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(Don't) Ask Alice: Kleine Brüste vs. große Brüste

Das mit Alice Schwarzers Feminismus ist sowas wie eine schwierige Sache – als ich noch dachte, die Geschlechtergleichheit sei schon durchgesetzt und Feministinnen latzhosentragende Relikte der 80er Jahre, war Alice Schwarzer als das Aushängeschild des deutschen Feminismus, Emma und so, nicht gerade eine Sympathieträgerin. Später, als mir klar wurde, daß Sexismus leider immer noch an der Tagesordnung ist und halt nicht mehr einfach als patriarchale Unterdrückung von Frauen durch Männer daherkommt, sondern als quasi-unsichtbares Netz von Stereotypen und Privilegien, steckte ich schnell so tief in poststrukturalistischer Theorie, daß für eine Auseinandersetzung mit Alice Schwarzer wieder keine Zeit oder Gelegenheit blieb. Einmal Stempel “überholt” drauf und das war’s. Ich war schon fast ein bißchen stolz darauf, mich da in Gleichmut zu üben und der Falle entkommen zu sein ihr vorzuwerfen, nicht bereits in der Vergangenheit den aktuellen StatusQuo der Kritik vertreten zu haben. Das Privileg des “Ausblendenkönnens”… (ich meine, man sieht recht deutlich daran, daß ich mich nicht mal über ihre Kopftuch-Aussagen so richtig aufregen konnte, daß ich davon nicht selber betroffen bin bzw. mich nicht angesprochen fühle.)

Kürzlich verwies Anne Luise (von der BH Lounge) in einer Email auf eine Antwort aus der Emma-Kategorie “Ask Alice” zum Thema Brustvergrößerung, die wirklich so unterirdisch war, daß ich erst mal eine Weile wie ein Goldfisch vor meinem Laptop saß. An dieser Stelle mal eine Triggerwarnung für alle, die empfindlich auf körpernormative Aussagen (im Themenfeld kleine vs. große Brüste) reagieren. 

Die fast 18-jährige Fragestellerin Anna schrieb über die Unzufriedenheit mit ihren Brüsten, die sie als “unterentwickelt” empfände. Aufgrund von negativen Reaktionen von Verwandten, Mitschüler*innen, Verkäufer*innen und auch Love-Interests überlege sie nun eine Vergrößerung vornehmen zu lassen, wenngleich sie Angst vor den Risiken einer Operation habe. 

Soweit ist das leider keine Besonderheit – viele Frauen fühlen sich unzulänglich, weil sie glauben oder sogar so gesagt bekommen, daß sie das gängige Brustgrößenideal nicht erfüllen und deswegen “gar keine richtigen Frauen seien.” Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll, so bescheuert finde ich das; also diese gesellschaftliche Zumutung. Aber naja, bei genauerem Hinsehen würde mir wohl eine Menge besseres einfallen als Alice Schwarzer, die das absolute Supernogo vollbringt, alle körpernormativen Aussagen aufzufahren, die man sich so vorstellen kann: 

Sie unterstellt, daß Anna natürlich eine knabenhafte Figur haben muß (denn nur superzierliche Frauen haben kleine Brüste) und vergleicht sie deswegen gleich mit Audrey Hepburn. Geschmacksurteile folgen der Imagination auf den Fuß: Sie, also Alice Schwarzer selber, mit ihren “normalen Brüsten” [sic!] fand auch immer “diese aparten Mädchen mit den flachen Busen toll, an denen die Kleider so schick runterfallen.” Damit ist ja schon mal viel gewonnen.

Im Gegensatz zu diesem Ideal von Androgynität behauptet Alice Schwarzer, es gäbe eine Mode der “Riesenbusen”, der “grotesk betonte[n] oder gar künstliche[n] Oberweiten”, der “Push-up-Titten”, die sie “ehrlich gesagt, immer eher an Milchkühe denken” ließen. [SIC!]
Auch dazu muß ich erst mal sagen: WHAT. THE BLOODY. FUCK?!!
In diesem Zusammenhang machen mich so pseudo-nachdenkliche Sätze wie
“Haben wir nicht eigentlich dafür gekämpft, dass die Männer uns endlich auch in die Augen schauen statt nur ins Dekolletée? Und wie kann es überhaupt sein, dass wir es hinnehmen, dass Attraktivität über BH-Größen definiert wird – statt über ein Lächeln, einen Blick, eine Silhouette?”
dann erst so richtig wütend. Ich meine, hallo? Wer sieht den performativen Widerspruch? Ja, ihr könnt die Hände jetzt wieder runternehmen. Offensichtlich jede die bis drei zählen kann.

Nun, ehrlich, ich fühle mich von solchen Aussagen natürlich persönlich beleidigt. Ich hab mir nicht ausgesucht so auszusehen wie ich aussehe, ich finde es unglaublich, daß mich jemand der sich Feministin schimpft aufgrund eines körperlichen Attributs  mit einer Milchkuh vergleicht und mir obendrein die Schuld dafür unterzuschieben will, daß mir Männer ständig ins Dekolleté sabbern - sorry, wie ist das denn kein Minirock-Argument?! Das geht so einfach nicht! Denn, auch wenn sich "Anna" jetzt vielleicht besser fühlt - ich mich sicherlich nicht. Damit verschiebt sich eigentlich nur, *wer* gerade eins in die Fresse bekommt, daß jemand eins in die Fresse bekommen muß, wird dabei überhaupt nicht in Frage gestellt.
Man kann nicht die eine Seite aufwerten, indem man die andere abwertet und dabei überhaupt nicht die Grundlage dessen unter die Lupe nehmen, auf der solche Unterscheidungen überhaupt nur Sinn machen: die Voraussetzung nämlich, daß Attraktivität den Kernpunkt weiblicher Identität bildet. 

Wir kriegen alle von klein auf an beigebracht wie wichtig es ist, hübsch zu sein, gepflegt, schlank, kurz: begehrenswert. Und gleichzeitig erfahren wir von Anfang an, wie unmöglich es ist, die Zielwerte zu erreichen – wir vergleichen uns mit anderen und egal wie “schön” wir schon sind, die anderen sind immer schöner oder wenigstens Teile von ihnen. Wie die Werbung zerstückeln wir Menschen in schlanke Waden, in straffe Schenkel, in gerade Nasen und geschwungene Lippen, in voluminöses Haar und die ideale Brustgröße. In unseren Köpfen sind wir alle Frankensteins Monster, zusammengeflickt aus den perfektesten Attributen die wir finden können und das führt oft dazu, daß wir uns gar nicht mehr als Ganzes wahrnehmen können. Ich will jetzt nicht irgendwie ins Esoterische abdriften, aber viele Frauen stehen vor dem Spiegel und sehen nur eine Ansammlung von Makeln, während sie gleichzeitig ihr reales Aussehen in gar kein Verhältnis zum gesellschaftlichen Schönheitsideal setzen können. Soll heißen, gerade die Frauen, die am meisten an sich zweifeln, sind häufig am nähesten dran. Ein Maßstab macht ja auch nur dann Sinn, wenn er irgendwie realistisch erscheint. Daß die ganze Anlegenheit mit einem realistischen Anspruch nichts zu tun hat, demonstrieren immer wieder die Superretuschierungen von sowieso schon überirdisch schönen Berühmtheiten, wenn sie denn mal bemängelt werden wie bspw. von Beyonce oder Kate Winslet. Wie geht der Ausspruch von Cindy Crawford? “I wish I looked like Cindy Crawford.”?!

