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FAQ: Wie vermesse ich meine Brust?

In der Regel werden zur Bestimmung einer BH-Größe  zwei Meßwerte gefordert: einmal soll unter der Brust gemessen werden, indem man das Maßband relativ straff zieht, und dann noch einmal  locker an der umfangreichsten Stelle über der Brust (im BH).

Theoretisch setzt sich also jede BH-Größe aus zwei Faktoren zusammen: der Unterbrustbandweite (also dem Brustkorbumfang) und der Körbchengröße (dem Volumen der Brust). Die Idee dabei ist, daß man die Bandweite direkt 1:1 vom Brustkorbumfang ablesen kann, d.h. 75cm Umfang = 75 UBB, und daß die Körbchengröße sich dann aus der Differenz zwischen (Über-)Brustumfang und Unterbrustumfang ergibt, z.B. 94cm – 75cm = D-Körbchen.

Das ist auch der Grund, weshalb eine Körbchengröße nur in Verbindung mit dem Unterbrustband aussagekräftig ist: eine 65D ist beispielsweise drei Größen kleiner als eine 80D (sowohl im Cup als auch im Unterbrustband!).

Auf dieser Form der “Berechnung” aus zwei Werten basieren die meisten Tabellen und Größenrechner, die man im Netz so findet. Wenn es so einfach wäre, wäre ja alles prima, aber: [Spoiler] so einfach isses halt nicht.

Wenn man genauer hinsieht, dann wird es schon theoretisch schwierig, wenn die Zahlen nicht so glatt sind – welche BH-Größe wäre nun bei 73/95 die richtige? Und welche bei 77/93? Und praktisch blamiert sich diese “Berechnung” meistens völlig. So müßte ich z.B. soetwas wie eine britische 36 (80) FF tragen oder eine europäische 85G. Tatsächlich brauche ich aber eine 32 (70)J!

Im folgenden versuche ich mich an einer Erklärung, warum das so nicht funktioniert. Wem das jetzt zuviel theoretisches Rumgelaber wird >> hier geht's zum Fazit

skizze2



Die Problematik mit dem Messen 'an sich'

Problematik No 0:
Ganz unabhängig vom Messen gibt es kein für alle BHs einheitliches Größensystem, auch wenn Maßtabellen etwas anderes suggerieren. Am konsistentesten hat sich bisher das von den meisten britischen Marken verwendete System erwiesen, d.h. hier fallen BHs verschiedener Marken tatsächlich einigermaßen gleich aus, so daß sie zum Bra Fitting deutlich besser taugen als die sog. "europäischen Marken". Das schon mal vorneweg.

Problematik No 1 ist das Unterbrustband:
Hier stellt sich ziemlich schnell heraus, daß ein 75er Band für einen 75er Brustkorbumfang in der überwältigenden Mehrzahl aller Fälle a) bereits im Ruhezustand zu weit und b) auch noch zusätzlich elastisch ist. Die unterstellte Gleichsetzung von Meßwert und Bandweite funktioniert schon mal nicht.

Problematik No 2 ist der Brustumfang:
Eigentlich liegt es schon auf der Hand, daß aus einem Umfang ein Volumen bestimmen zu wollen irgendwie schwierig sein muß. Ein Mensch ist ja keine geometrische Figur. Nyad hat dazu in der Anfangsphase von drüber & drunter mal einen Beitrag verfaßt, der ganz gut illustriert, wo die Probleme liegen: Warum zwei Maße nicht ausreichen

Man sieht daran schon, daß die Meßergebnisse unterschiedlich zu gewichten sind: die Volumenbestimmung ist deutlich problematischer als das Ermessen des Unterbrustbandes – das eine ist ein theoretisches Problem, das andere eher ein praktisches; d.h. während die Korrelation zwischen Brustumfang und benötigtem Körbchenvolumen und dann noch sehr stark unterschiedlich ausfallenden Cups als Laie schlecht herzustellen ist, kann man bei der Bandwahl relativ leicht mit einbeziehen, daß BHs weiter ausfallen. Dazu muß man keine größeren theoretischen Überlegungen anstellen. Ein Band dehnt sich in der Regel um die 10, 15 Zentimeter, d.h. wenn man herkömmlich 75cm Unterbrustumfang mißt, kann man je nach Brustgröße auf jeden Fall ein 70er oder ein 65er Unterbrustband probieren. (Achtung: das bezieht sich jetzt nicht auf eine Meßung nach BF-Standard aka “so eng wie möglich”)

Zum Vermessenwerden im Fachgeschäft
- ein Qualitätsmerkmal für die Beratung?

Gegen das Ausmessen des Unterbrustumfangs kann man erst mal nicht viel sagen, sofern der Meßwert nicht 1:1 übertragen wird. Allerdings sprechen da auch meine eigenen Erfahrungen gegen die Verwendung eines Maßbandes: Als Brafitterin habe ich das mit dem Unterbrustumfang vermessen ein paarmal versucht, allerdings fand ich es für alle Beteiligten eher unangenehm - man  muß an die Person, die man vermißt, sehr nah herangehen und um sie herumgreifen, wobei sie entweder nur einen BH anhat oder gar keinen. Das empfand ich sehr stark als Eindringen in persönlichen Raum. Gleichzeitig muß man auch darauf achten, daß das Maßband dort entlang läuft wo es soll, plus, man kann gar nicht so dolle anziehen, weil man ja einer völlig fremden Person keine Schmerzen zufügen will. Ergo muß man vom eher locker gemessenen Ergebnis dann noch einige Zentimeter abziehen; zu einem solchen Ergebnis kommt man in der Regel auch über Augenmaß.

Wenn dagegen “live” (also in einem Geschäft) versucht wird, die Körbchengröße mit einem Maßband zu bestimmen, deutet das nicht unbedingt auf besonderes Know How hin. (Euphemismus) Gerade bei kleinen oder großen  Brüsten ist das Volumen oft nicht ‘ermeßbar’.

Als Frau ohne (theoretischen) Brafitting-Hintergrund ist das natürlich erst mal nicht bekannt. Ganz im Gegenteil gilt das Vermessenwerden quasi als “Non Plus Ultra” des BH-Anpassens und deswegen wird man als Live-Fitterin auch ganz oft von Frauen gefragt, ob man sie vermessen könne – den Zahlen wird dabei eine geradezu magische Qualität zugesprochen, was angesichts des undurchschaubaren, ja willkürlichen Wirrwarrs von Größen auch irgendwie verständlich ist. Das Dumme ist nur, daß sich zwischen Werten und Größe kein zwingender Zusammenhang herstellen läßt; die Wahrscheinlichkeit daß die Größe eines passenden BHs einen besseren Anhaltspunkt gibt, ist deutlich höher als daß man aus Meßwerten die richtige Größe eskamotiert, ableitet.

