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Och nö, echt Leute?! Das muß doch nicht sein!

Also, es gibt diese Parodie auf die Kampagne "Gleichberechtigung statt Gleichmacherei" der AfD Jr.  von der Alternativen Jugend für Deutschland, unter der schönen Adresse facebook.com/wirhabenjanichtsgegenauslaenderaber

Wie üblich wenn sich Leute an Satire versuchen sind ein paar Sachen sagen wir eher weniger gelungen. Und gerade eins dieser weniger gelungenen Beispiele, ausgerechnet das, hat es in die TAZ-Fotostrecke Kampagnen für die Junge AfD geschafft.

"Ich bin kein Feminist, weil ich mehr Oberweite als Hirn habe."

Kann mir mal irgendjemand erklären, was an diesem Bild kritisch sein soll? Anyone?

Also ja, wir wissen natürlich aufgeklärterweise, daß Intelligenz in keiner Relation zu körperlichen Attributen wie Brüsten steht. Aber wird die Sache dadurch alleine schon lustig? Wie kommt denn die Distanz zur Aussage zustande? Kommt sie überhaupt zustande?

Ich würde sagen nein.
In meinen Augen wird hier das misogyne Stereotyp  "große Brüste = dumm" einfach nur verdoppelt, indem genau das nicht passiert, was eigentlich die Zielsetzung der Kritik sein sollte: eine Reflexion auf den sozialen (sexistischen!) Kontext von Antifeminismus zu ermöglichen. Die Aussage wie sie da steht heißt nicht: "Ich bin keine Feministin weil ich ein sexistisches Klischee affirmieren möchte" sondern "Ich bin keine Feministin, weil ich dumm bin."

Abgesehen von dieser Reproduktion des sexistischen Stereotyps: Ich dachte eigentlich, daß Dummheit grundsätzlich keine Ausrede ist und sie daher auch nie als Vorlage für eine Kritik taugt.

Es gibt noch ein zweites Bild nach diesem Schema, diesmal unterschreiben mit "Ich bin gegen Feminismus, weil ich Feministen nicht allein mit meinen Titten beeindrucken kann." Das ist jetzt zwar auch nicht besonders smart, aber es bringt wenigstens im Ansatz die erforderliche reflexive Struktur mit, genau wie die ebenfalls nicht überragenden aber immerhin besseren Beiträge: "Ich bin keine Feministin, weil ich sexuelle Belästigung total geil finde." oder "Ich bin keine Feministin, weil ich in die Küche nicht in die Öffentlichkeit gehöre."

Zur verfehlten Message des oben gezeigten Bilds kommt dann dummerweise auch noch, daß die mutmaßliche Schöpferin des Spruches glaubte ihre Möppies zur Untermalung mit in die Kamera halten zu müssen. Vielleicht als ironische Brechung, die im Text selber keinen Ausdruck gefunden hat? Nach dem Motto: "Hey guck mal, ich würde das doch nicht über mich selber sagen."

I don't get it.

Aber immerhin hat es offensichtlich gereicht um in die Fotostrecke zu kommen. Weil, Sex sells. Ne, TAZ?

Sonst naja, kann man zur Kampagne vermutlich sagen, daß sie gut gemeint war - an die Absurdität des Originals (Realsatire deluxe) kommt sie aber nicht ran. Außer vielleicht im Fall von "Ich bin keine Feministin, weil ich mag Toastbrot."

Könnt ihr dem Bild was Kritisches/Lustiges abgewinnen?

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No Shave November - ein Mißverständnis

Vor ein paar Wochen stolperte ich auf dem tumblr der Kurvendiskussionen über ein Foto unrasierter Frauenbeine und eine flammende Rede gegen die Forderung, daß Frauen doch bitte nicht am No Shave November teilnehmen möchten. (Link zum Beitrag)
Ist ja interessant, dieser No Shave November, dachte ich mir, eine Aktion gegen das Enthaarungsgebot für Frauen und praktischerweise auch in einer Jahreszeit (in unseren Gefilden), in der es eh keinem auffällt. Ohne drüber nachzudenken hatte ich schon mitgemacht - denn meine Beine haben schon seit Monaten keine Rasierklinge mehr aus der Nähe gesehen. 

Eigentlich ein schönes Thema für den Blog, dachte ich weiter und setzte es auf meine imaginäre "Sachen über die ich noch mal was sagen könnte"-Liste. Der Monat neigte sich dem Ende, das schlechte Gewissen über meine trotz aller guter Vorsätze nicht steigenden Posting-Dichte wuchs und so tippte ich brav die Schlagworte in die Suchmaschine um der Sache mit dem Rasierstreik auf den Grund zu gehen.

Gefunden habe ich etwas, womit ich gar nicht gerechnet hatte: auf der Seite no-shavenovember.com erwartet mich ein bärtiges Symbol mit Hut. Bärtig wie Mann. Hut auch wie Mann. Eindruck: Jetzt bin ich verwirrt.
Das Ziel von No-Shave November sei, steht da zu lesen, Aufmerksamkeit für Krebs zu schaffen, indem man sich die Haare wachsen läßt, die KrebspatientInnen verlören. Das Geld das man sonst für Rasieren ausgebe solle man für Aufklärung und Vorbeugung usw. spenden. Die Webseite ist Teil einer Awareness-Kampagne der American Cancer Society. Daß man sich auch als Frau trotz bärtigem Hütchen-Symbol noch angesprochen fühlen darf, verrät der Subtext, also Aufforderungen wie "skip that waxing appointment" und "let those legs get mangly" ("Mangly" sagte mir gar nichts, nach dem Urban Dictionary zu urteilen, könnte es sich da um ein Portemanteau aus 'manly' und 'ugly' handeln.) Soweit mir bekannt ist Waxing und Beine rasieren immer noch zu großen Teilen Frauensache.

Zwei weitere Klicks weiter (bei Wikipedia und auf der Website movember.com) erfahre ich, daß es den sogenannten Movember bereits seit 2004 gibt und mit dem Stehenlassen von Schnurrbärten Aufmerksamkeit für das Thema männliche Gesundheit, spezifischer Prostata- und Hodenkrebs, erzeugen möchte. Tatsächlich ist Movember auch mehr als ein Portemanteau aus November und Mustache (Schnurrbart) - nämlich eine weltweit operierende NGO, die Movember Foundation. MoSisters sind hier explizit nur noch die Frauen die Schnurrbärte lieben und die Männer aka MoBros supporten. Na, dankeschön!

Meine vierte Anlaufstelle beim Urban Dictionary dann auch angekommen am Tiefpunkt des Rumgemackers - da wird (keine Ahnung wie selbstironisch) das Abfeiern von Maskulinität qua Nicht-Rasieren als Hintergrund des NoShaveNovembers festgehalten. Tja... soviel zu nicht-rasierten Frauenbeinen.

Damit erschloß sich mir dann auch der Zusammenhang zum Mitmachverbot: Körperhaare stehen lassen ist natürlich keine 'weibliche' Sache, wie konnte ich das nur mißverstehen?! Frauenhaare sind eklig und unhygienisch und auch in Fällen einer politischen Kampagne nicht vertretbar. 

Was soll ich sagen?! Ich bin ein bißchen enttäuscht. (Euphemismus) Was ich da naiverweise für eine progressive Aktion für mehr Diversität verstanden hatte, ist trotz natürlich irgendwie sinnvollem Hintergrund (Cancer Awareness) weitestgehend doch nur so eine Mainstream-Veranstaltung, die an der bestehenden (Geschlechter-)Ordnung festhält und das 'subversive' Unterlaufen der Kampagne ist leider nur eine Randerscheinung.

Fest steht für mich jedenfalls, daß ich nächstes Jahr bewußt mitmache! Ein Hurra auf hairy legs!
Und wie haltet ihr's so mit der Rasierklinge?







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Ist passende Unterwäsche eine Luxusfrage?

Als ich vor ca. fünf Jahren entdeckte, daß das Unterwäsche-Angebot in Großbritannien deutlich besser ist als hier, war ich nicht nur von der Auswahl begeistert sondern auch von den Preisen. Für um die 20£ bekam man schon einen BH im Sale, manchmal sogar für weniger. (Meine ersten BHs lagen mit 36FF/G noch deutlich mehr im Mainstream als meine momentane 32J)

Geht man in Deutschland in einen Unterwäscheladen liegt der Preis für einen BH locker bei 60€ und darüber. Als Grundausstattung für eine neu gefittete Frau würde ich minimal kalkulieren:

Drei gut sitzende Alltags-BHs, wenn möglich unterschiedliche Modelle, um eine bessere Bequemlichkeit zu gewährleisten (wie Schuhe sollte man BHs zwischendurch mal wechseln, damit die Belastung nicht immer an der gleichen Stelle ist. Außerdem muß man sie ja auch mal waschen…), pro Stück zwischen 50 und 70€ = 150 - 210€, ein Sport-BH à 50-60€ und ein Badeanzug/Bikini für ca. 80€
Das macht zusammen zwischen 280€ und 350€. Ein stolzer Preis für eine absolute Minimalausstattung finde ich. 