Jedenfalls, mein Punkt wäre, daß es wirklich an der Zeit ist, das Schönheitsthema mal auf die Ersatzbank zu verweisen. Zumal es bisweilen auch echt seltsame Blüten treibt. Kürzlich las ich (irgendwo auf tumblr, ich hab es leider nicht wiedergefunden) etwas über die Darstellung der Schönheit von dicken Frauen unter dem Aspekt “50s-Retro-Babes”, also daß auch dicke Frauen gesellschaftlich als schön anerkannt werden, wenn sie halt einen großen Aufwand betreiben, fancy Kleider tragen und sich ausufernd schminken; die angeschlossene Forderung war, daß man ja aber auch schön sein können müsse, wenn man dick sei und keine massive “Ausgleichsarbeit” für diesen Makel betreibe. Und ja, ich stimme dem zu, ich finde auch, man sollte erst einmal jedem Körper positiv gegenübertreten und ihn einfach so nehmen wie er ist, aber ich finde es auch kritisch, daß alles immer am Begriff “Schönheit” hängt. Jede muß qua definitionem schön sein. Irgendwie beschreibt diese “Schönheit” dann auch gar nichts mehr, wenn der Begriff sowieso für alle gleichermaßen gelten soll. Warum kann man das Konzept dann nicht einfach zur Seite packen? Warum nicht mal über was anderes sprechen? Attraktivität ist z.B. für mich etwas anderes. Sexiness ist etwas anderes. Selbstausdruck ist was anderes. 

Ich will mir nicht ständig diese Vergleichsnummer Schönheitswettbewerb reinziehen müssen. Das sind reale Probleme, klar, aber man reproduziert sie auch, indem man sie ständig und ständig wiederholt. Das hat was Magisches, dieses Rezitieren von subjektivem Leiden unter den gesellschaftlichen Verhältnissen. Richtige Freiheit davon wäre, darüber nicht mehr nachdenken zu müssen, den “Spieglein-Spieglein”-Wettbewerb einfach abzustellen. Utopisch ich weiß, aber man kann immerhin Schritte in diese Richtung unternehmen statt sich mit dem bestehenden Zustand abzufinden.

Um noch mal den Bogen zum Aufhänger meines Postings zu spannen: die Debatte, wen es nun schlimmer träfe, die Frauen mit den kleinen oder die mit den großen Brüsten begegnet mir immer wieder und aufgrund meiner eigenen Voraussetzungen bin ich da natürlich auch vorbelastet. Meine Perspektive ist halt nicht die auf den Vorwurf Brett sondern auf die Bezeichnung Milchkuh, statt entfeminisiert fühle ich mich übersexualisiert, meine üppige Figur steht im Kontrast zu meiner Tomboy-Selbstwahrnehmung und Hell, würde ich gerne mal Hosenträger und Krawatte tragen! Ich sehe eine sehr große Tendenz zu Androgynität im Diskurs um Schönheit und ich bin dann entsprechend sehr verwundert, wenn ein Trend zu Kurven und großen Brüsten behauptet wird. Aber dann sind natürlich für mich “große Brüste” auch was anderes als vermutlich die meisten darunter verstehen.

Umgekehrt sehe ich natürlich auch die Argumente derer, die sich am anderen Pol der Skala befinden und was sie über ihre Wahrnehmung von Welt, Werbung und medial vermittelten Idealen und Normen berichten. Das vielzitierte "In die Kinder-Abteilung-schicken" beispielsweise, die abfälligen Bemerkungen von Familie, Freunden und Wildfremden... umso befremdlicher finde ich es, wenn man sich plötzlich in einem vermeintlichen Aufmerksamkeitswettbewerb wiederfindet.

Tatsächlich scheinen beide “Seiten” unausgesprochen um diesen ominösen “Normalbereich” zu kreisen, die imaginäre Gruppe der Frauen mit der perfekten Brust(größe), die den Luxus hat ihre “Probemzonen” woanders zu verorten. Dadurch stellt sich die ganze Debatte dann als Konkurrenz von zwei völlig marginalisierten Gruppen dar, und es geht offensichtlich oftmals darum, eine Art Contest zu gewinnen.
Entsprechend finde ich Aussagen, wie die bei The Lingerie Journal, im Bereich für Big Cups hätte sich ja so viel getan in den letzten Jahren, während die Small Cups immer noch hoffnungslos abgeschlagen wären, etwas schwierig, weil es versucht, zwei Bereiche gegeneinander auszuspielen. Zugegeben, es gibt im Bereich große Körbchen eine Angebotserweiterung. Aber nur weil Modell bis in große Cupgrößen produziert wird, heißt noch nicht, daß es der Trägerin gut paßt. Die BH-Anpassung im Bereich H-K-Cup ist einfach vielfach schwierig und ich kann echt nicht genug jubeln, daß mir Panache so gut paßt – sonst wäre ich ziemlich out of options. Aus der reinen Anzahl von Angeboten läßt sich daher noch nicht ablesen, wieviel davon wirklich funktioniert.

Das soll nicht heißen, die Forderung, es solle gefälligst auch 28A oder 30C oder 32A-BHs geben, sei irgendwie überzogen. Natürlich nicht! Klar muß es die Größen geben! Es ist eine Frechheit daß das so ignoriert wird. Aber... ja, eigentlich nichts aber.

Noch schnell ein paar Lesetips zum Thema kleine Brüste, als Kontrastprogramm zu oben verlinkten Text:
http://www.kurvendiskussionen.at - vor allem den #Smallbusters - Fairy Bra Mother Letter
Elfe's Klassiker Gedanken zur kleinen Breitbrust
Unser Kleine Größen-Tag - momentan haben wir leider keine Resident-Bloggerin mit kleineren Brüsten, falls ihr euch berufen fühlt, z.B. für einen Gastbeitrag, schreibt uns doch einfach ne Mail oder nen Comment. ;-)
Die Blogroll von Boosaurus bietet einen super Ausgangspunkt um Bloggerinnen mit einer ähnlichen/gleichen BH-Größe zu finden. 

