegenüber all den weiblichen Stars, IT-Girls, Musen und Geliebten, die ihren Ruhm ihrer Attraktivität verdanken.

Weibliche Schönheit gerinnt damit zu einer Art von schlechtem Äquivalent für die Leistungen von Männern, seien es nun Erfindungen, Entdeckungen, Eroberungen oder sonst was; und bestenfalls ist sie auch noch so natürlich und unschuldig ist wie die von Schneewittchen - ohne den Beigeschmack künstlicher Hilfsmittel versteht sich.

Nun wirkt sich dieses gesellschaftliche Klima nach wie vor auf die individuelle Entwicklung und Sozialisation von Mädchen aus. Sicherlich gibt es heutzutage noch andere Karriereoptionen als Haushälterin bei den Sieben Zwergen und Hochzeit mit dem Prinzen oder eiskalte Hexe, die versucht sich einen Millionär zu angeln - trotzdem werden Kinder immer noch mit Prinzessinnengeschichten und Hochglanzzeitschriften bombardiert, in niedliche Kleider gesteckt und gelobt wie süß sie darin aussehen, gemaßregelt wenn sie zu viel (Süßes) essen, ermahnt, schön schlank zu bleiben, gehänselt wegen ihrer Brillen, Zahnspangen, Pickel, Körperhaare, Brüste, Klamotten usw. - kurz: indokriniert mit dem Dogma des "ansprechenden Äußeren".
Der Mangel an Role-Models, die nicht über körperliche Attraktivität definiert sind, führt genauso wie immer noch existierende und immer wieder wiederholte Anspruch an Mädchen gesellschaftliche Schönheitsideale zu erfüllen dazu, daß Optik nach wie vor einen, wenn nicht den zentralen Aspekt weiblicher Identitätsbildung darstellt.
Wen wundert es also, wenn viele Frauen tatsächlich genau wie Schneewittchens böse Stiefmutter den Tag mit einem überkritischen Blick in den Spiegel beginnen und die damit verbundene Erkenntnis der eigenen Imperfektion wiederum einige von ihnen in eine tiefe Krise stürzt? Die Balance zwischen Selbstakzeptanz und Perfektionsanspruch oder Selbstverbesserungstechniken und Körperschemastörung zu halten ist bisweilen schwierig; nicht umsonst leiden so viele Frauen unter Esstörungen und Minderwertigkeitskomplexen.
Im Zeitalter des Photoshop-Schneewittchens hat man als böse Königin sowieso von vorneherein verloren: Mit dem perfekten Bild der Anderen kann kaum jemand mithalten. Irgendein Makel wird sich immer finden, der die reale Frau von den quasi-fiktiven Schönheiten der Medien unterscheidet, deren ikonographische Perfektion andererseits mit jedem Jahr, jeder zusätzlichen Makeup-Schicht, jeder OP und jeder Botoxspritze bröckelt, bis sich das Schneewittchen schließlich selbst als böse Stiefmutter entpuppt. Das Phantasma der natürlichen Schönheit zerfällt in seine künstlichen Bestandteile, nur um gleichzeitig umso fanatischer behauptet zu werden.

Dabei ist es langsam höchste Zeit, dem Märchenquatsch ein Ende zu bereiten und den Teufelskreis zu durchbrechen: Frauen mögen – alle auf ihre Weise – schön und attraktiv sein, aber wir sollten nicht ewig darauf reduziert werden. Warum können wir zur Abwechslung nicht mal die Jäger, Prinzen oder Zwerge in der Geschichte sein?!

Das "Original" zum Nachlesen - Gebrüder Grimm: Schneewittchen

Bei der Gelegenheit, weil es gerade paßt, noch ein Link
zu einem Blogbeitrag über Frauenfiguren in Fernsehserien: 
denkwerkstatt: Fernsehen. Mein persönlicher TV-Frust

Der Trailer von Snow White and the Huntsman



Snow, Glass, Apples
Eine etwas ungewöhnliche Version der Geschichte,
in der Schneewittchen eine Vampirin und ihre Stiefmutter die Heldin ist.
Geschrieben von seiner Großartigkeit Neil Gaiman.

part one, read by Bebe Neuwirth and the Seeing Ear Theater.