Es ist selbstverständlich nicht völlig unmöglich – die Frage ist nur, warum man in einem BH-Geschäft das Pferd so dermaßen von hinten aufzäumen sollte: wenn es ein einigermaßen ordentliches Sortiment gibt, kann man die richtige Größe doch viel leichter durch Ausprobieren finden. Es ist ja so, daß man beim Bra Fitting mit Konfektionsgrößen arbeitet und nicht - wie die deutsche Übersetzung BH-Anpassung suggeriert - maßanfertigt. (Ich denke, daher kommt die Idee bzw. das Mißverständnis mit dem Vermessen hauptsächlich).

Interpretation der Meßwerte und Online-Beratung

Hat man kein Fachgeschäft vor Ort und ist auf eine Beratung und eine Bestellung im Internet angewiesen, sieht die Sache natürlich gleich ganz anders aus. Die Brafitterinnen bei den Busenfreundinnen haben deswegen über die Jahre ein System ausgeklügelt, das Erfahrungen unterschiedlicher Größenbereiche mitberücksichtigt und daher ganz passable Ausgangsgrößen ergibt. 

Diese Ausgangsgröße ist dabei allerdings auch nur eine Schätzung, die sich meist aufs britische Größensystem bezieht (das einzige einigermaßen einheitliche, das uns bekannt ist, siehe Bemerkung oben und vgl. auch Lost in Translation) – ein Startpunkt von dem aus man sich zur richtigen Passform (optimale Kombination aus Größe und BH-Schnitt) vortasten kann.

Also auch bei den Busenfreundinnen wird nicht mit der Kristallkugel die einzig wahre Größe prophezeit sondern nur das gemacht, was eine Offline-Brafitterin auch tut: eine mehr oder weniger akurate Einschätzung abgeben, von der aus man dann per Trial & Error die eigentliche Suche beginnt.

Vielleicht ist es einleuchtender, mal wieder einen Schuhvergleich zu ziehen (ich liebe Schuhvergleiche!): man könnte alle Füße nach spezifischen Eigenschaften aufschlüsseln, bevor man sich ans Schuhe kaufen macht (und wer sog. “Problemfüße” hat, der*die muß das in der Regel auch tun): wie lang sind die Füße im Verhältnis zur Breite, wie hoch ist der Spann, wie dick die Fessel, wie sind die Zehen angeordnet etc. pp. Statt dessen geht man normalerweise in einen Laden (oder ist mutig und bestellt im Netz) und probiert. Mehr oder weniger unermüdlich in den üblichen Schuhgrößen (bspw. zwischen 40.5 und 39.5) bis man etwas gefunden hat, das paßt. Mit guter Beratung geht es evtl. schneller, aber ums Probieren kommt man nicht herum.

Dazu sagen müßte man vielleich auch noch, daß zur theoretischen Problematik der Interpretation der Werte auch noch ganz banal dazu kommt, daß es keine objektiven Standards für Meßwerte gibt. Als ich relativ frisch bei den Busenfreundinnen gelandet war, hab ich mich natürlich auch vermessen - und dann ein paar Wochen später Aqua (die Gründerin und Administratorin) persönlich getroffen und die hat meine Werte, vor allem die Unterbrustwerte, noch mal ganz ordentlich korrigiert. > D.h. Meßtechniken sind auch erst mal sehr individuell. Gerade wenn man selber mißt, ist es schwierig auf alles gleichzeitig zu achten: leere Lungen, volle Lungen, daß das Maßband gerade verläuft, an welcher Stelle man es ansetzt etc. 

Also, lange Rede, kurzer Sinn: Fazit

★ Wenn man die Möglichkeit hat, sich durch mehrere Größen durchzuprobieren ist das dem Messen immer und unbedingt vorzuziehen!

★ Wenn man bereits einen halbwegs passenden BH hat, ist es sinniger, sich durch eine Checkliste zu hangeln, um festzustellen wo die Probleme liegen (z.B. hier auf dem Blog: Woran erkenne ich ob ein BH paßt?  oder bei Lace.de)

★ Leider sind viele Marken scheinbar nicht in der Lage, Größen zu produzieren die mit denen anderer Marken vergleichbar sind. D.h. es kann gut sein, daß man je nach Marke völlig unterschiedliche Größen braucht.

★ Wenn man zur Inspiration, zum Vergleich oder aus Neugier eine Einschätzung haben möchte, die auf Meßwerten beruht kann man sich nach der Anleitung der Busenfreundinnen vermessen und
1. die bereits erfolgten Beratungen durchsuchen (Hier wird erklärt wie das geht: Alternative zur Erstellung eines Erstberatungsthreads)
2. einen Erstberatungsthread erstellen (Bitte nicht einfach aus Spaß, sondern nur wenn man’s ernst meint)
oder 3. die Daten in die SizeEmApp einfüttern. (Ein recht fortgeschrittener BH-Größenrechner von Ana und Vee, zwei BraFitting-Geeks aus Kroatien, wenn ich das richtig verstanden habe. Ach ja... die internationale "Boobosphere" ist schon toll.)

So, ich hoffe, mein Geschreibsel war einigermaßen überschaubar und mein Punkt ist einigermaßen rübergekommen: Don't trust the Tape Measure!

Bra Fitting ist trotzdem kein Buch mit sieben Siegeln. Man kann es auch einfach umdrehen und feststellen, daß es viel einfacher ist, sich mit einem Passformleitfaden durchzuprobieren.


Wie steht ihr zum Messen? Seid ihr skeptisch oder eher Anhängerinnen der Zahlen? 

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Sieben-Punkte-Plan: Einen BH richtig anziehen...

Kürzlich fiel mir auf, daß wir eine essentielle Frage des Bra Fittings auf dem Blog bisher nur angerissen haben - die Frage wie man einen BH richtig anzieht. Meist haben wir einfach auf einen Thread bei den Busenfreundinnen verwiesen, der das Thema recht erschöpfend behandelt hat. Leider ist der Beitrag im Zuge des Umzugs der BHlogie ins Brawiki auf seine Ursprungsform zusammengekürzt worden und alle Zusatzinformationen sind verloren gegangen. (Aktuelle Version: Wie ziehe ich einen BH korrekt an.)

Ich (persönlich) finde die übrig gebliebene Anleitung nicht so besonders praktikabel, daher werde ich hier eine überarbeitete Version meines Gegenvorschlags posten.
Womit ich nicht sagen will, daß es einen einzig und alleinig glücklich machenden Weg gibt, einen BH richtig anzuziehen - wichtig ist, daß hinterher alles da sitzt wo es hinsoll. Betrachtet meinen Beitrag also einfach als weitere Inspiration für eine eigene Routine. :)

Vorneweg zur Sache mit dem Brust ins Körbchen schütteln:
Das Schütteln gilt quasi als der Geheimtip, wie man seinen BH 'sophisticated' anzieht. Allerdings ist eines der größeren Probleme beim BH-Anziehen die Reibung. Haut neigt dazu, gerade wenn die Brüste nicht superstraff sind, auf dem Stoff kleben zu bleiben. Meinen Erfahrungen nach funktioniert das "Brust in den BH schütteln" ab einer gewissen Größe bzw. auch bei eher weichen Brüsten mit viel Haut nicht so gut. Während feste, straffe Brüste oft von alleine an Ort und Stelle rutschen ist bei weicherem Gewebe und weicher Haut mehr Sortier-Arbeit nötig. (Einfacher ist das BH-Anziehen daher auch, wenn die Haut trocken, also nicht mehr feucht vom Duschen oder fettig vom Eincremen ist.)