Naja. Ich hab jetzt meinen Punkt gemacht and the time is up. Daher raus mit dem Beitrag. Kommentare, Anmerkungen etc. sind wie immer heiß ersehnt. ;-)

Wer sich noch nicht genug geärgert hat, kann sich noch die folgende Fotostrecke von Wonderbra-Werbeplakaten angucken. Gleich das erste ist ganz großartig. *wutschnaub*

Hier ein eher harmloses Beispiel. Achtung, Insider: Orange ohne Glas. :P
wonderbrafitsnaturally1

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Dessous und Begehren: die Sexualisierung von Wäsche

Ich habe mich schon häufiger gefragt, wie ich mein Interesse für Bra Fitting so verpacke, daß bei “Nicht-Initiierten” richtig ankommt; die erste Reaktion wenn ich sage, ich beschäftige sich mit Unterwäsche, ist nämlich eher sowas wie peinlich berührtes Schweigen. So, als hätte ich – ungefragt – über meine sexuellen Vorlieben geplaudert. Ja, erm, Themenwechsel?!

Meine nachgeschobene Erklärung, es ginge um passende BHs für Frauen, was ein verbreites (gesellschaftliches!) Problem sei, und – naja – erst mal um Funktionskleidung, wird dann schon gar nicht mehr wahrgenommen; ist quasi dem Jugendschutzfilter zum Opfer gefallen. Und der kommt schon mit einem ganzen Set von Assoziationen (sonst würde das Filtern ja nicht funktionieren). Nach dieser Vorstellung ist dann auch Dessous-Blog = Bilder von sich für den ‘male gaze’ räkelnden, halbnackten Frauen in Häuchen von Nix. 

Verrückterweise ist für mich die ganze Angelegenheit mit den BHs ja in erster Linie feministisches Projekt – also ein Weg, Frauen zu einem besseren Körpergefühl, mehr Selbstvertrauen und optimierter Bewegungsfreiheit zu verhelfen. Man könnte also, provisorischerweise, sagen: das Gegenteil von dem was mir unterstellt wird. 

Mir ist es total wumpe, was eine Frau drunterträgt, so lange es hält und stützt und formt wie sie möchte und sie sich damit wohl fühlt. Es kann ein sog. Brustpanzer sein, ein T-Shirt-BH, ein durchsichtiges Stückchen Tüll oder ein bondage-inspiriertes Retroteilchen – I don’t care. Das ist – erst mal – persönliche Geschmackssache. Was ich mir wünsche, ist daß diese Vorstellungen des Ideal-BHs für alle Frauen, unabhängig von Körperform (in erster Linie), real umsetzbar sind, daß also der Markt ein Angebot bereitstellt, daß sich mit der realen Vielfalt der Frauen deckt (zumindest annähernd). Und dann können wir über individuelle Vorlieben im Design sprechen.

Diese Herangehensweise reflektiert natürlich stark meine persönlichen Gewichtungen: ich betrachte BHs eben erst mal als Unterwäsche, in diesem Sinne Funktionskleidung, und hänge einem gewissen “form follows function”-Pragmatismus an. Wie vermutlich der Mainstream der deutschen Frauen. Trotzdem möchte ich nichts tragen müssen, was ich selber unattraktiv finde; d.h. jenseits von Lingerie-Begeisterung in einem sexuellen Kontext muß ich mich in einem solchen ausziehen können, ohne das Gefühl zu haben irgendwie… äh… unpassend gekleidet zu sein. ;-)

Das ist natürlich ein sehr niedrigschwelliger Anspruch wenn es um die Kleidsamkeit von Lingerie geht, der nicht nur etwas mit dem Mangel an sexy Wäsche in meiner Größe zu tun hat, sondern auch mit meinem mangelnden Interesse am “sich in Szene setzen”. Umgekehrt zur eingangs erwähnten gängigen Unterstellung, muß ich mir nämlich oft selber auf die Finger klopfen, nicht in Tendenzen von Slutshaming zu verfallen.

Ja, richtig gelesen, Slutshaming. Oweia. 

Bei mir spult sich beim Stichwort “sexy Dessous” gleich der ganze Katalog von Vorurteilen ab: Standard-Porno-Optik mit Plastiktouch, kein Körperhaar, rote Plastik-Spitze, Beate-Uhse-Katalog. 

Mein Problem ist nämlich, daß ich – offensichtlich genau wie die Leute, die mir einen Wäschefetisch unterstellen – so krass geprägt bin von der üblichen Darstellung von Frauen in der Werbung, daß ich mir Dessous nur noch an gänzlich passiven Objekten männlichen Begehrens vorstellen kann: die gezeigte Person reduziert sich im Bild auf den reinen Körper, von ihrer Subjektivität bleibt quasi nichts übrig. Im Gegensatz zu einer explizit fetischisierten Darstellung, beispielsweise in einem BDSM-Kontext, in der die Unterwerfung gerade den Kink ausmacht, ist diese im Werbebild unmarkiert vorausgesetzt. Dazu kommt natürlich auch die Konsens-Frage: was in einem ‘Vanilla-Zusammenhang’ creepy und rapey ist, ist in einem s/D-Verhältnis abgesprochen und vereinbart. Vielleicht kann man es so erklären, was mich so extrem stört. Dieses ganze “Wickel mich aus, ich bin dein Geschenk”-Topos, das mit der Idee permanenter Verfügbarkeit und dem Diktat von sterilster Attraktivität daherkommt, das nervt mich einfach. Bäh.

Selbstverständlich sollte man aus der medialen Darstellung nicht ableiten, daß Frauen, die gerne schöne Wäsche tragen, sich damit automatisch zum willenlosen Objekt männlicher Begierde machen und sich damit irgendwie anti-feministisch verhalten. (Das war, was ich mit Slutshaming meinte.) Nicht nur, weil das Begehren auch ein nicht-normativ heterosexuelles sein kann, sondern auch weil Sexualität in ihren unterschiedlichen Ausprägungen sowieso kein Gegenstand von Wertung oder Beurteilung sein sollte. Es ist einfach wie es ist. Neben Slutshaming beinhaltet das auch Kinkshaming. Nur weil ich jetzt Lingerie nichts ungewöhnlich aufregendes abgewinnen kann, heißt das ja nicht, daß ich anderen das absprechen, schlechtmachen oder sonstwie "vorwerfen" sollte. Insofern weiß ich auch, daß meine eingangs erwähnte Abwehreaktion gegen die Unterstellung, ich hätte eine sexuelle Affinität zu Wäsche, alles andere als unproblematisch ist.

Es ist irgendwie schwierig...