Edit: Political Correctness wäre aber auch was anderes...  
Edit2: Öööhm. Kinky. Oder besser: disturbing.
Triggerwarning vgl. Plot / Wikipedia.


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  • Hast du schon Once Upon a Time gesehen? Es geht um Schneewittchen und die Hexe aber offensichtlich hat es mehr zu tun, dass Schneewittchen ihre Stiefmutter irgendwie betrog und deswegen hass die Stiefmutter sie.
  • george
    Nein... ich bin noch ganz neu in den "Schneewittchen-Studies" ;)
    Aber ich glaube ich hätte wirklich Lust, mir das noch mal genauer anzusehen. Danke für den Tip!
  • Außerdem würde ich die Bücher von Gregory Maguire mal lesen, da wird der Spieß dann auch umgedreht.
    Ich hatte diese Diskussion um das Thema Gendernormen in Märchen schon öfters, insbesondere im Zusammenhang mit Disney. Was mich stört ist das soviel Potential zur Neuinterpretation vergeben wird, um das &#039Prinzessinentum&#039 zu verkaufen. Dir Originalmärchen entsprechen ja dem damaligen Zeitgeist.
    Mich haben Märchen nie angesprochen. Als Kleinkind fand ich sie zu gruselig und später waren mir Charaktere zu flach. Aber ich bin da sowieso verquer und habe oft Mitleid mit den &#039Bösen&#039.
  • george
    So klassische Märchen sind wirklich ganz schön gruselig. Aber es gibt ja unzählige Adaptionen, die sowas schon gegenwarts- oder kindertauglicher machen. Bei so richtig neuen Versionen verstehe ich aber auch nicht, weshalb da der alte Ballast mitgeschleppt werden muß. :@ Naja, ich werde das bei Gelegenheit noch vertiefen; vielleicht gibt es ja doch auch irgendwo was Fortschrittliches.

  • Ich mag Märchen. Märchen lassen mich früheren Zeitgeist verstehen und zeigen viel über die Weltanschauung damals.
    Und die Schneewittchen Studien sind ziemlich cool, ich habe mich damit noch nie so genau beschäftigt.
    Der Ausschnitt aus Neil Gaimans Version ist klasse!

    Snow White and the Huntsman klingt ja gruselig... Wird das wieder so ein Film zum Auf die Barrikaden gehen wie Twilight?
    My recent post Gewinnspiel Fraulein Annie - die Wundersame Vermehrung der Preise
  • george
    Hmmm. Ist das so mit dem Zeitgeist-Bezug? Ich hab mich damit ehrlich gesagt noch nie so richtig befaßt... irgendjemand in der Nähe, der Literaturwissenschaften studiert hat?

    Neil Gaiman: Man kann über Youtube auch den Rest hören - aber wie gesagt: Beware! Die Story ist ganz schön heftig.

    Snow White + Huntsman: Ich gehe davon aus, daß das einfach belanglos wird und kein Stalker-Pro-Lifer-Schmachtfetzen...
  • Ähm ja, ich. Aber da sind wohl eher Historiker gefragt. Natürlich galten Anfang des 19. Jahrhunderts (bzw. zum Ursprungszeiten der Folklore auf denen die Märchen beruhen) andere Moralvorstellungen, aber hier geht es ja um neue Adaptionen, die veraltete Rollenbilder wieder aufzuwärmen. Es ist ja nicht schlimm, dass der Villain weiblich ist, aber dieses ewige Damen ab 30+ sind eifersüchtige, monströse Psychopathen kann einem schon mal auf die Nerven fallen.

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