BH-Anziehen: Sieben Punkte-Plan
     1. Den BH schließen. Entweder vorne und dann drehen oder hinten, ohne die Träger schon über die Schultern zu streifen. (In der Taille ist es einfacher)
Anmerkung zum BH-Drehen:
Viele Frauen können einen BH nicht im Rücken schließen. Wenn das auch ohne Träger über den Schultern nicht funktioniert, ist Umdrehen natürlich die einzige Möglichkeit. (Beim Probieren von Online-Shop-Bestellungen wäre allerdings zu beachten, daß das Band so stark strapaziert wird und sich Hautschuppen abrubbeln können. BHs vor evtl. Zurücksenden also mit feuchtem Tuch abtupfen!)
Ein totales No-Go ist, die Körbchen von unten nach oben hochzuklappen; also den BH mit Körbchen nach unten anzuziehen, dann umzudrehen und dann erst den Stoff über die Brüste stülpen. Das mag bei ungefitteten BHs mit zu weitem Band noch nicht zu schlimm sein, aber bei einem passenden BH mit entsprechend engem Unterbrustband kann der Druck auf die Bügel dazu führen, daß das Metall durchbricht.
    2. In die Träger schlüpfen und den BH nach oben ziehen.
    3. Brust ins Körbchen heben:
    Mit der linken Hand das linke Körbchen an der Außenseite festhalten.
    Dann mit der rechten Hand über den Cuprand/unter dem Träger durch ins linke Körbchen ans Brustende greifen und die Brust richtig ins Cup heben.
    4. Aus den Achseln scharren:
    Prüfen ob sich noch Gewebe hinterm Bügel befindet. Indikator dafür ist oft eine breite Brustbasis oder auch ein seitlich auslaufendes Brustgewebe, das nicht klar ausdefiniert ist. Gegebenfalls dann wie bei Punkt drei noch mal hinter den Bügel greifen und das Gewebe mit einer streichenden Bewegung, dem sog. Aus-den-Achseln-Scharren (siehe Video) nach vorne holen.
    Tasten, ob sich wirklich die ganze Brust im Körbchen befindet, ist aber gerade beim ersten Anprobieren eines neuen BHs wichtig!
    5. Und noch mal!
    Die ganze Prozedur noch mal für die andere Brust wiederholen. 
    6. Am Körbchenrand zuppeln. 
    Den BH am Körbchenrand mit beiden Händen links und rechts neben dem Träger etwas nach oben ziehen, so daß der Bügel wirklich direkt unter der Brust liegt - nicht darauf und auch nicht darunter. Ihr könnt euch das ein bißchen wie ein Einrasten vorstellen. Wer mag kann auch am Körbchenrand noch zur Mitte hin, also den Stoff über die Brust ziehen.
    Achtung: viele Frauen ziehen den BH am Schluß wieder nach unten statt nach oben. Dadurch wird der ganze Einsortiereffekt zu nichte gemacht! Also bitte darauf achten: der Bügel muß direkt unter die Brust!
      7. Steg freiräumen.
      Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Steg an diesem Punkt immer noch nicht zwischen den Brüsten anliegt. Um herauszufinden, ob das Körbchen paßt, sollte man daher mit Zeige- und Mittelfinger an die Innenseite der Brust fassen und sie einfach nach außen ziehen, so daß sie gut ins Körbchen ineinrutscht. Dort sollte die Brust dann natürlich idealiter auch bleiben. Sofern das der Fall ist, ist die Einsortier-Aktion erfolgreich abgeschlossen.
         
      So sollte das Ergebnis aussehen:
      aka Merkmale eines gut sitzenden BHs

      • Das Unterbrustband verläuft parallel zum Boden. (Darauf achten, daß es nicht zu hoch im Rücken sitzt!)
      • Das Unterbrustband ist angenehm fest und kann nur wenige Zentimeter vom Körper weggezogen werden. Es trägt das Hauptgewicht der Brüste! (Achtung: viele BHs geben schon nach kürzerem Tragen etwas nach. Deswegen sollte man nicht zu bequem kaufen. Aber bitte auch nicht übertreiben!)
      • Der Steg liegt an, d.h. die Bügel in der Mitte liegen flach zwischen den Brüsten auf dem Brustkorb auf.
      • Die Brust paßt komplett ins Körbchen und quillt nicht oben über den Rand. Der Übergang zwischen Brust und BH ist unter einem T-Shirt nicht zu erkennen.
      • Das Körbchen wirft keine Falten im oberen Bereich. Da dies in jeder Liste aufgeführt wird, schreibe ich es auch mal dazu. Aber Vorsicht - es könnte sich auch um einen BH-Schnitt handeln, der nicht richtig zu deiner Brustform paßt. Relevante Faktoren zur Beurteilung des BHs sind hier u.a. auch Bügelbreite (vgl. hierzu das Phänomen Orange im Glas), die Trägerlänge und das richtige Anziehen!
      • Der Bügel umschließt die gesamte Brust: er liegt also nicht außen, unterm Arm auf dem Brustgewebe auf. Gleichzeitig sollte er auch nicht zu weit vom Brustende entfernt sein, da sonst Halt verloren geht.
      • Der Bügel liegt unter der Brust in der Brustfalte. Nur so kann der BH richtig stützen. Außerdem reibt so nicht mehr Haut auf Haut, was zu Irritationen und Entzündungen führen kann.
      • Die Träger halten die Brüste nicht, sondern formen sie nur. Sie sollten weder rutschen noch einschneiden. Nebenbei: Mit der Trägerlänge kann man die Größe des Cups beeinflussen, durch einen längeren Träger kann man etwas Volumen zugeben, durch einen kürzeren wird das Körbchen etwas verkleinert. So können die meisten Asymmetrien ausgeglichen werden. (Die wenigsten Frauen haben exakt gleich große Brüste.)

      Weitere Tips zur Beurteilung der Passform gibt es im Beitrag Online-Shopping 101: Richtig anprobieren...
         

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      BH-Passform: Aber da ist doch noch Luft im Körbchen!

      Heute mal ein kurzer (!) Beitrag zur BH-Passform.
      Ich konnte schon häufiger beobachten, daß Frauen beim BH-Probieren skeptisch am Träger zupfen und dann, halb erleichtert, halb vorwurfsvoll auf ihre Brust deuten und sagen: Der BH ist zu groß, da ist ja noch Luft!


      Um den gewünschten Effekt zu erzielen, muß man sich evtl. etwas vorneüber beugen - daher meine erm, wenig ambitionierte Skizze.

      Nun passiert das sehr häufig in Fällen, in denen das Körbchen wirklich nicht zu groß ist, sondern einfach der BH-Schnitt nicht 100%ig mit der Brustform übereinstimmt.