Was auf jeden Fall schon mal ein Schritt in die richtige Richtung wäre, um aus der "Objektfalle" rauszukommen wäre eine andere Form von Präsentation. Ungefähr zeitgleich zu dem Beitrag, der den Denkprozess zu diesem Post anstieß (Diversity & Sexuality: Talking About the Way We Talk About Victoria’s Secret bei The Lingerie Addict), durchsuchte ich bei tumblr den “Red Lingerie”-tag – inspiriert von Anja’s Rote Wäsche zu Silvester-Zusammenstellung – und neben dem ganzen expliziten Material das ich fand (es ist halt tumblr!) war kaum ein Bild dabei, das ich jetzt guten Gewissens hätte rebloggen wollen. Dabei waren meine Kriterien eigentlich nicht so wirklich revolutionär. Ich wollte ein Werbebild, das mehr auf das Gefühl der Frau mit sich selbst abzielt als implizite Einladung zur sexuellen “Benutzung” ist, also eine Darstellung von Subjektivität, von Aktivität, von Empowerment, von Selbstaneignung, von Zufriedenheit, Spaß, was auch immer. Irgendetwas *in* der gezeigten Person als Individuum, wozu ich mich in Verbindung setzten kann…

Dazu gehört auch die vielzitierte Diversity, also eben nicht nur die Abbildung von jungen, schlanken, weißen, able-bodied CIS-Frauen mit 0815-Brustgröße, die man bis zur Unkenntlichkeit gephotoshopped hat, sondern Women of Colour! Transfrauen! Dicke Frauen! Behinderte Frauen! Kleinbrüstige Frauen! Großbrüstige Frauen! Frauen mit Tigerstreifen! Frauen über 40! In verschiedenen Konstellationen! Go! Go! Go!

So wie die Dinge gerade liegen, ist ein schlecht ausgeleuchtetes tumblr-Selfie ungefähr 3ooomal sexier als die üblichen Werbebilder. Tatsächlich habe ich festgestellt, daß es mir hilft, andere als die üblichen Werbe-Körper in Unterwäsche zu sehen, um aus dieser Gleichsetzung von Dessous=Geschenkverpackung rauszukommen und den Spaß nachvollziehen zu  können, den viele an schöner Unterwäsche haben. Denn darum geht’s ja letztendlich.

So, es ist zwar noch längst nicht alles dazu gesagt, aber hier ist jetzt erst mal Schluß mit Bekenntnis.

Wie immer interessiert mich eure Meinung! Her mit den Kommentaren!

agent provocateur
Rosie Huntington-Whiteley in the Commercial Love me Tender for Agent Provocateur,
one of my favourite brands when it comes to sexist cliches (see rant linked below)
Very male-gazey but at least with a surprising turn...
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OT: 50 Shades of Nude - Foundation und Diversity


“Winter is coming”… und die Catchphrase macht das auch nicht wirklich besser. Zumal sie im Frühjahr deutlich witziger ist, denn streng genommen ist nach dem Winter natürlich vor dem Winter und Winter ist am schönsten, wenn er noch weit weg ist. Finde ich. Wie dem auch sei… langsam ist das schöne bunte Laub verschwunden und die Tage werden kurz und zu kalt ist es sowieso – also ist es kaum noch zu leugnen daß wir in der kalten Jahreszeit angekommen sind. Spätestens jetzt wäre es an der Zeit, sich mit der Anschaffung von Anschaffung von neuen Winteraccessories über das Unvermeidliche zu trösten. Konsumkick gegen Herbstdepression.

Neben Mütze, Schal und Handschuhen steht bei mir jedes Jahr noch ein weiteres “Drüber-Item” auf der Anschaffungsliste:  die “Winterfoundation”, also ein (Flüssig-)Make-Up, das mich durch die kalte Zeit begleiten und erst unter Beimischung der Sommerfarbe und irgendwann pur einen ebenmäßigen Teint vorgaukeln wird – aller Heizungsluft, Kälte und fehlender Sonne zum Trotz. Also habe ich etwas gemacht, was ich schon seit fast zwei Jahren nicht getan habe: Kosmetikblogs gelesen und Swatches (Farbklekse) gegoogled, denn so ein Foundation-Kauf will gut recherchiert sein. Winking smile

Neben der Problematik von Textur, Deckkraft und Verträglichkeit stellt sich für mich vor allem die unerfreuliche Frage nach der passenden Farbe. Ich habe eine – in meinen Augen für mitteleuropäische Verhältnisse nicht außergewöhnlich seltene – Hautfarbe, die im Sommer relativ schnell auf ein mittleres Gold-Gelb bräunt, im Winter aber auf Wandfarbe mit ausgeprägt gelbem Unterton ausbleicht. Dummerweise ist offensichtlich vorgesehen, daß mein Hauttyp stets sommerbraun zu sein hat, denn mit fortschreitender Blässe wird es immer schwieriger ein halbwegs passendes Makeup zu finden:  Je heller die Haut, desto weniger verzeiht sie eine falsche Nuance und auf meiner Haut wirkt  dann irgendwann alles einfach nur noch rosa, selbst die neutraleren Beige-Töne.

Eigentlich kein Wunder, denn der deutsche Markt scheint auch im Bereich Foundation auf das altbewährte Prinzip “One fits all” zu setzen – üblicherweise findet man im Drogerie-Regal vier bis sechs Nuancen eines Make-Ups, die anscheinend mehr oder weniger auf gut Glück zusammengestellt werden und in der Regel im mittleren Farbspektrum rangieren; wer also hellere oder dunklere Haut hat oder eine andere Farbnuance benötigt, der guckt in die Röhre. Hurra Diversity! 

Ist es nicht schön, wie man bei jedem beliebigen Thema auf die Diskrepanz zwischen dem normalverteilten Mainstream-Angebot und den individuellen Bedürfnissen der konkreten Einzelperson zu sprechen kommen kann?

foundationquest
Weite Teile meines aktuellen "Malkastens"
Nun ist ja – wie immer – klar, daß Massenproduktion per definitionem heißt, daß Waren nicht auf persönliche Einzelbedürfnisse zugeschnitten sind, sondern die Hersteller versuchen einen Kompromiß zu finden, mit dem sie es möglichst vielen recht machen können. Im Idealfall kann man das Produkt so konzipieren, das es sich nach Bedarf etwas anpassen läßt – so wie ein höhenverstellbarer Bürostuhl z.B. Oder Klamotten mit hohem Elasthananteil. Oder Schnürstiefel. Alles ganz tolle Erfindungen.