Eine Überschlagsrechnung von britischen Preisen läßt mich bei Standard-BHs à 30£, einem Sport-BH für 35£ und einem Bikini für 60£ nur auf einen Minimalpreis von 215€ kommen. Das ist immer noch saftig, aber immerhin mehr als 60€ weniger als der ‘deutsche’ Preis.

Warum ich hier so rumrechne? Weil ich finde, daß passende Unterwäsche keine Luxusfrage sein sollte. Klar sind das Summen, die viele Frauen zu zahlen bereit sind, die viele Frauen vielleicht auch einfach so für was anderes ausgeben würden. Es gibt aber genug sozial schwache Familien oder auch Einzelpersonen, die sich das so einfach nicht leisten können. Und ich meine damit nicht unbedingt die üblicherweise als Paradebeispiele genannten Studentinnen. Vergleichsweise zu Schülerinnen, Azubis, alleinerziehenden Müttern mit geringem Einkommen, überhaupt Familien aus prekären Verhältnissen und natürlich ALGII-Empfängerinnen sind Studis finanziell meist ganz gut gestellt. (Sonst könnten sie sich, so traurig das ist, das Studieren auch einfach nicht leisten.)

Die weit verbreitete Idee ist, daß man BHs für nen Zehner vom Grabbeltisch kaufen kann und 25, 30€ sind schon das Maximale der Gefühle. Alles darüber sind ‘sündhaft teure Dessous’, die selbstverständlich ein ‘Hauch von Nichts’ zu sein haben. Sowas schmachtet man in Hochglanz-Frauenzeitschriften ebenso an wie Taschen von Chanel oder ein Kleid von Prada. 

Mit der Realität hat das wenig zu tun – die Wäsche vom Kaffeeröster, Versandhaus oder der Textilkette des Vertrauens ist zwar günstig, aber die Größenauswahl ist klein, die Passform oft nur so lala und häufig ist auch die Qualität nicht besonders gut. (Im letzten Jahr habe ich ganz schön viele Unterbrustbänder gesehen, die eher die Konsistenz von Kaugummi hatten als die eines stützenden Kleidungsstücks.)

Für Frauen, die ‘exotischere’ Größen brauchen und das ist typischerweise schon recht schnell der Fall, denn meist gibt es ja nur 75-85ABCD, sind die niedrigpreisigen Stücke gar keine Option. Entsprechend ist auch die Idee, bei BHs könnte es sich um einen Luxusartikel handeln, der unter Mode oder Körperschmuck läuft, ausgesprochen lächerlich.

BHs sind in erster Linie Funktionskleidungsstücke und zwar derart daß man sie vielleicht am ehesten noch mit Schuhen vergleichen kann. Und schon dieser Vergleich hinkt, weil zwar Füsse auch sehr unterschiedlich geformt sind und oftmals billige Schuhe nicht ausreichend Support geben, aber im Vergleich zu der Vielzahl von BH-Größen, die man für ein vernünftiges Fitting braucht, wäre auch eine Schuhsortiment in fünf Weiten pro Größe zahlenmäßig noch nicht vergleichbar…

Na, ich schweife ab. Worauf ich hinaus wollte ich die Problematik, daß passende, qualitativ hochwertige BHs de facto ein Luxusprodukt sind und diese Fehlinterpretation was ‘Dessous’ in der Regel sein sollen durch eine gesellschaftliche Reduktion von Frauen auf Modepüppchen, deren Lebenszweck es ist sich für Männer aufzuhübschen, auch immer noch reproduziert wird. 

Ein BH soll ganz profan die Brust stützen, Bewegungsfreiheit ermöglichen und Rücken und Schultern entlasten. Das heißt nicht, daß man nicht auch viel Geld für einen Hauch von Nichts bezahlen kann oder soll. Wer Lust auf ‘schöne Wäsche’ hat und es sich leisten kann, kann sich ja welche kaufen, so wie man auch Sneaker oder High Heels oder sonstwas sammelt. 

Der springende Punkt wäre aber IMO eine Anerkennung der Problematik von passender Wäsche und niedrigem Einkommen, also bspw. die Einrichtung eines staatlichen Topfs aus dem man einen Zuschuß beantragen kann, überhaupt ein stärkeres Bewußtsein für die Funktionalität von Unterwäsche und eine bessere Berücksichtigung des objektiv vorhandenen Bedarfs.

Je länger ich mir angucke, wie viele Frauen sich mit schlecht sitzender Unterwäsche herumquälen und statt dem Markt, unqualifizierten Verkäuferinnen, eine misogynen Stimmung in der Gesellschaft usw. die Schuld daran zu geben, diese ständig nur bei sich selber und in der Fehlerhaftigkeit ihres eigenen Körpers suchen, desto wütender werde ich. 

Die Sache mit der falschen BH-Größe stellt sich so als ein wirklich grundlegendes feministisches Alltragsproblem dar, in dem sich widerspiegelt wie marginalisiert die Bedürfnisse von Frauen in unserer Gesellschaft doch eigentlich sind und wie stark sich die Wahrnehmung von Frauenkörpern auf Attraktivität und Schönheitsidealen fokussiert. 

So, Rant Ende.

(Sorry, ist mal wieder ein wenig unausgegoren, die ganze Sache, ich hab das jetzt einfach so runtergetippt…)

Yoda Hulk-Meme zur Untermalung meiner Stimmung...

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D: Doves "Du bist schöner, als du denkst" Kampagne

In den letzten Wochen machte ein neuer Werbespot im Internet die Runde und in meinem Facebookstream fanden sich mehrere lobende Worte für diese neue Kampagne: 


Wer den Spot nicht sehen kann oder will, es geht im Prinzip darum, dass Frauen ihr Gesicht einem forensischen Zeichner beschreiben. Danach beschreiben Fremde, mit denen sie sich kurz vorher unterhalten habe, diese Person. Das Ergebnis ist, dass die Fremden, die Frauen mit weitaus positiveren Attributen und Worten beschreiben als die Frauen sich selbst. Daher kommt Dove zu dem Schluss, dass  Frauen oft selbst ihre eigenen schlimmsten Kritiker sind. Die Tagline ist dann auch "Du bist schöner, als du denkst" ("You are more beautiful than you think").

Dieser Spot ist Teil von Doves Rebranding und PR-Strategie seit 2004 in der wahre oder realistische Schönheit fernab von Photshop und dem professionellen Modelbusiness zelebriert wird um Frauen auf ihren Weg zur Selbstakzeptanz und mehr Selbstbewusstsein zu helfen. Hier kann mensch, leider nur auf Englisch, mehr über die Geschichte der Kampagn lesen.

Ich mag diese Kampagnen dafür, dass sie tatsächlich manchen Frauen ein gutes Gefühl über sich selber geben und bin dankbar dafür, dass Dove eine Diskussion zu dem Thema Schönheit, (Selbst)Wahrnehmung und Selbstbewusstsein angestoßen hat. Damit stehen sie noch immer allein auf weiter Flur da und zu oft werden Frauen in den Mainstreammedien und der Werbung sehr formalistisch und idealisiert dargestellt.
Das Problem was ich, und andere, mit dem Thema haben ist allerdings haben hat eher damit zu tun, dass Dove ein nicht völlig inklusives Schönheitsbild propagiert, zu Unilever gehört, und eben Pflegeprodukte vertreiben möchte.

In dem Spot sind dünne Frauen zu sehen, alle vier Hauptprotagonisten sind keine People of Color, keine ist älter als 40, keine ist behindert, keine ist dick. Diese Frauen sind konventionell schön. Nur erkennen sie das nicht selbst. Was mich aber wirklich geschockt hat war der letzte Satz einer der Teilnehmerinnen: "Ich sollte mir meiner natürliche Schönheit stärker bewusst sein. Denn das hat schließlich auch Auswirkungen darauf mit wem wir befreundet sind, für welchen Job wir uns bewerben oder wie wir unsere Kinder behandeln. Es hat einfach Auswirkungen auf Alles! Unser ganzes Glück kann davon abhängen." ("I should be more grateful of my natural beauty. It impacts the choices and the friends we make, the jobs we go out for, they way we treat our children, it impacts everything. It couldn’t be more critical to your happiness."). Das heißt es ist unser Aussehen was unser Leben und unser Glück bestimmt? Das ist sicherlich keine besonders aufbauende oder positive Botschaft. Oder meint das "it" im Original das Selbstbewusstsein, dass aus dem Wissen um die eigene Schönheit erwächst? Das wäre weit weniger problematisch, würde aber immer noch implizieren, dass man eben dünn, jung, gesund und weiß sein muss um schön zu sein. Interessant ist auch, dass in den meisten Werbespots der Kampagne Frauen gezeigt werden die unzufrieden mit ihrem Körper sind und es kommen keine Frauen zu Wort, die sich bereits als schön empfinden und somit als Vorbild dienen könnten. Stattdessen wird Aussehen als deterministischer Faktor des Schicksals gehypt, das mensch, so die unterschwellige Nachricht, mit Schönheitsprodukten noch verbessern kann.