      Soweit, so gut, aber heißt das nun, daß der BH nicht paßt?! Jein!

      Ein BH ist erst mal Konfektionsware, auch wenn sich um ein gut konstruiertes Modell handelt, das auf einem breiten Größenspektrum wie bspw. von 60D bis 85K angeboten wird. Dem Schnitt liegt dabei ein Konzept davon zugrunde, welche Eigenschaften eine Brust einer gewissen Größe durchschnittlich hat bzw. welche Merkmale eine möglichst gute Kompatibilität, also Anpassung an verschiedene Brüste ermöglichen. Jede Brust ist ja individuell, aber ein BH soll an möglichst vielen Brustformen gut passen.

      Für Luft im Oberkörbchen ist vor allem die Größe der Brustbasis ausschlaggebend, also die Fläche, auf der die Brust angewachsen ist. Zur Veranschaulichung ein Bild von Bratabase. Hier wird in erster Linie der Unterschied in der horizontalen Verteilung gezeigt - die eine Brust ist eher breit, die andere eher schmal.

      Bild von Bratabase: Wide vs. narrow root
      Dazu kommt aber noch die Verteilung nach oben; unter Umständen reicht eine Brust bis kurz unters Schlüsselbein. (Einfach mal Brust anheben und gucken, wo eine Falte entsteht.) Wenn man eine sehr große Brustbasis (oder viel Volumen im oberen Brustbereich hat), tendieren BHs oft zum Einschneiden. Damit das nicht zu schnell passiert, sind viele BHs eher großzügig geschnitten, so daß sie bei einer eher kleinen Brustbasis der BH entweder sehr bedeckend sitzen oder eben am Träger noch ein bißchen Platz ist. Gerade bei unelastischen Schalen-BHs, die sich der Brust gar nicht anpassen (entweder Brust und BH passen optimal zueinander oder die Brust paßt sich der Schale an - nicht umgekehrt), kommt es häufiger zu leeren Stellen.

      Solange das Körbchen aber im Obercup noch keine Falten wirft (was, sofern der Bügel ordentlich um die Brust herumreicht, vgl. Orange im Glas, ein Anzeichen für ein zu großes Cup ist), ist ein bißchen Luft am Träger verkraftbar.

      Was das Vorneüberbeugen angeht: Eine natürliche Brust bewegt sich - auch mit der Schwerkraft. Daher ist es ganz normal, daß man mit Vorneüberbeugen eine gewisse Leerstelle im Cup erzeugen kann. Ausschlaggebend für die Beurteilung der Passform ist eine 'normale Haltung', also gerade und nicht überstreckt stehen. Wenn da der Übergang zwischen Brust und BH glatt ist und sich nichts abzeichnet, ist alles in Ordnung.

      Generell sollte man sich selbst kritisch beäugen, was die eigene Erwartungshaltung angeht, die häufig den Blick auf die objektive Passform verstellt. Viele Frauen haben z.B. eine irrationale Angst vor den größeren Cup-Buchstaben (Buchstabenphobie) und hoffen daher, daß der anprobierte BH zu groß ist. Ggf. hilft dann, einfach noch mal eine Körbchengröße kleiner anzuziehen um festzustellen, daß die erste Größe doch schon ganz gut war.

      Im Zweifelsfall ist es immer eine gute Idee, sich noch einmal eine zweite (möglichst professionelle) Meinung einzuholen. Bspw. in der Galerie der Busenfreundinnen. 

      Soviel zum Thema. Ich hoffe, es ist einigermaßen klar geworden, was ich meine. Sonst bitte fragen. :)




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      Kleine Ethik des Wäschekaufs: Just a little respect...

      Ihr erinnert euch vielleicht  noch an meinen kleinen Roman von vor drei Wochen zum BH-Shoppen? Den eigentlich wichtigsten Punkt habe ich damals verschoben, weil ich nicht mehr das Gefühl hatte, ihn noch vernünftig unterzubringen: Respekt. 

      Zur Einstimmung aufs Thema, eine Runde Aretha Franklin:

      RESPECT von Otis Redding,
      gesungen von Aretha Franklin (1967)

      Eigentlich ist es seltsam, daß ich überhaupt das Bedürfnis verspüre über dieses Thema zu schreiben. Man möchte meinen, das sei doch selbstverständlich, daß man sich mit gegenseitigem Respekt begegnet. Leider ist dem nicht so, warum auch immer... meistens, so meine Einschätzung, hat es was mit Frustration zu tun.

      Regel 1 im respektvollen Miteinander ist meiner Meinung das Gebot

      Keine körpernormativen Aussagen!

      Wer bei den Busenfreundinnen rumhängt, weiß schon, was ein Redeverbot über die üblichen "Frauenthemen" also alles was mit Optik, Schönheit und vermeintlichen körperlichen Unzulänglichkeiten zu tun hat, ausmachen kann. Auf eine schon beinahe magische Art rücken die sonst allgegenwärtigen Gedanken in den Hintergrund und es entsteht eine Form von Freiraum. Und genau dieser Raum ist notwendig für ein entspanntes Einkaufserlebnis - und zwar auf beiden Seiten.

      Die meisten Frauen erleben den Besuch im Wäschegeschäft aus der Kundinnenperspektive und sind daher über eine Reihe schlechter Erfahrungen verbunden, aus denen eine besonders heraussticht: der Vorwurf 'komisch' zu sein. Wenn ein BH nicht paßt oder evtl. überhaupt nichts gefunden werden kann, was einigermaßen die richtige Größe hat, wird die Schuld häufig, wenn nicht sogar meistens, dem jeweils individuellen Körper gegeben nicht etwa dem Angebot.

      Je weiter man vom imaginierten 'Normalkörper' entfernt ist, desto dreister werden oft die Erklärungen, warum man nichts passendes im Angebot hat. Das reicht dann von "Eigentlich brauchen Sie doch gar keinen BH" über "Haben Sie's schon mal in der Kinderabteilung (sic!) versucht?" und "Das geht eben nicht besser bei Ihren Brüsten." bis hin zu "Ich würde Ihnen zu einer Brust-OP raten." oder "Sie sind einfach zu dick/zu dünn/haben zu große oder kleine Brüste für Ihren Körper."

      Das heißt, anstatt dem schlechten Körperbild vieler Kundinnen entgegen zu wirken, gießen Verkäuferinnen auch noch Öl ins Feuer. Das ist nicht nur moralisch bedenklich sondern auch unter Berücksichtigung von geschäftlichen Interessen ganz schön bescheuert. Mal ehrlich, wer kauft denn was in einem Laden, in dem man beleidigt wird?! Von der schlechten Publicity, die die ganze Sache noch zusätzlich nach sich zieht, mal ganz abgesehen!

      Also, oberste Regel für eine Verkäuferin sollte sein, keinerlei Kommentare zum Körper ihrer Kundin abzugeben, sofern sie nicht die Passform eines BHs betreffen. Also keine Röllchenphobie schüren, keine Presswurstkommentare, auch nicht, wenn eine Frau sich in zu kleine Höschen quetscht, weil ihr Selbstbild an der Konfektionsgröße hängt - das ist alles Geschmacksache und geht einen als Bra Fitterin einfach nichts an.