Im Zuge dieser Idee der “Anpassbarkeit” werden in den letzten Jahren immer wieder Foundations mit dem Werbeversprechen auf den Markt gebracht, daß sich die Farbe dem Hauttyp anpassen, ja geradezu magisch damit verschmelzen würde. Schöne Idee. Theoretisch gibt es das angepriesene Produkt dann auch in vielen Nuancen. Praktisch aber nur in den USA. Weil wir hier in Mitteleuropa nämlich nur die besagten vier bis sechs Hautfarben haben. Das ganze Jahr hindurch. Das heißt schon mal ganz klar, daß der Anteil an Women of Colour offensichtlich im nicht (markt-)relevanten Bereich liegt; was selbstverstänlich nichts über die reale Anzahl der potentiellen Käuferinnen aussagen muß sondern in erster Linie etwas über ihre Wahrnehmung. “Hautfarben” das ist einfach für den deutschen Markt nur ein klitzekleines Spektrum von Nuancen, was man an Pflasterfarben sehen kann und daran welche BHs als “nude” ausgezeichnet werden. (Vgl. dazu den früheren Blog-Post: Hautfarbe = Hautfarben – die Problematik des passenden “nude”-BHs )

Läßt man die rassistischen Implikationen bei Seite (weißes Privileg) und guckt erst mal ganz abstrakt auf die ganze Sache, dann fällt einem schnell auf, daß es schon irgendwie komisch ist in einer Gesellschaft zu leben, in der Attraktivität sowas wie den Kernpunkt weiblicher Identität bildet und Millionen, ach was Milliarden!  mit dem Verkauf von Kosmetika verdient werden, während gleichzeitig die Bedürfnisse der Konsumentinnen nicht ernst genug genommen werden, um ein wirklich sinnvolles Angebot zur Verfügung zu stellen. 

Also was denn nun? Soll ich mich nun bemühen, wie ein retuschiertes Abbild meiner selbst auszusehen oder nicht?  Die Antwort liegt auf der Hand: Ja schon, aber bitte nur im Rahmen von  fünf  Hautfarbe-Nuancen. Alles andere wird für uns, die VerkäuferInnen zu teuer.  Lieber verdienen wir extra daran, daß ihr euch auf der Suche nach dem richtigen Makeup durch tausend Produkte probiert. 

Die Idee ist also, eine schier unendliche Produktpalette von unterschiedlichsten Texturen und Finishes von ultramatt bis superdewy und von extrem deckend bis megaleicht rauszubringen, aber halt nur in den Farben die “der deutschen Durchschnittsfrau” passen. Was die Makeupanbieter und –herstellerinnen dabei allerdings auch vergessen, ist daß es sich bei Deutschland nicht nur im figurativen Sinne um ein Land der Bleichgesichter handelt. Und selbige selbsternannte Blassnasen haben eine deutlich lautere Stimmung als marginalisierte Women of Colour. Nicht ganz unerwartet schallt daher beständig die Klage über die zu dunklen oder falsch getönten Foundations durch die Beautyblogs und –foren. 

Und ja, ich finde es auch seltsam wieso es nicht möglich zu sein scheint, standardmäßig hellere Foundations anzubieten und eben auch gleich noch dunklere. Und vielleicht, wo es schon produziert wird, in verschiedenen Farbnuancen für warme, kalte und neutrale Untertöne?! Ggf. wären ja schon eine Art Baukastensystem eine Lösung, dann könnte man sich einfach seinen passenden Ton selber zusammenmischen. Immerhin wechselt man ja auch nicht ad hoc von Sommerbräune zu Winterblässe und umgekehrt. Wo zur Hölle, lieber Einzelhandel und verehrte Kosmetikindustrie, liegt da das Problem?! Ich sehe ein, daß nicht jede Popeldrogerie das gesamte Farbspektrum anbieten kann, aber wenigstens die Hersteller könnten einen Onlineshop einrichten, in denen es auch “exotischere” Farbnuancen zur Auswahl gibt, die sie für den US-Markt ja sowieso produzieren. 

Das ist aber natürlich nur die eine Seite der ganzen Angelegenheit. Auf der anderen stehen die Konsumentinnen, die sich zumindest soweit zueinander solidarisch verhalten könnten, als daß sie nicht nur die eigenen Bedürfnisse wahrnähmen. Und da sehe ich das nächste Problem: Aus dem was ich bisher so gelesen habe, schließe ich, daß sehr viele schon keine Lust auf Rumgepantsche haben und lieber eine optimal passende Foundation straight from the bottle hätten. Ja, kann ich auch irgendwie verstehen. Andererseits wäre es da doch eine Überlegung, daß man das dann vielleicht unter Spezialinteresse verbuchen könnte und das dann an den sog. “Fachhandel” sprich die Parfümerien verweisen? Statt dessen wird aber leider oft versucht, die eigenen Interessen gegen die anderer Menschen argumentativ durchzusetzen, indem deren Bedürfnisse marginalisiert werden und die eigenen dafür unreflektiert ins Zentrum geschoben.

Fragwürdig: Der Hype des  “Alabasterteints”

Ich weiß gar nicht wie oft in Unterhaltungen über Makeup-Töne pejorative Aussagen getätigt werden, etwa man möchte ja nicht wie ein Schweinchen oder ein Indianer (sic!) aussehen, heißt es dann häufig, und sogar das N-Wort ist schon gefallen. Ja, wirklich! Gleichzeitig scheinen sich immer mehr Frauen bemüßigt zu fühlen zu betonen, daß sie Sonnenbräune ja gar nicht schön fänden und auf ihre Blässe richtiggehend stolz seien. Der “Alabasterteint” wird konsequenterweise dann auch ganzjährig mit SPF50 argwöhnischst vor jedem Sonnenstrahl geschützt.

Und das ist dann so der Punkt, an der die ganze Sache endgültig in eine Richtung kippt, die mir gar nicht gefällt. Bei aller Liebe zur Diversität und bei allem Vorbehalt gegenüber exzessivem Sonnenbaden und Solariumsbesuchen: das Ideal der vornehmen Blässe ist mir einfach zu krass mit rassistischen, klassistischen und kolonialistischen Ideen verbandelt, als daß ich solche Aussagen als bloßes Geschmacksurteil abtun könnte.

Mir ist schon klar, daß der “neue” Trend zur Blässe erst mal als Abgrenzung zum Diktat der '”gesunden Bräune” daherkommt und mit allem begründet wird, was man seit dem Kindergarten über Hautkrebsrisiko, vorzeitige Hautalterung  und die Gefährlichkeit des Ozonlochs gelernt hat.  Und natürlich ist es individuell unterschiedlich, wieviel Sonne die Haut verträgt und ob sie überhaupt relevant ‘bräunt’ oder eher verbrennt. Und selbstverständlich bin ich auch nicht der Meinung, daß man Blässe als unattraktiv abstempeln sollte. Aber den Spieß einfach umzudrehen, bedeutet wirklich überhaupt nicht aus einer subalternen Position  zu sprechen, wie sich das manche glaub ich gerne einreden möchten! 