Natürlich ist es im Interesse eines Unternehmens, dass Pflege- und Schönheitsprodukte herstellt, diese möglichst viel unters Volk zu bringen. Daher sollte man sich bewusst sein, dass wenn mensch Doveprodukte kauft, man nicht das Projekt unterstützt alle Frauen selbstbewusster zu machen und ein inklusiveres Bild von Schönheit zu verbreiten, sondern ein gewinnorientiertes, multinationales Unternehmen unterstützt. Dove gehört zum Unilever Konzern, der unter anderem auch relativ aggressives Marketing für seine Cremen zur Hautaufhellung betreibt oder betrieb und zu dem auch Axe gehört, ein Produkt dessen sexistisches Marketing fast schon legendär ist.

Links zum Thema (leider nur auf Englisch):

Was haltet ihr von dem Werbespot und der Kampagne an sich?





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D/E: Normal ist Anders / Body Shaming

In English after the jump,
Vielleicht ist einigen von euch schon aufgefallen, dass hier im Gegensatz zu anderen Blogs aus der Boobosphere keinen Post zum Thema 'Große/Kleine/Mittlere Brüste sind schön' gibt. Nicht, weil wir Brüste nicht mögen oder schön finden, sondern weil wir versuchen wertende Beschreibungen zu vermeiden. Wir möchten mit unserem Blog Menschen primär helfen, sich in ihrem Körper wohl zu fühlen, egal wie dieser beschaffen ist.

Vielleicht habt ihr auf Social Media Seiten schon dieses Meme gesehen:

"Wann wurde das ... heißer als das?" (Quelle unbekannt)
Oberflächlich betrachtet scheint dieses Bild ein Protest gegen den 'Magerwahn' zu sein, bzw. die gesellschaftliche Tendenz sehr schlanke Frauen* als wenn auch nicht unbedingt die Norm dann doch als Ideal zu propagieren. Diese Bild wurde dann auch entsprechend kommentiert: "Wer fährt denn schon auf solche Klappergestelle ab?!", "Das ist doch ungesund." und "Gruselig, da sieht man ja jeden Knochen". Problematisch wird es allerdings dadurch, dass hier ein Ideal gegen ein anderes ausgetauscht wird und die andere Seite geschmäht und lächerlich gemacht wird. Die Konsequenzen des Anderssein lasten hier dann eben auf den Schultern der schlanken Frauen*. Während es im medialen Main Stream, bzw. auf der Straße, dann doch die dickeren Frauen* sind. Wieder wird bewertet welche Körper 'gut' und welche 'schlecht' sind, statt Diversität zu akzeptieren und zu zelebrieren. Wieder zeigt sich, dass es okay und normal ist, den Körper von Frauen* zu bewerten, bzw. ihren Wert nach Äußerlichkeiten zu bestimmen und sie so zu objektivieren. Woher wissen wir denn, dass die Frauen* in der ersten Reihe an Essstörungen leiden und nicht 'natürlich' schlank sind? Vielleicht ist ihr Körpergewicht niedriger, weil sie dadurch mehr Cover, mehr Rollen, mehr Aufmerksamkeit bekommen und weil ihnen ihr Management im Nacken sitzt. Oder auch nicht. Und wer sagt uns, dass die Frauen in der unteren Reihe nicht auch dem Ideal ihrer Zeit entsprachen? Und vielleicht auch nicht unbedingt so aussahen, weil das ihr Wunschkörper war?

Es gab viele Blogger, die sich sehr kritisch mit dem oben genannten Meme auseinander gesetzt haben. Exemplarisch sei hier mal der Artikel bei der Mädchenmannschaft genannt (sicher gibt es noch mehr, aber ich bin schlecht mit bookmarken und auch nicht so 'drin' in der deutschen Blogosphere). Am Ende des Artikels findet sich ein Link zu diesem Bild:

"Wann wurde das ... heißer als das? Wurde es nicht. Sie sind alle wunderschön." Quelle: whirligigagogo.wordpress.com

Dieses Poster ist weit inklusiver als das erste Meme, da hier verschiedene Körpertypen als gleichwertig schön präsentiert und beurteilt werden. Wie einigen Kommentatoren des Mädchenmannschaftsartikels, geht mir dieses neue Poster nicht weit genug. Klar, es sind nun alles Frauen* einer Ära und es sich auch 'Women of Color' dabei. Ein Fortschritt keine Frage. Aber all diese Frauen* sind unter 50 (?), keine älter, alle wirken gesund, keine ist offensichtlich behindert, keine ist dick, keine ist ungeschminkt, alle tragen ‚sexy’ Klamotten, und schätzungsweise 100% sehen nicht so aus, wenn sie Samstags nach einer Partynacht vom Postboten um 8.00 Uhr aus dem Bett geklingelt werden. Bzw. wahrscheinlich auch nicht, wenn man sie im Discounter um die Ecke trifft. Sie werden also ebenfalls idealisiert dargestellt.

Jeder Mensch durchläuft nach seiner Geburt einen Prozess der Sozialisierung, bei dem bestimmten Werte und Normen in unsere Körper eingeschrieben werden und Teil des Rasters werden mit dem für uns die Welt begreifbar wird. Wenn wir immer wieder mit Bildern konfrontiert werden, die Frauen auf eine bestimmte Weise darstellen, werden diese normalisiert und zur Norm an der wir uns messen. Problematisch wird es wenn mensch dieser Norm nicht entspricht, was wenn mensch anders ist? Natürlich hinterfragen die meisten von uns diese medial simulierte Realität und den ungefilterten Effekt des Patriarchats und natürlich weiß jeder, auch ich, dass die wenigsten Frauen* diesem Ideal entsprechen können und das selbst bei vermeidlich perfekten Supermodels noch per Photoshop nachgeholfen wird. Aber manchmal hilft alles kognitive erkennen nichts gegen die kleine Stimme in meinem Unterbewusstsein, die anmerkt, wo meine 'Unzulänglichkeiten' liegen und die mich immer wieder mit anderen vergleicht. 



Maybe some of you have noticed that in contrast to other blogs in the boobosphere there is no post about ‘Big/ Small / Medium boobs are beautiful’ on our blog. That’s not because we don’t like boobs or do not find them beautiful but because we try to avoid evaluative descriptions. The primary purpose of our blog is to help people to feel comfortable in their bodies, no matter what it looks like or can/ cannot do.

Maybe you have seen this meme flowing around social media websites and blogs:
Original source unknown
On first glance, this picture seems to be a form of protest against the glorification of skinniness and slimming, in other words society’s tendency to present very skinny women* if not as the norm but as the ideal. When ever I see the image pop up somewhere, that’s not a feminist outlet, the comments are similar: “Whose into that kind of thing?”, “That’s unhealthy.” or “Creepy, you can see every bone.” What is problematic about comments along these lines is that one ideal is simply exchanged for another and the other side is ridiculed and bodyshamed. The consequences of being othered are then suffered by skinny women* while in main stream media or on the streets it's bigger women*. Again, there is judgment on which bodies are ‘good’ and which are ‘bad’, instead of accepting and celebrating diversity. Again, it seems to be okay and normal to judge women*’s bodies, respectively evaluating someone based on looks and thus to objectify them. How do we know that the women* in the first row suffer from eating disorders and aren’t naturally skinny? Maybe there body weight is lower because it allows them to get more covers, more roles, more attention and maybe there management is making them? Maybe, maybe not. Maybe it’s something else. How do we know that the women* in the lower column do not conform to the ideal of their times? Maybe they are looking the way they do, without that body looking the way they want?

There have been numerous bloggers who critically engaged with this meme (if you have a great link, please leave it in the comments). In one of the articles on feminist German blog ‘Maedchenmannschaft’ there is a link to the following meme that has been mentioned a couple of times elsewhere:

Source: whirligigagogo.wordpress.com

This is much more inclusive then the first meme, as we see different body types being presented as equally beautiful. However, as some of the commentators on the article at Maedchenmannschaft have pointed out this doesn’t go far enough for me. Sure, there are now women* from the same era and there are Women of Color. Progress, no doubt. But all these women* are below 50 (?), none older, all seem healthy, not one of them seems to be disabled, none is fat, all wear make-up, all wear sexy clothes and approximately 100% do not look like that when the mail courier rings their doorbell at 8 AM after a night out. Maybe not even when you meet them at your local supermarket. Again they are presented in an idealized way.