      Natürlich gibt es unter dem Gesichtspunkt Verletzlichkeit bzgl. Körpernormen eine recht klare Hierarchie beim Wäschekauf. Eine Verkäuferin ist in ihrer 'Homezone', einem Raum in dem sie sich auskennt, sie hat die Kontrolle über den Warenbestand, den Status einer Fachkraft und vor allem: sie  bleibt angezogen. Allerdings kann sie umgekehrt auch mit allerhand unfreundlichen Kommentaren bedacht werden. Einer meiner Lieblinge ist "Haben Sie auch normale Größen?"

      Also, wie bitte?! Normale Größen?!
      Die ganze Sache mit den normalen Größen und den Über- oder Untergrößen, das geht so einfach gar nicht. Ich meine, was sind denn das für Kategorien? Für Normal-, Über- und Untermenschen?

      Genauso ist es u.U. verletzend, wenn angenommen wird, Kompetenz hinge am eigenen Erfahrungshintergrund. Klar, macht es das vielleicht einfacher, aber eine Bra Fitterin kann sich doch nie hundertpro in andere Frauen reinversetzen, auch nicht, wenn man ungefähr die selbe Figur hat. Manche Frauen mögen Unterbrustbänder enger, manche weiter, einige sind empfindlich, andere wiederum nicht...
      Es gehört dazu, daß  man sich auf die Vielfalt einläßt - sonst kann man nicht gut beraten.

      Zweites Gebot: Allgemeine Höflichkeitsregeln einhalten!

      Auch hier: traurig, daß man das überhaupt sagen muß, aber offensichtlich ist das nicht so selbstverständlich. Frauen haben gerade untereinander eine Tendenz sich anzuzicken. Möglicherweise ist das eine Kompensation für die Ahnung, daß man gleichermaßen einer marginalisierten Gruppe angehört und darum darauf bedacht ist, möglichst weit oben in der Hackordnung zu landen. Wie dem auch sei, es kann nicht Ziel der Sache sein, eine Verkaufssituation in einen Machtkampf ausarten zu lassen. Weder ist die Verkäuferin ein Dienstmädchen, daß man nach Lust und Laune rumkommandieren kann (wir leben nicht mehr im Feudalismus and: This is not Downton Abbey!), noch ist eine Kundin ein unmündiges Sparschwein, das reglementiert und geplündert werden will.

      Drittes Gebot: Offenheit

      Niemand möchte gerne für blöd verkauft werden, ist doch ganz klar. Das heißt nicht, daß man ungefiltert sagen sollte, was man gerade denkt. (Siehe oben) Aber allgemein gesagt ist Lügen einfach nicht so cool. (Ja, ich weiß, das ist jetzt Kindergartenmoral) Es bringt nämlich niemanden wirklich weiter.

      Eine von den großen Problematiken beim Besuch von kleinen Geschäften und beim beratungsintensiven Wäschebusiness sowieso ist sich gegen das Primat des (Ver)Kaufs abzugrenzen. Ich bin sicher nicht die einzige, die einen großen Bogen um Boutiquen macht, weil ich nach einer Beratung immer das Gefühl habe, den Laden nicht verlassen kann ohne etwas gekauft zu haben. Umgekehrt ist es auch so, daß ein kleines Geschäft viel weniger Umsatz macht als eine Textilkette, in der man einfach in Ruhe gelassen wird (ob man möchte oder nicht ;-)), also auch auf jeden einzelnen Verkauf angewiesen ist.

      Was das mit Offenheit zu tun hat? Zum einen, muß man sich als Verkäuferin klar werden, daß es wenig Sinn macht, jemanden zum Kaufen zu drängen. Klar kann man damit auf die Schnelle Geld machen, aber längerfristig schießt man sich damit ins eigene Bein, denn eine zufriedene Kundin bekommt man so nicht. Daran hängt auch die ganze Sache mit der Einschätzung der Passform: Wenn ein BH nicht gut sitzt, kann man das auch sagen. Die Entscheidung, ob sie damit leben kann, liegt schlußendlich bei der Kundin. D.h. statt ein Lügenmärchen von der super Passform oder der nicht besser machbaren zu spinnen, kann man auch einfach sagen: "Mit den Modellen die ich zur Verfügung habe, bekomme ich kein besseres Ergebnis hin."

      Das bricht dann immerhin mit der Mär, daß es nichts besseres geben kann, als das eigene und beschränkte Sortiment hergibt. Niemand, auch nicht die best-informierteste Bra Fitterin, kann das ganze Angebot kennen. Man kann immer nur so gut sein, wie das Arbeitsmaterial das man zur Verfügung hat.

      Umgekehrt ist es allerdings auch so, daß es für die Verkäuferin schöner ist, wenn sie mit einer netten Formulierung darüber unterrichtet wird, daß man Zeit braucht seine Vorstellungen zu reevaluieren oder noch andere Optionen ausprobieren möchte, als mit einem Drama-Queen-Abgang konfrontiert zu werden.

      Respekt hat auch immer etwas damit zu tun, daß man sich in die Position der anderen Person reinversetzt und sie bis zu einem gewissen Grad toleriert/anerkennt - und sei es erst mal nur auf einem professionellen Level.

      Ein durchdachtes, nett formuliertes Feedback, das auch die eigenen Wünsche mitreflektiert, ist für beide Seiten die beste Art mit Mißerfolgen umzugehen. Längerfristig geht es ja auch darum, den Service und das Angebot in Fachgeschäften zu verbessern, so daß man als Kundin dort auch gerne hingehen kann.

      Soweit mein Wort zum Sonntag bzw. zur Ethik des BH-Kaufs. Ist auch schon wieder länger geworden als geplant, aber naja, mich kurz zu fassen ist einfach nicht meine geheimes Superkraft.

      Wie immer freue ich mich über Anekdoten und Anmerkungen. :)

      Cheers,
      george

      PS: Wie von Neeva angemerkt (Danke!) gehört zum Thema Respekt auch, nicht ungefragt angefaßt zu werden. Vgl. auch MiaRose's Beitrag, wie sie sich ein perfektes Bra Fitting vorstellt.

      Andere verwandte Themen sind die Entscheidungshilfen für den Online-Kauf sein: BH-Suche 101, zweiter Teil: Richtig anprobieren... und dritter Teil: Behalten oder nicht behalten?
      und natürlich der vorhergehende Beitrag Kleiner Leitfaden für den Besuch im BH-Fachgeschäft
       


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      Kleiner Leitfaden für den Besuch im BH-Fachgeschäft

      Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich bin so eine typische Online-Käuferin: mich durch das reale Angebot eines Ladens zu wühlen bis ich etwas gefunden habe, das mir zusagt, macht mir keinen Spaß. Klar, gehe ich alle paar Monate mal zu den üblichen Verdächtigen um mir ein paar neue Tops, Shorts, Leggings, Röcke und Accessoires zu kaufen, aber am liebsten würde ich vorher schon mal von Zuhause aus das Angebot auschecken und dann die Sachen per GPS-Anweisungs-App nur noch von den Ständern sammeln, eine Runde in die Umkleide und *uff* überstanden.