Blässe läßt sich nicht einfach aus dem Kontext lösen, in dem es jahrhundertelang stand und immer noch steht: helle Haut symbolisiert nicht nur die Freiheit von harter körperlicher Arbeit (im Freien) und damit die Zugehörigkeit zu einer höheren Schicht (Adel, Bürgertum) sondern auch eine rassistische Überlegenheit, die als strukturelle Privilegiertheit von Weißen gegenüber People Of Colour leider immer noch besteht. Das ist auch der Hintergrund der sich in den letzten Jahren auch hier so großer Beliebtheit erfreuenden asiatischen BBCreams mit aufhellender Wirkung.

Deswegen könnte ich immer kotzen, wenn ich sowas lese wie “Ich bin stolz auf meinen Schneewittchenteint” und dann vielleicht auch noch mit angehängten Tips wie man wirklich kein bißchen Sonne an die Haut läßt. Klar,  zuviel ist schädlich, aber zuwenig auch! Schon mal was von Vitamin D gehört? (Ggf. bitte mal lesen: Wikipedia > Vitamin D (Cholecalciferol) > Einfluß auf die Gesundheit) Abgesehen davon bin ich ganz konservativ der Meinung, daß man nur auf (eigene) Leistungen stolz sein kann (sollte!) nicht auf Eigenschaften.

Mehr Vielfalt wär doch auch ne Lösung

Im Grunde ist es doch eigentlich ganz einfach:
Alle Menschen sind unterschiedlich. Das ist einfach so. KeineR sollte sich für seine*ihre Individualität  rechtfertigen müssen. Und im Zuge ganz basaler Eigeninteressen wäre es einfach schön, sich für mehr (Waren-)Vielfalt einzusetzen statt dafür daß man nur selber in seinen Bedürfnissen berücksichtigt wird.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß das grundsätzlich nicht funktionieren kann - auch wenn es erst mal unternehmerischen Vermarktungsidealen (möglichst kleiner Warenbestand, möglichst hoher Durchlauf, möglichst großer Gewinn) entgegensteht. In anderen Ländern geht es ja offensichtlich auch – oder warum sonst kann man in Großbritannien einigermaßen einfach und günstig BHs in Größen bekommen, die hier als supermegaexotisch gelten? Genauso muß das doch auch mit Foundations klappen. 

Ich verstehe einfach nicht, weshalb es in Deutschland so selbstverständlich sein kann, Konsumbedürfnisse die marginal vom Mainstream abweichen direkt an den “Fachhandel” abzuschieben. Du bist zu klein zu groß zu dick zu dünn zu hell zu dunkel? Naja, Pech gehabt. Nicht unser Problem. Echt, das ist so unfaßbar antidemokratisch, da könnte ich schon wieder in die Tischkante beißen. 

Ja, ich weiß, die Sache mit der Foundation ist auf ne Art ein Luxusproblem. Andererseits werde ich als Frau auch pausenlos mit Werbung beschallt, was ich nun wieder kaufen soll, um schöner zu sein blabla. Und dann, wenn ich brav tun will, was mir gesagt wird, dann gibt es gar nix für mich?! Und das obwohl mir das Produkt als “quasi für mich maßgeschneidert” angepriesen wurde?!  Ehrlich, da kann ich mich einfach nur total verarscht fühlen!
Zurück zu meinem persönlichen Problem mit der Foundation und der Frage: 

Gibt es nun die perfekte “Bodypaint-Nuance”?

Also, ich hab meine noch nicht gefunden. Ich bin aber auch nicht willens 30 Euro plus für das blöde Zeug auszugeben. Man weiß ja nie, ob man’s verträgt oder nicht. Am Schluß kriegt man Pickel oder trockene Stellen oder man sieht aus als hätte man sich in Panade gewälzt. Nicht zu vergessen der Oxidationsfaktor – d.h. eine Farbe, die erst mal passend wirkte, verändert sich auf der Haut in eine ungünstige andere Richtung. So sind mir auf dem Höhepunkt meiner Winterblässe die meisten Sachen einfach zu rosa. Das läßt sich hauptsächlich damit erklären, daß ich schon explizit gelbe Töne brauche und selbst neutrale Farben auf meiner Haut rosa wirken. Sagte ich ja oben schon. Oftmals erscheint das Makeup dadurch auch zu dunkel. Ich glaube ein sehr, sehr großer Teil der Foundation-Verwirrung, auch was die Helligkeit angeht, ist der Tatsache geschuldet, daß viele nicht wissen wie sie sich auf der warm-neutral-kalt-Skala verorten sollen. Ich habe auch ganz lange gebraucht um zu verstehen, daß ich gar nicht “so hell” dafür aber “so gelb” bin und sich deswegen die meisten Makeups farblich nicht so gut mit meiner Haut verbinden. Im Idealfall sollte Foundation ja überhaupt nicht als solche erkennbar sein  – wer also “angemalt” aussieht macht was falsch.

Entsprechend gilt die Sache mit dem Hautunterton aber natürlich auch für dunklere Typen – auch wenn der  Toleranzbereich größer ist, je mehr Eigenfarbe jemand mitbringt, ist er doch begrenzt… Ich habe vor einer Weile mal ein Werbevideo von L’oreal gesehen, das dokumentieren sollte welch unglaublichen Fortschritt die neuen Farben der “True Match” (in D “Perfect Match”)-Reihe gegenüber anderen Makeups darstellt. Obwohl das zum guten Teil Propaganda war, konnte man darin aber wirklich ziemlich deutlich zu sehen, wie künstlich eine falsche Nuance gerade bei dunklerer Haut wirken kann. Daran, daß das Video nur Women of Colour zeigt, wird auch klar, für wen eine solche überarbeitete Farbskala von 33 Farben in drei “Typrichtungen” (Warm, Kalt, Neutral) die größte Bedeutung hat – für die, die vom Markt extrem marginalisiert werden. Von den 33 Tönen werden in Deutschland aber nur 9 angeboten, in Großbritannien sind es immerhin noch 22.

So ginge das halt auch: True Match-Farb-
Überblick  bei colorconnection.yuku.com

L’oreal genießt aus unterschiedlichen Gründen (v.a. wegen Tierversuchen) in der “Beautyblogosphere” keinen guten Ruf;  allerdings scheint die L’oreal Marke Maybelline die erste zu sein, die eine richtig dunkle Drogerie-Foundation auf den deutsch(-sprachig)en Markt gebracht hat, siehe die beiden Video-Reviews zur Fit Me!-Foundation in 355  bei iilovefashion und Blackvelvet330. Als Referenzpunkte geben die beiden an NC50 bzw. NW45-47 bei MAC zu tragen. (MAC ist afaik die einzige gut erhältliche Marke, die in Deutschland dunkle Foundations anbietet. Preislich rangiert sie aber schon am unteren Rand des HighEnd-Bereichs) Und beide freuen sich sichtlich, auch mal vom Angebot berücksichtigt zu werden. Ist ja auch nicht weiter überraschend.