Every person after birth undergoes a process of socialization, in which certain norms and values are inscribed in our bodies and which in turn form of lens though which we perceive and filter the world. If we are time and time again confronted with pictures that present women* are certain way, this way becomes normalized and thus the norm we measure ourselves again. But what happens if you don’t conform to the norm, if you are different? Of course we all most of us challenge this media simulated reality and the unfiltered effect of patriarchy and of course, everybody knows that only very few women* conform to this ideal and that even supposedly perfect supermodels are ‘enhanced’ by Photoshop. But sometimes this conscious knowledge looses the fight against that nagging little voice in the back of my head, that compares me to others and criticizes the features of my body relentlessly.

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D/E Brüste in der Presse Teil I/ Boobs in Media Part I

For English below...

Ich bin eine treue Leserin von Jezebel, einer feministischen Pressewebsite. Viele der Artikel dort regen zum Nachdenken an, sind amüsant oder stillen mein Verlangen nach Klatsch und Tratsch. Nur leider haben die guten Journalisten dort keine Ahnung vom Fitting. Es gab so einige Artikel, die ihr Unwissen zur Schau stellten, aber dieser hat mich doch am meisten aufgeregt: Danke Deutschland für deine eindrucksvollen Berichterstattung über die größten Brüste der Welt.

Der Artikel verweist auf einen anderen 'Artikel' auf der Website der BILD, der den schönen Titel Weltkarte der Brüste trägt. Natürlich ist der Artikel alles andere als ernst zu nehmen und der dazugehörige Blogpost auf BILDblog.de zeigt auch, dass das so faktisch nicht richtig ist, denn es gibt keinerlei empirische Erhebungen zu dem Thema. Aber statt darauf hinzuweisen, dass 
a) es gar keine Möglichkeit gibt so etwas ernsthaft zu vergleichen, da nicht alle Länder diese Daten erheben, bzw. die meisten Frauen ihre richtige Größe nicht kennen; 
b) die Erklärung, dass sich die Größe aus dem Verhältnis von UBB und Körbchen ergibt, zwar richtig ist aber ein Unterschied von 12-14 cm keineswegs einem A-Körbchen entspricht oder 
c) es auch Quellen gibt die sich ernsthaft mit Fitting auseinandersetzen und Tipps zum Thema geben, wird die BILDzeitung dafür gescholten, dass sie ihre (über) 3 Millionen Leser nicht mit qualitativ hochwertigerem Journalismus versorgen. Gute Güte, es ist die BILD und diese sind nicht gerade für ihren Publitzer-Preis verdächtigen investigativen Journalismus bekannt. Komisch wird es erst recht, wenn BILDblog behauptet, dass "(d)ass Skandinavierinnen und Russinnen sogar Brüste vor sich her tragen sollen, die im Durchschnitt (!) "größer als D-Körbchen" sind, lässt vermuten, dass die gesamte Karte einfach nur ausgedacht ist." Nöh, das ist wahrscheinlich versehentlich näher an der Realität dran als alle anderen Aussagen zum Thema Busengröße, die den Artikeln herumschwirren.

Ich kann gar nicht genau sagen, warum mich das so aufregt. Vielleicht weil ich solche Artikel in der BILD erwarte aber nicht von Jezebel? Wir alle wissen, dass viele Menschen keine Ahnung vom richtigen Sitz eines BHs haben oder ihre/ die Größe ihrer Mitmenschen nicht realistisch einschätzen können. Aber sollte nicht ein Magazin wie Jezebel, dessen Zielgruppe eindeutig Brustträger_innen sind und sehr viel Wert darauf legt keine Körperform auszugrenzen und zu diffamieren, mehr Ahnung von diesem Thema haben?


In English please, 



I am an avid reader of Jezebel, a feminist media outlet. And while there are many thought-provoking pieces (and yes, gossip), they clearly have no idea about brafitting. There have been several articles showcasing that, but one that really stroke me as bizarre was this one: Thanks Germany for your Hard-Hitting Coverage of the Biggest Breasts in the World

The article refers to another 'article' on German newspaper Bild's website Map of Boobs, which is quite ridiculous, of course. However, instead of pointing out that there is
a) no empirical basis to make a comparison like that;
b) the sizing advice is awful --> a difference of 12-14 cm between band and cup size equals an A cup or
c) that there are websites actually talking about brafitting, they scold Bild for toying with their responsibility to bring good journalism to its daily 3 Million readers. Good riddance, it's Bild. They are not know for their hard-hitting investigative journalism, but sensationalism and populism. For you Brits out there, it's closest to the Sun in tone and content. Hilariously, they point out that BILDblog.de, which critically engages with Bild and is not affiliated with it, has shown "that (Bild's suggestion that) Scandinavians and Russians carry breast around that are on average (!) 'bigger than a D-cup' suggests that the whole map is made up" (my translation). Nope, that's probably accidentally closer to the truth then anything else in the article.

I can't even say, why this upsets me as much as it does. Maybe because I expect such 'articles' from Bild but not from Jezebel? Sure, it's a common mistake to have no clue about bra-sizing and most people have some misperceptions about the issue, but shouldn't a journalistic outlet that explicitly caters to those with boobs and takes great care to abstain from body-shaming, be more aware of bra sizes?


Comments:


george:
Diese Weltkarte der Brüste macht auch gerade wirklich die Runde, oder? Furchtbarer Blödsinn, aber gut "Titten-Themen" verkaufen sich halt immer. *augenroll*
Ich hatte jetzt aber Jezebel eher unter "Mainstream-Frauenblog" eingeordnet - so wie nicht ganz so affirmative Frauenzeitschriften. *grübel* Na, da muß ich mir die Seite wohl noch mal genauer angucken. :D

Miarose:
Oh nein, das ist definitiv nicht mit so Sachen wie der Brigitte oder Glamour zu vergleichen. Es ist schon eher im Mainstream-Feminismus zu verordnen. Sie machen sehr viel momentan zu 'women's rights'. 
 Mona:
Ich habe vor einiger Zeit aufgehoert Jezebel zu lesen, wegen schlechterer Recherche etc. Vielleicht kann ich Euch The Hairpin empfehlen? 

Miarose:
Danke für den Tipp, das werde ich mir gleich mal näher anschauen.

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I'm a fookin' Rocket Scientist!

So, die Nörgelwoche ist zwar rum, aber kopfmäßig stecke ich immer noch an ein paar Punkten fest...

Echt beeindruckt hat mich die Beliebtheit des Kondom-Postings - wurde sogar bei der Mädchenmannschaft verlinkt. Wow. o.O (Sehr gefreut hab ich mich übrigens auch über das allgemeine Lob der Faserpiratin in ihrem Beitrag Busty Girl Problems. Daanke!)

Vor allem habe ich aber noch recht lange über die Einwände zu meiner Einschätzung des Agent Provocateur-Videos nachgedacht und darüber, wie eine systematische Analyse meiner Probleme damit aussehen könnte. (Weil es doch recht lang geworden ist, gibt es den Text erst nach dem "Jump")

Nur ganz kurz vorneweg: Selbstverständlich will ich nicht dieses eine Video als Wurzel allen Übels ausmachen - es gibt viele schlimmere Darstellungen; und wie noch niemand Amok gelaufen ist, nur weil er zu viele Egoshooter gespielt hat, so wird auch das eine Video niemanden zum Hardcore-Sexisten oder Vergewaltiger machen. Allerdings bilden solche Produkte die Spitze eines Sexismus-Eisbergs und eines Klimas, in dem Frauenkörper als verfügbar und objekthaft konstruiert werden. 

Bei Frauen kommt das auch so an - wie man an der Sache mit dem Tausch von Intelligenz gegen größere Brüste sehen kann. Da die Aufmerksamkeit, die man von Männern bekommt, häufig an ein sexuelles Interesse gebunden ist, ist offensichtlich für viele die logische Konsequenz, sexier, attraktiver, schöner sein zu wollen.

Ich meine, wie verrückt kann man sein, Intelligenz gegen optische "Verbesserung" eintauschen zu wollen? Umgekehrt würde ich mich noch drauf einlassen (kleinere Brüste, mehr Intelligenz. :D) - aber so? Damit reduzieren sich Frauen doch selbst auf ihre Funktion als Sex-Objekt?!

Neben dem Umstand, daß unter Anerkennung dieser 'Wahrheit' über das Geschlechterverhältnis unglaublich viel Zeit, Geld und Arbeit auf ein möglichst perfektes Aussehen verwendet werden muß, heißt das auch, das man platonische Freundschaften mit (heterosexuellen) Männern recht kategorisch ausschließt (bei der Gelegenheit übrigens eine Empfehlung der Friendzone-Rants von 'Paula') - irgendwie ist das furchtbar anachronistisch und echt traurig, oder?