      Die MinimalistInnen unter den EinkäuferInnen, also Quickie-ShopperInnen wie ich habe eine Liste von Produkten, deren Kauf immer wieder der Horror ist – weil es so furchtbar lange dauert bis man etwas gefunden hat, das paßt und gefällt. Neben Winterjacken/-mänteln und Schuhen gehören dazu für mich wie für viele andere Frauen auch BHs.
      Der Kauf eines BHs, das ist etwas was man am liebsten aufschiebt bis es wirklich nicht mehr anders geht. Dann erst begibt man sich auf die – oft wenig aussichtsreiche - Suche nach einem neuen Begleiter für untendrunter. Und weil man BHs ja nun mal auch anprobieren muß, geht man zähneknirschend in einen Laden.

      Die meisten, die nicht das Glück haben mehr oder weniger in den Bereich der Wilden 13 zu fallen, also Unterbrustband 75-85 plus Körbchen A-D, führt die Kaufabsicht dann irgendwann auch mal in ein sog. Spezialgeschäft. Aber aufgepaßt, unter Umständen kann ein solcher Besuch bei der EinzelhändlerIn ganz schön unangenehm werden: nicht selten erwartet die ahnungslose Kundin in spe nicht nur eine schlechte Beratung und teure Ware, sondern auch noch eine respektlose und/oder unfreundliche Verkäuferin.

      Die Liste der Horror-Stories ist lang und wer sich dafür weiter interessiert, dem empfehle ich MiaRoses Beitrag Also, Sie sind doch eine 75C... oder den Thread “Was sagen die BH-Verkäuferinnen” bei den Busenfreundinnen. Doch allem wohligen Gruseln zum Trotz, allen Widerständen gegen die Unkontrollierbarkeit der Einkaufssituation und eventuell unangenehmen Erfahrungen rate ich dazu, sich dem Abenteuer zu stellen. Der Grund dafür ist ganz einfach der, daß ich es für wichtig halte, die eigenen Bedürfnisse mitzuteilen und dadurch ein stärkeres Bewußtsein für die Nachfrage und den Bedarf an ‘exotischen Größen’ zu schaffen. Gleichzeitig kann man tatsächlich auch Glück haben und eine ganz tolle Beratung bekommen. Also, no risk – no fun!


      Im Folgenden habe ich ein paar Tips gesammelt, wie man das Unterfangen BH-Laden-Besuch erfolgreich oder wenigstens unbeschadet übersteht.

      - Vorher anrufen
       Oft sind Webseiten von Dessousgeschäften (falls überhaupt vorhanden) wenig aussagekräftig. Es ist daher eine gute Idee, im Vorfeld einfach mal anzurufen, um herauszufinden, ob man bspw. einen Termin für die Beratung braucht, welche Marken und welches Größenspektrum angeboten wird – und, besonders wichtig, ob man es am anderen Ende der Leitung mit einer freundlichen, auskunftswilligen und kompetenten Person zu tun hat. Am besten macht  man sich eine Check-Liste von Fragen, die einen interessieren. 

      - Realistische Erwartungen bzgl. des Angebots
      Es ist ziemlich unwahrscheinlich, daß ein Laden einem alle Wünsche erfüllen kann. Das Angebot im Fachgeschäft ist mit dem großer Onlineshops oder auch der Modellvielfalt, die man von der Wilden 13 kennt, in der Regel nicht vergleichbar. Gegenüber dem guten Dutzend einer herkömmlichen Wäscheserie umfaßt eine britische Serie von 65D-85H bereits ganze 40 Oberteile, Unterteile nicht eingerechnet. Man kann sich vorstellen wie schnell man bei unglaublichen Warenmengen ankommt, wenn man für ein ordentliches Brafitting (also viele Größen) einkauft. Die Auswahl wird also entsprechend eher ‘pragmatisch’ sein: weiß, schwarz, beige wird am meisten nachgefragt, also auch am meisten ge- und verkauft. Ich weiß, daß das manchmal frustrierend sein kann, aber was hilft einem der schönste, bunteste BH wenn er nicht richtig paßt? 

      - Realistische Erwartungen bzgl. der Preise
       Kleine Läden/Marken machen nicht so viel Umsatz, ein gutes Sortiment ist groß und damit kostenintensiv und Beratung ist aufwendig. Das alles schlägt sich bisweilen recht deutlich im Preis eines BHs nieder. Wer ein Fachgeschäft besucht, sollte sich daher darauf einstellen, zwischen 50 und 80€ für einen BH zahlen zu müssen.

      - Eigene Vorstellungen und Kompromissbereitschaft reflektieren
      Je nachdem wie viele passende BHs man schon hat, sollte man seine eigene Vorstellungen und Kompromissbereitschaft überdenken – wo liegt der Fokus, was braucht man wirklich, braucht man überhaupt einen neuen BH oder hätte man gerne einfach einen, ist man offen für Änderungen am BH (z.B. Unterbrustbandkürzung), kann man sich ggf. auch mit anderer Farbe anfreunden (beige statt weiß oder schwarz statt dunkelblau?) usw.
      So kann man a) verhindern, daß man mit etwas den Laden verläßt, das man eigentlich gar nicht haben wollte und b) auch, daß man sich selbst zu sehr an Wünsche hängt, die evtl. nicht erfüllbar sind. Manchmal merkt man beispielsweise beim Anprobieren, daß auch in der richtigen Größe die Schnittform des Traum-BHs nicht funktioniert… Gleichzeitig bringt es ja auch nichts, einen perfekt sitzenden BH zu erwerben, den man so häßlich findet, daß man ihn nicht angucken kann. Andererseits ist auch immer zu bedenken: man trägt einen BH ja nur drunter und wenn er unterm Shirt toll aussieht, dann ist das ja auch was.

      - Sich darauf gefaßt machen daß man evtl. die falsche Größe trägt
      Die meisten Frauen tragen zu große Unterbrustbänder und zu kleine Cups. Die umgekehrte Variante ist sehr selten, kommt aber manchmal im Zuge einer Fitting-Euphorie auch vor. (Umgekehrte Buchstabenphobie) Ist aber IMO zu vernachlässigen. Also: keine Angst vor neuen Größen und exotischen Buchstaben! 

      - Sich informieren wie ein BH sitzen soll
      z.B. anhand des drüber & drunter Passform-Checks

      - Kleidung mitbringen unter der man den BH tragen möchte
      Immer gut für einen Test ist ein dünnes T-Shirt oder Top, evtl. mit Elasthananteil, mit dem man testen kann, ob der Übergang zwischen BH und Brust glatt ist oder ob man Brötchen (eine Doppelbrust) hat.
      Wenn man vor allem helle Blusen oder weit ausgeschnittene Tops trägt oder einen BH für ein spezifisches Kleid sucht, wäre es ratsam die entspr. Kleidungsstücke mitzubringen.