Im Verhältnis dazu relativiert sich natürlich die Klage übers mangelnde Angebot für sehr blasse Haut. Wenn ich ehrlich bin glaube ich, daß sich ein Großteil der “Nicht-Hell-Genug”-Probleme mit einem guten und günstigen Angebot an “Misch-Weiß” aus der Welt schaffen ließe. Soll heißen mehrere Varianten/Texturen, damit für alle was dabei ist und man vielleicht nicht so sehr nur eine Foundation damit aufhellen kann sondern vielleicht das Weiß eher auf die passende Tönung einfärben. Das müßte doch relativ easy möglich sein, oder? Plus, man könnte das Weiß auch einfach als Highlighter verwenden… Leider herrscht diesbezüglich auf dem deutschen Markt erst recht Ebbe; häufig wird die weiße Foundation von Star Gazer empfohlen, das ich aber von der Textur nicht so recht als Foundation durchgehen lassen würde. Es ist halt schon eher so eine Art “Grufti-Deckweiß”. Daneben gibt es noch zwei weiße Foundations von Illamasqua die man sich – ebenso wie übrigens dunkle Töne – aus UK bestellen kann, die Face & Body-Foundation von MAC und ein paar wirklich, wirklich helle Nuancen mit leichter Eigenfärbung. Der letzte Neuankömmling in dieser Gruppe ist das Easy Match Make Up von Manhattan in 30 Porcelain.

Infos zu hellen Foundations findet ihr beispielsweise unter dem entsprechenden Tag bei MagiMania und in der aktuellen Reihe “Foundation Friday” von Godfrina auf kalterkaffee.at

Für dunkle Haut hab ich im deutschsprachigen Bereich nicht so viel gefunden außer Youtube-Videos;  neben den oben genannten iilovefashion und Blackvelvet330 hab ich noch ergoogled: BeautybyMiry (MAC), MaryRoé (Maybelline, BobbyBrown), Sinra (Maybelline, NYX), Mama Afrika (Maybelline), Nellys Modeblog (Makeup Store, Maybelline). Die Marken reflektieren schon ganz gut die nicht-vorhandene Auswahl: hier wird nicht großartig rumverglichen, wer zwei Produkte hat, die einigermaßen passen kann sich offensichtlich schon glücklich schätzen.  Das Video “Great Foundations for a Woman of Color” der US-Amerikanerin shaneilh bespricht dagegen immerhin 10 Optionen. Daß das Angebot für WOCs auch in den USA deutlich (!) kleiner ist als für Weiß darf man natürlich nicht vergessen. Aber sogar davon sind wir hier noch Lichtjahre entfernt.

So danke fürs Zuhören. :)


Seid ihr auch Anhängerinnen im Fingerfarbenclub? Oder schon ausgewachsene Beauty-Junkies? Oder gehört ihr zu denen die höchstens eine Wimperntusche und einen Puder besitzen?




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Lingerie Tumblrs – Kaugummi für die Augen

Drüber & Drunter ist bekanntlich ein feministischer Bra Fitting Blog – das heißt: viele Meinungen, einige Tips, andauerndes Rumtheoretisieren, enthusiastisches Meckern, lange Texte, wenig Bilder, nicht unbedingt das, worauf man immer so Nerv hat.

Lingerie von 1964
via The Lingerie Parlour
Manchmal will man sich einfach nur mit dem Laptop/Tablet/Smartphone aufs Sofa setzen, ein Heißgetränk konsumieren, Kekse knabbern und hübsche Bilder gucken. Früher mußte man sich da für teures Geld enttäuschende Magazine kaufen, die zu 80% aus Werbung und zu 20% aus dämlichen Sextips bestanden, heute bekommt man’s quasi-legal (Urheberrechte, naja) aufs Gadget seiner Wahl geliefert.

Wer wenigstens für ein paar Minuten darüber wegsehen kann, daß sich natürlich gerade bei Unterwäsche normierte Frauenkörper lasziv in die Kamera räkeln, der hat auf Tumblr eine Menge zu gucken. Denk ich mir mal. Deswegen unternehme ich heute mit euch meinen ersten richtigen Streifzug in mir bisher unbekannte Regionen des Microbloggings. 

Intissimi-Set via Kurvendiskussionen
Für alle, die jetzt sagen 'Tumblr Hä?' - Tumblr ist eine Blog-Plattform die auf einer "Zitatfunktion" beruht; Kontent von Webseiten kann per Knopfdruck auf den eigenen Tumblr 'reblogged' werden, der Dateiursprung und die Quelle werden in der Regel mit übernommen und als "Source" bzw. mit "via" gekennzeichnet. Unter Copyright-Gesichtspunkten ist das natürlich ziemlich fragwürdig, aber irgendwie trägt es halt auch zur Bekanntheit der Künstler_in bzw. des 'kulturellen Produkts' bei.

Das Schöne an Tumblr ist also, daß man sich endlos von Blog zu Blog klicken und stundenlang auf einer kollagenartigen Bilderflut surfen kann; man braucht nur erst einmal einen Ausgangspunkt. 

Es versteht sich von selbst, daß ich erst mal bei den Kurvendiskussionen anfange. Die Kurvendiskussionen sind kein reiner Lingerie Tumblr, sondern eher eine Mischung aus bewegten Bildern (typisch Tumblr), geeky stuff (auch typisch Tumblr), feministischen snippets (immer noch Tumblr!) und Unterwäschebildern mit Retro- oder Fetisch-Touch (hauptsächlich). Wer sich einen schnellen Überblick verschaffen möchte, was ihn erwartet klickt vielleicht am besten direkt ins Archiv. Im Gegensatz zu vielen anderen Lingerie-Tumblrn findet ihr bei den Kurvendiskussionen nicht nur Bilder sondern auch Text.
Tess Munster via Lingerie Addict
Ebenfalls an die internationale Boobosphere angedockt sind die Tumblr von The Lingerie Lesbian und The Lingerie Addict, beide wie die Kurvendiskussionen vom Layout nicht völlig bildzentriert, der Lingeriebezug ist aber deutlich höher als bei den Kurvendiskussionen. Bunt gemischt kriegt man dort alles mögliche an Bildern im herkömmlichen Bloglayout.

Andere Tumblrs verwenden direkt Grid-Layouts, in denen Bilder in Reihen angeordnet sind; die Bildunterschriften werden ausgeblendet. So kann man sich z.B. auf dem Frou Frou Fashionista Luxury Lingerie Tumblr textfrei berieseln lassen. The Lingerie Parlour ist ähnlich aufgebaut, fokussiert sich aber auf Vintage-Designs. Durch die endlos Scrollfunktion wird man theoretisch auch nicht durch Seitenwechsel unterbrochen.
allcoveredinglitter: Karene B | Concept: Jon Emmony, Lou Stoppard |
Direction: Jon Emmony | via Kurvendisskussionen

 Ist ne ganz nette Beschäftigung auf nen Sonntagmittag, hier mit der Kaffeetasse zu sitzen und mir Wäschebilder anzugucken... wenn ich aber ganz ehrlich bin, so richtig fesselt mich das nicht. Wie ist das bei euch so? 