Gar nicht phallisch gemeint sondern titelbezogen:
NASA Magnum Booster Rocket
Assoziiert habe ich übrigens zu der Intelligenz vs. Brüste-Entscheidung einen Charakter aus der britischen TV-Serie Misfits (eine Art Parodie auf Heroes): Kelly ist eine der fünf 'Misfits', die zur Strafe für kleinkriminellen Vergehen Sozialarbeit leisten müssen; durch ein Gewitter bekommen einige Menschen, u.a. die besagen fünf, auf mysteriöse Art und Weise Superkräfte, was zu allen möglichen Verwicklungen führt.
Kelly stammt aus der Unterschicht, ist extrem prollig (Chav-Stereotyp) und tough und - wie ich finde - eine ganz gute Identifikationsfigur. Komplexe, eigenständige, weibliche Charaktere sind ja leider auch heutzutage (fast 17 Jahre nach Xena und 15 Jahre nach Buffy) nicht allzu häufig zu finden.

In der dritten Staffel hat Kelly eine neue Superpower, die einen herrlichen Kontrast zu ihrem sonstigen Auftreten bildet - sie ist, wie sie es selbst so schön sagt "a fookin' Rocket Scientist", also eine Raumfahrt-Ingenieurin... Das will ich auch werden, wenn ich groß bin. ;-)
Video-Tribut an Kelly
(Achtung, Staffel 3-Spoiler!)



Habt ihr auch weibliche Identifikations-/
Lieblingsfiguren aus TV-Serien?

- Post-Jump-Text -


Nachtrag zum Agent Provocateur-Video
Ich denke auf einer sehr grundlegenden Ebene stört mit die globale Sexualisierung von Frauenkörpern - und zwar in einer Art und Weise, in der Frauen nur noch als Körper, als Objekt der Lust in Erscheinung treten und nicht als Subjekt. Die Kameraeinstellung, die Pose, der Gesichtsausdruck drücken meist irgendwas zwischen zwischen f*ck oder fütter mich aus. (Btw: Becky von Busts4Justice hat kürzlich den leeren Blick der Victoria Secrets-Models bemängelt.)

Wenn man sich kulturelle Produkte (nicht nur Werbung, sondern auch Mainstream-Filme) ansieht, dann stellt man fest, daß Frauen häufig einzig und allein die romantische (Handlungs-)Motivation für den Helden des Filmes darstellen. Man sieht selten Frauen als Akteurinnen, als Handlungsträgerinnen, als irgend*jemand*, der nicht in erster Linie erotisch besetzt ist, sondern individualisiert wird, jemand der im Plot als vollständige Persönlichkeit auftreten darf.

Mit der Verobjektivierung der Frauen entsprechend regelmäßig auch eine Opferrolle einher - nicht nur in fiktiven Zusammenhängen (vgl. dazu bspw. das Feminist Frequency-Video: Tropes vs. Women - The Woman in the Refrigerator), sondern eben auch der Realität. Die Mädchenmannschaft (wie oft hab ich die Website diese Woche verlinkt?!) berichtete neulich von einer Studie dreier Neurologinnen aus Princeton und Stanford, die belegt, daß es durchaus eine Korrelation zwischen der Tendenz einer Objektivierung von Frauen gibt, wenn sie sexualisiert dargestellt werden: From Agents to Objects: Sexist Attitudes and Neural Responses to Sexualized Targets (ca. Von Akteurinnen zu Objekten: Sexistische Einstellungen und neurale Reaktionen auf sexualisierte Darstellung von Frauen | Link zur Studie als PDF | Link zum Beitrag bei der Mädchenmannschaft).

Nun begibt man sich mit solchen naturwissenschaftlichen Abhandlungen auch recht schnell auf glattes Eis - im Endeffekt will man ja auch keine Minirock-Argumente bestätigen. Aber unter Vorbehalt einer vorausgehenden gesellschaftlichen Prägung der Sichtweise, reflektieren solche Studien natürlich die Problematik einer Darstellung, die eben vorwiegend nicht über Aktivität, Individualität, Autonomie usw. funktioniert, in Konsequenz nicht mit der Repräsentation von Männlichkeit vergleichbar ist.

Guckt man sich das Agent Provocateur-Video nun unter diesem Gesichtspunkt der Subjektivität an, dann stellt man schnell fest, daß es hier zwar zweierlei Formen von Objektivierung gibt - auf der einen Seite zum Opfer und auf der anderen zur Schaufensterpuppe - aber keinerlei echte Akteurinnen, im Sinne von Handlungsträgerinnen. Sämtliche Frauen werden einfach ganz klassisch unter dem Aspekt ihres erotisierten Körpers ausgestellt. Und dazu kommt dann noch die sehr deutliche Implikation sexualisierter Gewalt.

Ein Freund schickte mir gestern den Link zu einem Beitrag, in dem erklärt wird, weshalb die Advertising Standards Authority (offensichtlich sowas wie unser "Werberat") den Vorwurf - den ich teile - , das Video sei "verstörend und misogyn" zurückweist. Die Begründung lautet daß zwar "einige Zuschauer einige der Szenen geschmacklos finden könnten", aber "die höchst stilisierte Natur und der klar fiktionale Gehalt des Videos sprächen dafür, daß es unwahrscheinlich sei, daß der Großteil der Zuschauer es auf eine Art interpretierten, wie es die Beschwerde nahelege". Entsprechend seien Clips dieser Art "nicht erniedrigend für Frauen und es unwahrscheinlich, daß sie ernsthaft oder verbreitet als beleidigend aufgefaßt würden."

Agent Provocateur beteuert derweil, daß das Video schließlich keinerlei (sic!) Gewalt gutheiße. (Zitat: 'Stressing that the clip "did not condone violence in any form"...') Äh ja...

In eine ähnliche Richtung gingen die Einwände per Kommentar (zu meinem Ursprungsposting) von Kati , daß das Video ja eigenen Neigungen korrespondieren könne und damit subjektiv unproblematisch sei. Wenn man also (wie ich) davon ausgeht, daß sexuelle Vorlieben nichts sind, auf das man rationalen Zugriff hat und sich daher einer "moralischen" Bewertung entzieht, verändert das was an meiner Einschätzung des gezeigten Inhalts?

Ich würde sagen nein, und zwar mit folgender Begründung.
Klar, gibt es Menschen mit Vergewaltigungsphantasien, die die Darstellung von nichtkonsensualem Sex in einem fiktivem Produkt (eigene Vorstellung, Geschichte, Film, whatever) anturnt. Das ist sogar recht verbreitet. Im besten Fall kann man sich aber gezielt aussuchen, ein solches, pornographisches Produkt zu konsumieren, indem man nach Stichworten sucht, Triggerwarnungen und Disclaimer liest etc. pp. 
(Ich finde es übrigens auch ziemlich problematisch, daß viele Mainstreamfilme sexuellen Mißbrauch zeigen, ohne darauf irgendwo gesondert hinzuweisen und ich kenne viele Frauen, die damit ein wirklich riesiges Problem haben.)

Es gibt auch Menschen in der BDSM-Szene (zu der sich die Kommentatorin zurechnet), die auf einer konsensualen Ebene solche Phantasien ausagieren. In einer solchen Situation kann dann auch ein Nein als Ja definiert werden (und ein Nein z.B. als Regenschirm) - das ändert aber nichts an der sonstigen Allgemeingültigkeit von Nein. Gerade im Kontext von BDSM gibt es, aufgrund der spezifischen Wünsche, ein erhöhtes Bewußtsein für Kommunikation und Einvernehmlichkeit.

Im Fall Vergewaltigung fallen Realität und Phantasie so weit auseinander wie nur irgend möglich! Das eine hat mit dem anderen nichts, wirklich nichts gemeinsam! Sexuelle Übergriffe sind eben nicht ausschließlich eine erotische Vorstellung, sondern für viele Frauen (und auch einige Männer) realer und traumatischer Teil ihrer Erfahrungswelt.

Und da sind wir genau an dem Punkt, an dem ich eine Darstellung, wie sie Agent Provocateur gewählt hat, einfach schwierig finde: das Video ist eben nicht primär auf Lustgewinn gerichtet, also pornographisch, und natürlich richtet es sich nicht heimlich an Lesben mit SM-Hintergrund. Es soll als Werbeclip für ein Mainstreampublikum funktionieren, also für ganz normale Frauen und Männer, die vorwiegend Vanilla-Sex praktizieren. Die Version, die mir zugezwischert wurde, war im Youtube-Channel des Männermagazins GQ gepostet (und wird dort eifrig kommentiert - mit sowas wie "I was scared stiff... so to speak :-)" oder "and now... LICK IT"). In diesem Kontext eröffnet sich ein Bild von Erotik via Wäsche, das ich als geprägt von Gewalt gegen und Objektivierung von Frauen empfinde. 