      - Verstärkung organisieren
      Oft ist es schöner, wenn man jemanden mit dabei hat, der einem den Rücken stärkt, eine zweite Meinung einbringt und einem gegen aufdringliche, respektlose oder unfreundliche Verkäuferinnen den Rücken stärkt. Es sollte jemand sein, der geduldig ist, Verständnis für deine eventuell vorhandenen Probleme mit deinem Körper hat, dem du im Urteil vertraust und der dir ein gutes Gefühl geben kann. Also – entgegen der Verwendung des männlichen Pronomens – beispielsweise deine beste Freundin. Nicht so eine gute Wahl sind zickige Mütter/Töchter, überkritische Freundinnen mit Körper-Issues oder ungeduldige Partner. So eine BH-Beratung kann manchmal ne ganze Weile dauern.

      - Bewertung der Beratung/Entscheidung für einen BH
      MiaRose hat einen Beitrag dazu geschrieben wie sie sich ein perfektes Bra Fitting vorstellt. Hilfreich könnten vielleicht auch die Entscheidungshilfen für den Online-Kauf sein: BH-Suche 101, zweiter Teil: Richtig anprobieren... und dritter Teil: Behalten oder nicht behalten?
      Wichtig ist auf jeden Fall, daß man sich nicht gegen sein Bauchgefühl entscheidet. Wenn man sich nicht sicher ist, lieber noch mal wiederkommen, als was kaufen mit dem man hinterher totunglücklich ist…

      - Bestellungen – ja oder nein?
       Oft wird angeboten nicht vorhandene Ware zu bestellen. Zu bedenken ist dabei, daß Ware in der Regel nicht auf Kommision gekauft werden kann, d.h. wenn man die Sachen dann nicht haben will, bleibt der Laden darauf sitzen. Daher ist häufig eine Bedingung für die Bestellung, daß man die Sachen dann auch nehmen muß >> von Bestellungen unter dieser Prämisse würde ich dringend abraten; genauso wie von ‘unverbindlichen’ Bestellungen die man ohne ernsthaftes Kaufinteresse tätigt, z.B. als eine Art Kompromiss statt eines Kaufs. Es ist zwar vielleicht unangenehm, aber in solchen Fällen ist es fairer gleich zu sagen, daß man den BH nicht haben will oder man es sich lieber noch einmal überlegt. 

      - Gegenseitiger Respekt
       Eigentlich selbstverständlich möchte man meinen, aber das Thema Respekt ist mitunter tatsächlich das größte Problem… und deswegen schreib ich dazu demnächst einfach noch mal einen Blog-Post, denn: ich hab jetzt einfach keine Lust mehr und ihr wahrscheinlich auch nicht, nach meinem Beitrag in Romanlänge. (Ich kann mich einfach nicht kurz fassen, ich weiß… wer den Beitrag hierhin gelesen hat bekommt ein Fleißbienchen fürs Muttiheft!)

      Wie dem auch sei, ich freu mich wie immer über Ergänzungen und Kommentare. Noch einen schönen Sonntagabend bzw. guten Start in die Woche.
      Cheers,
      eure george

      Posted in , , , | 3 Comments

      BH-Suche 101, dritter Teil: Behalten oder nicht behalten?

      Für mich ist der dritte Teil des Bestellablaufs immer der schwierigste:

      Behalten oder nicht behalten - das ist hier die Frage! 
      Obs edler im Gemüt, die Bügel und Träger
      Des unbequemen BHs erdulden oder,
      Sich waffnend gegen eine See von Plagen,
      Durch Zurückschicken sie enden?*
      Über solche Probleme kann ich - genau wie gewisse dänische Prinzen - tagelang grübeln. ;-)

      Vorneweg: Die Rücksendung ist essentieller Teil einer BH-Bestellung. Wie Schuhe kann man auch BHs nicht einfach blind, ohne Anprobieren, kaufen, denn die Passform hat nicht nur was mit der Größe, sondern auch mit dem Schnitt zu tun. Manche BHs passen wie angegossen,  manche sind eine Katastrophe und einige sind so ein Mittelding. Daher stellt sich zwangsläufig nach der Anprobe die Frage:  Was bleibt und was geht zurück?

      Meist ist die Unentschlossenheit selbst schon der erste wichtige Hinweis, daß man sich nicht sicher ist, ob man einen spezifischen BH behalten möchte. Der Bauch grummelt, aber der Kopf kann sich von dem schönen Stück einfach  nicht trennen. Vielleicht hat man es wochen- oder monatelang im Online-Shop angeschmachtet, dann schlußendlich doch endlich - und vielleicht gerade noch rechtzeitig - auf den Bestellknopf gedrückt... und dann will der dumme BH nicht so richtig halten, was er versprach...

      Oft sind es Kleinigkeiten, die nicht stimmen - das Material ist kratziger als man sich vorgestellt hat, das Band ist enger oder weiter, das Cup doch etwas zu knapp, die Farbe nicht genauso wie auf den Bildern, die Form ist suboptimal oder der Halt ist nicht so dolle. Trotzdem kann man nicht loslassen...

      Eine hilfreiche Sache ist dann, sich einfach mal zu überlegen, was man von dem BH erwartet... oder anders gefragt:
      Brauchst du dringend...
      ... einen Alltags-BH?
      Zum Beispiel weil alle BHs die du besitzt nicht richtig passen? Dann sollte die oberste Priorität sein, daß du dich in dem BH wohl fühlst.
      Betrachte den fraglichen BH also in erster Linie unter funktionalen Aspekten: Er sollte bequem sein (also nicht kratzen, drücken, pieksen), ausreichen Stabilität bieten, möglichst gut passen (keine Brötchen, Steg liegt an usw) und die Brust so formen, daß man sich nicht verstecken möchte.
      Farbe, Muster, Design sind in der Beziehung unter Umständen vernachlässigbar. Wenn man nicht gerade Spaghetti-Tops trägt, wird man von dem BH vermutlich nichts zu sehen bekommen. Die ästhetische Hürde zu überwinden ist nicht so einfach, ich weiß, aber in solchen Fällen eventuell mal angebracht. Sofern man überhaupt etwas bestellt hat, das einem optisch nicht besonders zusagt...

      ... einen Sport-BH?
      Auch hier ist das erste Kriterium, daß er seinen Zweck erfüllt und der Brust bei den (geplanten) sportlichen Bewegungen ausreichend Halt gibt. Tut er das nicht, hat sich die Frage des Behaltens sowieso erledigt. Aber was hilft ein Bombenhalt, wenn das Teil einfach unbequem ist? Wenn man das Gefühl hat, total eingezwängt zu sein, sollte man sich gut überlegen, ob man einen solchen "Brustpanzer" jemals tragen wird.
      Ein weiterer Aspekt ist die Form: Halt und ansprechende Brustform kann, muß aber nicht zusammengehen. Wenn man aber schon weiß, daß man auch beim Sport auf seine Eitelkeit nicht verzichten möchte und die Brustform im BH völlig daneben findet, sollte man vielleicht doch lieber noch ein, zwei, drei andere Modelle versuchen...