Guckt ihr euch gerne ‘einfach so’ Dessous an?
Kennt ihr noch andere empfehlenswerte Lingerie-Tumblr?



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D/E Vielfalt in der Lingerie Werbung / Diversity in Lingerie

English after the jump,
Wenn man sich die Werbung für Lingerie so anschaut, könnte man den Eindruck gewinnen, dass diese nur von schlanken, weißen, jungen Frauen ohne körperliche Beeinträchtigungen getragen wird. Natürlich wissen wir, dass das nicht der Fall ist und umso erstaunlicher ist doch der Mangel an Diversität. Wir haben schon öfters über dieses Phänomen berichtet. Das Argument für diese einseitige Perspektive scheint zu sein, dass Menschen einkaufen weil sie so sein wollen, wie die Menschen in der Werbung und weil wenn Werbende andere Wege geht, die Waren nicht mehr gekauft werden. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Es gibt aber einige Hinweise, dass das nicht der Fall ist und solche Werbung negative Konsequenzen für die Konsumenten hat. Hier und hier zum Beispiel (leider nur auf Englisch, für Hinweise auf deutschsprachige Quellen wäre ich sehr dankbar).
June von Braless in Brasil hat daher mit Hilfe vieler anderer Blogger zur Kampagne #DiversityInLingerie aufgerufen. Sie schlägt vor, dass ihr ein (unbearbeitetes) Foto von euch postet und irgendwo den Hashtag  #DiversityInLingerie einbaut um zu zeigen, dass ihr willig seit auch weiterhin Lingerie zu kaufen wenn das Spektrum der gezeigten Frauen erweitert wird und ich freuen würdet wenn jeder Mensch, die Möglichkeit hätte sich in manchen der gezeigten Models wiederzukennen.
Ich bin mir bewusst, dass ich in einer privilegierten Position bin, denn ich bin eine weiße, dünne und junge cis-Frau. Und auch wenn ich nicht genau aussehe wie die Frauen in der Werbung, so sind sie mir doch ähnlich. Menschen mit anderen Identitätsmerkmalen jedoch sind gar nicht repräsentiert oder stark unterrepräsentiert. Etwa werden Menschen anderer Hautfarbe, geschlechtlicher oder sexueller Identität, mit Behinderung oder solche die älter oder jenseits von 36 Kleidergröße sind, nicht gezeigt. Selbst kleinere Abweichungen fernab des Ideals wie Narben, Tattoos, Celluilite oder Brillen werden oft nicht abgebildet oder per Photoshop unsichtbar gemacht.
Viele Blogger haben zu diesem Thema einen (oder mehrere) Posts verfasst und mir damit sehr interessante Perspektiven eröffnet. Unter Junes Post zum Thema gibt es auch eine Linksammlung, die ich euch sehr ans Herz legen möchte. Wenn ihr kein Foto posten möchtet, aber trotzdem eure Unterstützung für Vielfalt zeigen möchtet, dann könntet ihr zum Beispiel bei Verkäufern und Designern kaufen, die dies tun. Eine solche Liste findet ihr bei Lingerie Addict. Oder aber ihr lasst die Lingerie Industrie wissen, dass ihr euch freuen würdet, wenn sie die Realität der Vielfalt auch in ihrer Werbung abbilden. Die meisten Marken sind heute per Social Media erreichbar und legen Wert auf ein Image, das sie als konsumentenfreundlich und nahbar darstellt und reagieren vielleicht.
Von mir gibt es auch ein Foto, dass eines meiner körperlichen Charakteristika zeigt, das selten zu sehen ist, obwohl es ungefähr 1,1% der Weltbevölkerung betrifft, nämlich Skoliose:


 



If you take a look at lingerie advertisement (or most fashion advertisement for that matter) you could believe that lingerie is only worn by thin, white, healthy women below 30. While most people are consciously aware that this is far from reality, the message still has an effect on people. It glorifies certain type of bodies while disregarding others. The argument from sellers, designers and others in the fashion industry seems to be that their sales drop when they stray from this path. If that is true is debatable and as I am not an expert on marketing I cannot comment. However, I found this article very informative and this one give links to the actual studies that show the negative influence of marketing lacking diversity and disapprove those claims.  
Recently, there has been a wonderful initiative by a huge number of lingerie & brafitting blogs that I like to bring to your attention. The campaign #DiversityInLingerie was launched by June from Braless in Brasil last week and aims at increasing the diversity in lingerie.  In June's words:
"From now on, if you want to join me take a picture of yourself (can be with or without your face, in lingerie or clothes- whatever you feel comfortable with!) and somehow fit in the hashtag #DiversityInLingerie.  You're welcome to either post it on twitter with the hashtag or email me and I'll put it up in  a post on my blog. Starting today (August 21st) other bloggers will becoming out with their own posts and pictures so check back to this post for the links! I'll post them as they come out. I'd encourage women of ALL walks of life and appearance to join in.  By participating you can show the lingerie industry that, yes, you'd buy lingerie from a diverse group of models, not just the ones currently shown.  I want to be clear that this is nothing against the body types currently shown and I don't want to get into a "real women" debate. We're all real women.  I just want a bigger pool of models so that ALL women can see someone like them and say 'hey, she looks like me and that bra looks awesome on her, it could look awesome on me too!'. -
I am very privileged in that I am a cis woman who is white, below 30, able-bodied and relatively thin. Thus while I don't exactly look like the models in lingerie ads they look like me in many aspects. But there are tons of people who are not represented. Woman of color,  trans* women, women with disabilities, older woman, men with gynaecomastia or woman with different body types. And its not only those major identity categories that are only narrowly defined, but even minor characteristics of people such as scars, cellulite, tattoos or glasses that are not shown or photoshopped to oblivion.
A number of people have offered their perspective and were much more vocal about this then I ever could be, so I urge you to explore the links given at the end of June's post. However, even if you don't want to post your picture to the internet, you can choose to support retailers that embrace diversity as suggested by the Lingerieaddict or let retailers and lingerie companies know what you'd like to see in their advertisement. Today most of them have an active social media presence and even make an effort to interact with customers. This is not a call to harass them but to make your wishes for more diversity known.
I am going to leave you with a not photo-shopped image of myself that shows off a bodily quirk of mine that is not seen in advertisement despite affecting roughly 1 out of 100 people in the general population to some degree, scoliosis:


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