Um noch ganz kurz auf den Einwand einzugehen, wie es wäre, wenn man die Sado-Maso-Zombies durch einen (Hetero-)Mann (oder mehrere) ersetzen würde - ob es das noch schlimmer machte.
Ich denke, daß das in dem narrativen Stil gar nicht funktionieren würde. Dazu sind die Unterwäschemodels zu deutlich ferngesteuert. Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, wie das Video noch funktionieren würde, wäre wenn das Slasher-Film-Moment aufgegeben und die Opferrolle männlich besetzt würde. Tatsächlich würde das die Hierarchie soweit umdrehen, daß das Video vielleicht einigermaßen erträglich wäre.

So... ich glaub das war's jetzt... Demnächst wieder was zum Thema Bra Fitting. ;-)


Nachtrag: So macht man das mit dem Plastik...


Comments:
  • tongueincheck
    Kelly ist mein Lieblings-Charakter. :-)
  • george
    Jaaaa, sie ist sooo cool. B)
  • MiaRose
    OT Spoiler: Bei dem Post hätte ich ja gedacht, dass du Alishas originale &#039Gabe/Fluch&#039 erwähnst. Wobei ich nie verstanden haben warum Kelly sich vom Powerbroker so eine Kraft gewünscht hat. Oder warum der dumme Nathan nur 2000 Pfund für UNSTERBLICHKEIT bekommen hat. Aber gut, ich habe die dritte Staffel auch noch nicht geschaut.
    Ich habe so mit fast allen weiblichen Figuren im TV so meine Probleme. Ganz übel finde ich momentan die Frauen in The Walking Dead. Aus der Luft gegriffen würde ich allerdings sagen, dass Buffy ganz gut wegkommt, trotz der Sex-->Strafe Korrelation und Daenerys aus A Song of Ice and Fire, mal sehen wie das bei Game of Thrones weiter umgesetzt wird.

  • george
    Oh ja, the Walking Dead... Lori könnt ich ja erschlagen! Ich bin schon drauf und dran einen Anti-Lori-Club zu gründen.

    Apropos Game of Thrones... *geht mal was twittern*

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Frauentagsambivalenz...

Heute morgen weckte mich eine gut gemeinte SMS einer Freundin, die mir einen "kämpferischen Frauentag" wünschen und "solidarische Grüße" überbringen sollte. Reflexartig zuckte meine skeptische Spock-Augenbraue... Dieser Tag ist also schon wieder, stöhnte ich innerlich und zog mir die Bettdecke über den Kopf.

Wahrscheinlich geht es mir wie den meisten Frauen -  ich fühle mich mit diesem "feierlichen Anlaß" nicht so richtig wohl. Nicht weil ich glaube, daß es sich dabei um ein Relikt aus der Steinzeit handelt, das angesichts der vollständig durchgesetzten Gleichheit von Männern und Frauen obsolet geworden wäre. Eher weil sich der Tag (wie alle diese Gedenk-/Info-und Awareness-Daten) besonders gut dazu eignet, das Problem der realen Ungleichheit den Rest der Zeit auszublenden; zumal es ja nicht mal um einen konkreten Punkt geht, der ins Bewußtsein gerückt werden soll, so wie es etwa der Equal Pay Day (dieses Jahr der 23. März) versucht.
Nein, es geht um "unsere Situation als Frauen" - insgesamt und das ganze Jahr über, weltweit, durch alle Classes, Races, Mileus, Orientierungen und was weiß ich. Nur halt schön konzentriert auf den einen Tag. Da wird dann zur Frauenrechten und Gleichstellungspolitik geschrieben, vorgetragen, demonstriert und gepostet, was das Zeug hält. Damit man morgen wieder zum Tagesgeschäft übergehen kann - und über Hardcore-Emanzen lästern, die den Hals nicht vollkriegen (Solln se doch mal zufrieden sein mit dem was se schon erreicht haben!), Vorurteile pflegen (Frauen sind nun mal mehr so... emotional.), Frauenquoten blöd finden (Die schließen ja Männer aus!) und Mario Barth womöglich lustig (Ist doch nicht ernst gemeint!).

Wobei für viele heute wohl nur der Tag ist, an dem frau im Supermarkt (Verzeihung: Kaufhalle), vom Chef oder von irgendwem anderen eine Blume geschenkt bekommt. (Jaja, ich bin ein assimilierter Wessi in Ostberlin. Eine geduldete Schwäbin quasi. Wobei ich nicht mal aus Schwaben komme... egal! Zurück zum Thema...)

Nun finde ich es ja schon auch irgendwie charmant, wenn man Gratulationen von Menschen bekommt, deren DDR-Sozialisation plötzlich wieder spürbar wird. (Man sieht sie direkt als kleine Pioniere vor sich. Wie süß!. ;-)) Der internationale Frauentag war schließlich ursprünglich mal eine genuin sozialistische Angelegenheit (bei Interesse: Wikipedia-Eintrag lesen!). Aber so richtig-richtig ernstgenommen fühle ich mich dabei trotzdem nicht.

Noch weniger von angedockten Konsumangeboten à la "Treat yourself with fancy lingerie" (=Verwöhne dich selbst mit chicer Unterwäsche)... Gleiches gälte dann ja auch für andere Frauen-Konsumartikel wie Lippenstifte, Handtaschen, Stöckelschuhe, eine Kitchenaid oder Tampons (haha). Betty Draper läßt grüßen...
Happy (!) International Women's Day halt. 

Kurzfristig habe ich überlegt, ob ich mich ein bißchen lustig machen soll und dazu aufrufen, heute lila Unterwäsche anzuziehen... aber damit bin ich wohl einfach zu spät dran. Nächstes Jahr dann...

[Ironie] Besonders schön finde ich übrigens auch die Herangehensweise von Familienministerin Kristina Schröder - die macht heute offiziell gar nix zum Thema Frauen. Außer den "Spitzenväter"-Preis zu verleihen. Ist ja auch unglaublich großzügig, bei den Kindern daheim zu bleiben, während die Ehefrau Karriere macht. Das ist schon eine Auszeichnung wert... [/Ironie]

Irgendwie habe ich eine Meckerwoche. Trotz frühlinghafter Stimmung. Ich hoffe mal, die schlechten Vibes nerven euch noch nicht total?! Ich übe mich jetzt mal in positivem Denken und versuche dem Event was abzugewinnen und vielleicht noch ein bißchen was zur Geschichte nachzulesen.

Was sind so eure Gedanken zum 8. März?


Beim Thema bleiben...  Heute: Internationaler Frauen(kampf)tag 2012  bei der Mädchenmannschaft (Nicht nur dort natürlich.)



Comments:

  • Meine Gedanken zum achten März? Mein Freund hat Geburtstag, sonst nichts ;) Da bin ich auch ganz unemanzipert und stelle meine "Rechte" heute zurück und stell mich in die Küche um was tolles für ihn zu kochen ;)
  • Ich habe gesprochen, hugh!

    Ich denke, du hast gut abgedeckt, was ich mir bei solchen "Awareness" Tagen oft denke - morgen ist ja alles wieder paletti und außerdem: Diese Frauen immer, extra Tage brauchen&#039s! Was ist mit uns armen Männern...Gott, ich höre schon meinen Ex-Lehrer, wie er über Stellenausschreibungen jammert, wo "bevorzugt" weiblich drinnen steht - omgz wie diskriminierend.

    Dass die Welt aber seit jeher männlich perzipiert wird, ist ja vollkommen - jetzt kommt&#039s - normal. Dass nicht mal Krankheitssymptome für beide Geschlechter gleich sind, man aber von einem Standardpatienten ausgeht, der natürlich männlich ist, ist doch nur Feministenhysterie.

    Es widert mich an, dass es 2012 immer noch nicht möglich ist, "Menschen" zu beschäftigen, nicht extra "Frauen", die gleich mal im Jahr Tausende Euro weniger verdienen, alleine der Tatsache wegen, dass sie ihre Reproduktionsorgane intern tragen.

    Aber Gott sei&#039s gedankt gibt&#039s den Weltfrauentag!

    ...ah, ich steigere mich rein. Sorry ;)
    My recent post Review: Burt’s Bees Tinted Lip Balm

  • george
    Bitte nicht fürs Sich-Reinsteigern entschuldigen! (Ich bin ja eine große Freundin des Meckerns, Nörgelns und Schimpfens!)

    Des weiteren: Zustimmung! :D
  • Leni
    Hm, manchmal nervt mich die ganze Debatte wirklich, da hab ich das Gefühl, manche nörgeln nur aus Fleiß an jeder Kleinigkeit rum (nicht dass damit du gemeint bist). Aber als ich heut einen Artikel über die "Spitzenväter" gelesen hab, hab ich mich auch extrem geärgert. Einmal wurde eine Vorzeigefamilie vorgestellt (der Mann hat sieben Kinder, drei davon Pflegekinder, einen Hund, eine Katze, einen Job als selbstständiger Seelsorger und eine Frau die Krankenschwester ist. Wirklich bewundernswerte Leistung, aber wieso verdient er mehr Ehrung als seine Frau?) und ein alleinerziehender Vater (seine dreijährige Tochter heißt Zora-Fee, wenn das mal nicht Gefährundung des Kindswohls ist).
    Ich glaub ich lass mich jetzt auch schwängern und nenn mein Kind Heinz-Kobold, mal schauen wieviele Preise ich bekomme.

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Best of: Frauenfeindliche Werbung der letzten Zeit

Quelle
Sex sells. (Seit gestern unglaublich viele Klicks für mein Kondomgrößen-Posting bekommen. Dankeschön. Ist ja auch ein wichtiges Thema!) 
Seximus aber offensichtlich auch, sonst gäbe es nicht so viel bescheuerte Werbung. Nachdem ich in letzter Zeit einen guten Teil meiner Freizeit mit der Diskussion von wirklich bodenlosen Kampagnen verbracht habe, hier mal ein "Best of"...

Den Anfang machte ein Clip von PETA, die ja bekannt sind für geschmacklose Reklame (ich sag nur: "der Holocaust auf deinem Teller"), in dem man eine Frau sieht, die wirkt als wäre sie verprügelt/vergewaltigt worden - sie trägt eine Halskrause und nur Unterwäsche unter ihrem Parka. Während sie sich eine Treppe hochschleppt, wird sie von schräg unten gefilmt, so daß man ihr verrutschtes Höschen sehen kann. Der Grund für ihren Zustand ist aber kein Mißbrauch, sondern daß ihr Freund neuerdings Veganer ist und es seither bringt wie ein "tantric Porn-Star". Äh... ja. Sieht voll chic und einvernehmlich aus, was die beiden da machen. Und sie bringt ihm sogar noch Nahrungsmittelnachschub, während er das Loch in der Wand zugipst, das dadurch zustande kam, daß er sie beim Vögeln, Verzeihung Geschlechtsverkehr - vorher wiederholt mit dem Kopf dagegengestoßen hat. 
Sorry Leute, das ist nicht kinky, das ist Körperverletzung!

Boyfriend went vegan:
Mehr Infos:  


Dann gibt es die allgegenwärtige Axe-Werbung zur Weltuntergangsprophezeiung, die mit so reizenden Sprüchen aufwartet wie "Prüf sie mündlich", "Such dir ne Stellung als Missionar" oder auch sehr schön "Egal was sie trinken will - besorg's ihr" - was nicht nur bei mir Assoziationen zu Date-Rape-Geschichten weckt. Aber hey, wenn schon die Welt untergeht, dann "Mach das Beste draus".
Der zugehörige Werbeclip wirkt gegen die Posterkampagne direkt harmlos - ein Mann baut eine Arche, besprüht sich großzügig mit dem beworbenen Deo und schon kommen die Frauen in Scharen angetrabt. 


Das letzte "Highlight" in der Gruselreihe bildet ein Werbespot der EON-Tochter "E wie Einfach":
Neben dem rassistisch/homophoben Gut-Drauf-Sein und dem etwas fragwürdigen Widerstand (ältere Dame haut einen scheinbaren Nazi-Skin - nachdem der auf den Boden gespuckt hat. Was sagt das jetzt über die - antifaschistische? - Motivation aus?! Eben! Im übrigen ist auch nicht jeder Skinhead ein Nazi.) gibt es noch Einfach-Einschlafen, in dem ein Typ seine Freundin per 'Head-Butt' ausknockt, weil sie sich beschwert, nicht schlafen zu können... Ja, wirklich!
Die Firma hat den Clip mittlerweile wieder zurückgezogen und die MacherInnen ihre Verwunderung darüber ausgedrückt, daß ihn manche Leute (zu?) ernst genommen haben. Tja. 


Siehe dazu auch die Beiträge bei der Mädchenmannschaft: E WIE EKELHAFT: Gewaltverherrlichender Werbeclip und "Du hast den Witz einfach nicht verstanden."

Ich bin wirklich entsetzt, was alles so als "witzig" durchgeht...

Passend zum Thema: or ein paar Tagen entdeckte ich bei Venusian Glow den Link zur ganzen Version von Killing us softly. Advertising's Image of Women von Jean Kilbourne. Wenn ihr euch erinnert, ich hatte vor ein paar Monaten schon mal den Trailer dazu gepostet und kann wirklich empfehlen, sich den ganzen Film anzusehen:  Teil 1 auf Youtube | Teil 2 auf Youtube
Es gibt natürlich auch ein paar Punkte, an denen ich nicht hundertprozentig einverstanden bin, aber das meiste, was so gesagt wird, finde ich recht einleuchtend.



Und, kürzlich auch beinahe in die Tischkante gebissen vor Wut?

Kommentare nach dem Jump.


Comments:

  • es ist wirklich schlimm ... manchmal frage ich mich ob wir nach vor oder zurück gehen?!?! das schlimme ist, dass die "junge generation" (u20) sich scheinbar von dieser werbung angesprochen fühlt ... schade! denn andere frauen haben hart dafür gekämpft (ich bin keine kampf-emanze, aber alleine der gedanke, dass ich für gleiche arbeit, weniger bezahlt werde, weil ich eine frau bin, bringt mich dazu mehr als nur in die kante zu beissen vor wut) lg aus wien
    My recent post amu - für ana

  • george
    Hallo nach Wien, divine deFine. *wink*

    Naja, ökonomische Krisen bringen auch immer einen kulturellen Roll-Back mit sich (das spricht für die Rückschrittlichkeitsthese). Andererseits denke ich mir, daß einem das Ausmaß von Diskriminierung von Frauen auch erst mal bewußt werden muß; ich sah das mit 20 auch deutlich lockerer als jetzt und ich kenne viele Frauen, die erst in einem langsamen Prozess erkannt haben, daß ihre subjektive Selbstwahrnehmung ("ich bin doch schon voll emanzipiert") sich nicht mit der objektiven gesellschaftlichen Situation deckt. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit, nimmt also dieser Theorie nach die kämpferische Stimmung mit dem Alter zu. So zumindest meine Hoffnung.
    B)

  • Danke für diesen Beitrag!!!! Von dem E-Spot war ich besonders geschockt!!! Wie ekelhaft ist das denn bitte?! Und welch Unversämtheit dass man unterstellt, man hätte den Witz nicht verstanden...wer kommt denn dabei auf die Bezeichnug "Witz", woah, da könnte ich mich ewig aufregen!
    Kennst den TV-Spot von dieser "Diet" Limonade? Da pfeift der Vater der schlanken Mutter im Bikini nach und wenn das noch nicht erniedrigend genug wäre, sagt der kleine Sohn: "Ist schon gut Papa, wir finden Mama auch ganz toll" (seit dem sie die Abnehmlimo trinkt) gruselig! Nicht nur Männer (Ehepartner) finden schlanke Frauen besser, nein sogar die Kinder haben nun Mitspracherecht. Leider finde ich die Werbung nirgends...

    BTW: Endlich konnte ich deinen Blog abbonieren/bzw. erreichen, k.a. was da immer los war.
    My recent post [Review] p2 Mattify Your Lips


  • george
    Die anderen Werbeclips von diesem E-Dingens sind ja auch... befremdlich. Aber das mit dem Bewußtlosschlagen ist schon ein starkes Stück.

    Ich hab ja keinen Fernseher, deswegen bin ich bei solchen Sachen eigentlich nie so richtig up-to-date. Insofern, keine Ahnung von der Diätlimo. Klingt aber auch schon wieder heftig. GNARF. *zähnefletsch*

    Was die Frage mit dem Blog angeht... merkwürdig. Hast du es über den Link bei den Busenfreundinnen versucht? Da hatte ich nämlich bis vor kurzem eine Weiterleitungs-URL drin...
  • An der Axe Arche Werbung ist noch nichtmal das schlimmste das die Frauen angelaufen kommen, sondern der "zwei von jeder Art" Gedanke dahinter… zwei Blondinen, zwei Asiatinen, zwei Latinas, zwei dunkelhäutige... DAS finde ich wirklich bedenklich :-/

    Die Peta und die E Werbung kannte ich zum Glück noch garnicht o.O Echt heftig wie die die Männer damit zu ermutigen ihren Frauen Gewalt anzutun… Aber auch heutzutage denken leider noch vielzuviele Männer, dass in der Ehe/einer Beziehung, das "Nein" einer Frau auch mal umgangen werden darf…
  • george
    Siehste, das Zweierdings hab ich direkt ausgeblendet. Offensichtlich funktionieren meine "Filtermechanismen des Grauens" noch ganz hervorragend... o.0

    Die Verharmlosung von "häuslicher" Gewalt, indem man sie ins Lächerliche zieht, geht wirklich gar nicht... ich meine, meistens schluckt man ja ne Menge, aber irgendwie wird&#039s mir gerade wirklich zu bunt. Vor allem wenn es in der Kombi mit der Aussage kommt, daß Männer jetzt ja qua Beckhams Werbekampagne für Hanni und Manni auch ganz schlimm sexualisiert werden würden... :x (>> Das ist doch jetzt der Kotzsmiley, oder?!)
  • You are on a roll, girl!
    Selbst im akademischen Umfeld (oder gerade dort) höre ich oft, ach die Werbung blende ich doch aus, das nehme ich gar nicht wahr, ich bin doch nicht doof, das glaube ich doch nicht wirklich. Über das was man unterbewusst wahrnimmt wird gar nicht nachgedacht. Was natürlich gar nicht stimmt, denn der Großteil der Botschaft wird unterbewusst wahrgenommen und verarbeitet. Ich erinnere mich noch an eine Diskussion über Disney&#039s Princesses (herrliche Website btw.) und ihren Rollenfunktion, in der mir an den Kopf geworfen wurde, dass doch sogar ein Kindergartenkind weiß, dass das nicht die Realität ist ...
    Außerdem hat Feminismus insbesondere bei Frauen unter 30 wirklich einen schlechten Ruf und wird oft mit militanten Second-Wavern verbunden. Ich habe schon mit PolitikstudentInnen darüber diskutieren müssen, dass Gender und Queer Studies kein verschrobener, abgehobener Scheiß sind, sondern einen wichtigen Beitrag leisten, um den heteronormativen Diskurs zu stören.

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"Busty girl problems"... und die Bra Fitting Community

«Paula» von den Puzzlestücken hat mir gestern einen Link zugezwitschert: Busty Girl Problems ist eine Reihe von Comic-Strips, gezeichnet von der Blogbetreiberin Rampaige, die einige Probleme illustrieren, die man als großbrüstige Frau so hat oder haben könnte... Einige davon finde ich recht amüsant, andere eher traurig. Naja, gemischt eben.
Neben den Bildern gibt es noch Fragen und Antworten zu großen Brüsten bzw. passenden BHs. An einigen Punkten fühlte ich mich natürlich auch direkt bemüßigt, einen Kommentar zu hinterlassen. Leider ist Tumblr als Microblog nicht gerade kommunikationsfördernd; die Beiträge, zu denen ich gerne ein paar Worte gesagt hätte, konnte ich nur "mögen" (via Facebook natürlich *augenroll*).

Busty Girl Comics ist ein US-amerikanischer Blog, der an die englischsprachige Boobosphere offensichtlich noch nicht angedockt hat, so daß die Beiträge noch etwas von der desolaten Lage der Brafitting-Unaufgeklärten widerspiegeln.Wenn jemand beispielsweise eine Bademoden-Lösung in den Größen 38DD (=85DD) und M/L als Unterteil sucht, dann rollt sich bei mir direkt das Maßband in der Tasche auf... Das klingt nach einem klassischen Fall von "gefühlter Größe" und nicht nach einer realistischen Einschätzung der tatsächlich benötigten (aka gefitteten) - DD ist das größte bekannte Cup (aka Pam Anderson-Möpse). In der Kombination mit einem Unterbrustband 85, was soweit mir bekannt, etwa mit Konfektionsgröße 42 übersetzt wird, ist das dann das größte Cupvolumen, das man im Standard-Handel so finden kann.

Eine gefittete Größe 38DD oder 85E entspräche übrigens der mittelgroßen Brust einer etwas umfangreicheren Dame und vielleicht einem gefühlten B-Cup. Gefühlt soll heißen, nach dem gängigen (buchstabenphobischen) Vorurteil, daß ein A-Cup kleine Brüste bezeichnet, ein B-Cup mittlere, ein C-Körbchen bereits große, D sehr große und alles darüber ist quasi riesig. Ein H-Cup als "gefühlte Größe" entspräche dann etwa einer Lolo Ferrari-Brust; ein gefittetes H-Körbchen wird meist eher als DD/E-Cup interpretiert.
Na, ihr kennt die Story ja... (Wer masochistisch veranlagt oder auf der Suche nach einem Brechmittel ist, kann sich zum Thema "gefühlte Größen" und sexistische Vorurteile noch mal das extrem widerliche Bra-Meter reinziehen, das erklärt A=Almost Boobs, B=Barely Boobs, C=Can't Complain etc.)

Jedenfalls wäre eine Frau, der 38DD paßt, nicht außergewöhnlich busty - und die Frauen, die sie vermutlich zu größten Teilen tragen, dürfte, nach allen Erfahrungswerten, das Unterbrustband deutlich zu weit und das Körbchen wohl zu klein sein... [Zum Thema Buchstabenphobie vgl. MiaRoses gleichnamigen Blogbeitrag.]

Nicht zuletzt aus diesem Umstand - des rutschenden, drückenden, pieksenden, ganz und gar nicht sitzenden BH - resultiert für viele Frauen ein Gefühl von Unbehagen mit dem eigenen Körper. Man ist in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, die Brüste quellen bei heftigeren Bewegungen aus dem Körbchen oder sie wackeln einfach so unkontrolliert vor sich hin. (Wie in den Comics mit den zwei Sport-BHs oder den Flugzeugturbulenzen illustriert.)

Ich habe ja schon an mehreren Stellen erwähnt, daß ich Bra Fitting für eine genuin feministische Angelegenheit halte. Passende BHs sind für Frauen, völlig unabhängig von ihrer jeweiligen Figur, ein großer Schritt auf dem Weg zu körperlichem Wohlbefinden und zur Selbstakzeptanz. Es geht dabei gleichermaßen darum, sich mit dem eigenen Körper anzufreunden wie auch darum, ein Verständnis für die Probleme anderer Frauen zu entwickeln, also die eigene Perspektive zu erweitern. Bra Fitting ist dabei nur ein Moment in einem Gesamtkonzept eines liebe- und respektvollen Umgangs mit der realen Unterschiedlichkeit von Menschen und einer anti-normativen Positionierung gegen Zwänge, Ideale und Diskriminierungsformen.

In diesem Kontext ist die Aufklärungsarbeit von Brafitting-Interessierten auf der ganzen Welt auch als Kampagne für female Self-Empowerment zu verstehen und kann gar nicht genug angepriesen werden. Leider trennt uns ja eine Sprachbarriere von den Frauen in Polen oder in Großbritannien und den USA (bzw. allen anderen Nicht-Englisch-Muttersprachlerinnen, die auf Englisch bloggen), so daß der Austausch nicht besonders rege oder sehr einseitig ist. Das finde ich nach wie vor ärgerlich, denn die Community ist ja immer noch sehr klein und aufgrund der Sprach-Sache auch noch zusätzlich geteilt. Ich habe mich aber im Frühjahr recht bewußt dafür entschieden, auf Deutsch zu schreiben, weil es bis zu dem Zeitpunkt noch gar keinen deutschen Bra Fitting Blog gab und ich das als Ergänzung zu den Busenfreundinnen sinnvoll fand.

Denocte von den Kurvendiskussionen hat ja damals lustigerweise genau zum gleichen Zeitpunkt wie ich einen BH-Blog gestartet und sie führt gerade eine kleine Umfrage durch, ob es Bedarf an einer zusätzlichen englischen Version ihrer Beiträge gibt... ich prophezeihe ja, daß es den gibt. ;-) Die Frage ist nur immer, ob eine solche Übersetzung oder zumindest Zusammenfassung leistbar ist.

Tja, ihr seht schon, ich komme gerade mal wieder vom hundertsten ins tausendste... Schlußbemerkung nun also: Wenn ihr gute Blogs/Seiten kennt, die noch nicht in den D&D-Links oder Blogrolls gelistet sind, laßt mir doch die URLs zukommen! Ich freu mich immer über Links.
Und: Schaut doch auch selber mal bei den ganzen tollen Blogs meiner Blogroll vorbei - ggf. kann man fremdsprachige Seiten auch mit dem Google Translator halbwegs verständlich machen!

Wie findet ihr die Comics? 
Lest ihr regelmäßig andere Bra Fitting Blogs?

Comments:
  • Ein klasse Beitrag! Die &#039Busty Girl Problems&#039 kannte ich schon und stimme dir da auf ganzer Linie zu. Ich befürchte die Dame bräuchte einfach mal ein gescheites Fitting.
    Für die Blogroll: Lingerieaddict!
  • george
    Dankeschön. :)

    Lingerie-Addict ist schon bei den Links dabei (unter kommerzielle Lingerie Blogs) - ich hab nur keine eindeutig kommerziellen Blogs in die Brafitting-Blogroll aufgenommen, weil die dann ständig die ersten Plätze belegen, vgl. meine andre Blogroll. (Außer, ähem, *räusper*, Brastop. Aber die eigentlich wegen der Gastbeiträge von UK-Bloggerinnen und der BH-Reviews...)

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