      ... einen BH für ein bestimmtes Kleid/eine besondere Gelegenheit?
      Also z.B. trägerlose BHs, Multiway-BHs, Half-Cups (aka Dirndl-BHs) etc. pp.
      Ausgehend davon, daß man diese Sorte von BH vermutlich nicht jeden Tag tragen wird, sondern nur zu bestimmten Outfits,  kann man hier bei der Passform ein bißchen mehr Abstriche machen als bei einem Alltags-BH. Ein etwas abstehender Steg ist beispielsweise zu verkraften, sofern der Halt trotzdem gegeben ist.
      Auch hier gilt: Wenn einem die Brustform/Halt/Design etc. nicht zusagt, lieber zurückschicken als einen neuen Schubladenbewohner behalten.

      Oder *brauchst* du eigentlich gar keinen neuen BH?
      Je weniger man einen neuen BH braucht, desto kritischer kann (und sollte) man natürlich sein - immerhin muß man sich nicht mit Notlösungen über Wasser halten. Entsprechend würde ich in dem Fall auf das Bauchgefühl hören. Wenn dich der BH nicht total begeistert und du schon bessere hast, muß du ihn ja nicht behalten. Zur Sicherheit schau dir noch noch mal die folgenden Punkte an:

      Beliebte Ausreden:
      Aber er ist sooo schön!
      Wenn das alles ist, was der BH kann, dann wirst du davon nicht viel haben - voraussichtlich wird er samt Größenschild in der Schublade verstauben, bis du dich eines Tages durchringen kannst, ihn bei Ebay zu verkaufen. Wahrscheinlich mit Verlust.

      Aber er ist sooo bequem!
      Okay, er mag nicht so viel Halt geben, aber dafür ist er bequem? Dann stell dir die Frage, ob du einen BH zum Zuhause auf dem Sofa rumlümmeln brauchst. Wenn du dich dafür sowieso nicht umziehst, dann hat sich die Frage auch schon erledigt.

      Aber er ist sooo sexy!
      Um sich als sexy Wäsche für ein Date zu eignen, muß der BH draußen tragbar sein, also ausreichend Halt bieten, und (ganz wichtig!) man muß sich darin wohlfühlen. Wenn er beides nicht kann, eignet er sich ausschließlich fürs Schlafzimmer - und da stellt sich dann die Frage ob er dafür sexy genug ist. ;-)

      Aber vielleicht paßt er mir, wenn ich x Kilo abgenommen habe...
      Meeeep. Falsche Antwort. Dieses Auf-Vorrat-kaufen ist schon bei anderen Klamotten keine gute Idee. Entweder es paßt jetzt oder es paßt jetzt nicht. Falls letzteres der Fall ist, zurück ins Rücksendepäckchen...

      Aber die Rücksendung lohnt sich gar nicht...
      In seltenen Fällen mag das richtig sein; meistens sollte der Preis von 3.45€ pro Briefsendung ins Ausland, aber doch nur einen geringen Teil des BH-Preises ausmachen. Und wenn man sich von dem Restgeld mal ein Extra-Höschen leistet - das Zurückschicken lohnt sich eigentlich immer. (Die meisten größeren Shops bieten zudem einen kostenlosen Austausch an.) Schon die Erleichterung, wenn man sich zu einer Entscheidung durchgerungen hat, ist unbezahlbar. ;-)

      Meine letzte schwere Entscheidung: Der himbeerfarbene Charnos Trellis. Die Farbe war toll, der Stoff  traumhaft, die Form theoretisch prima - praktisch rutschte der BH aber wegen minimal zu kleinem Körbchen nach unten weg (kleineres Cup) oder formte formidable In-Cup-Brötchen durch die stark gekürzten Träger. (größeres Cup). Trotzdem wollte ich es nicht so richtig wahrhaben. Nach einer ganzen Woche Grübeln packte ich ihn schließlich ein und brachte ihn zurück zur Post. Danach fühlte ich mich richtiggehend befreit... verrückt!
      Charnos Trellis Raspberry
      Bildquelle: Charnos

      Wie sieht euer Entscheidungsprozess aus?
      Seid ihr knallhart bei der Auswahl oder habt ihr 
      Schubladen voll ungetragener Kleidungsstücke?

      ___________________________
      *Sehr frei nach Bill Shakespeare.

      Kommentare nach dem Jump.


      • Sabine
        Ja, da scheint es uns allen gleich zu gehen! Nachdem ich auch so ein paar Exemplare in der Schublade liegen habe, zu klein, zu kratzig alles was Du schon erwähnt hast, habe ich schon Jahre lang keinen BH mehr per Internet oder Katalog bestellt! Unser Geschäft vor Ort ist leider so teuer (aber auch modern), dass man sich leider nicht so oft entscheiden kann, welchen BH man kauft!
        LG Sabine:)
      • george
        Der Trick ist beim Online-Bestellen wirklich, die Sachen zurückzuschicken und noch mal einen neuen Versuch zu starten...
        Man muß aber dazu sagen, daß ich mit den eher günstigen Marken, die man hierzulande bekommen kann auch generell nicht so gute Erfahrungen gemacht habe. Ich hab deswegen vor allem PrimaDonna und Chantelle gekauft - bis ich die britischen Marken entdeckt habe. Die sind in Deutschland leider auch ziemlich teuer... aber wenn man erst mal seine Größe kennt, kann man mit Bestellungen im Ausland schon einen ganz guten Fundus von passenden, bequemen und schönen Teilen ansammeln.
      • beautyjagd
        Danke für die tolle Serie!! Ich werde mich defintiv mal eingehender mit dem BH-Thema beschäftigen müssen, denn ich gehöre zu denen, die eigentlich immer den gleichen BH kaufen. Aber eigentlich weiß ich gar nicht so genau, was es sonst noch so gibt und ob ich da nicht eigenen Beschränkungen aufsitze (wie in deinem 1.Post im ersten Punkt beschrieben).
      • george
        Ja, ich dachte, ich widme mich mal wieder ne Runde den Basics. ;-)

        Grundsätzlich finde ich es gar nicht so abwegig, bei einem BH-Modell zu bleiben, wenn man damit glücklich ist. Die Frage ist halt nur, ob man der Passform dann noch genug Aufmerksamkeit schenkt - so ein Körper ist ja im Wandel und ab und zu sollte man schon checken, ob der BH richtig sitzt. Ich hab dazu ganz am Anfang den "Ersten Passform-Check" verfaßt, aber ich sollte vielleicht noch mal ein paar detailiertere Postings zu den einzelnen Problemen verfassen. B)
      • Die Serie ist echt ein Traum. Von Anfang an, gut zusammengefasst... Perfekt. Ich bin wirklich dafür dass du die Serie irgendwo als Permanentlink hinsetzt. *fähnchen schwenk*
        My recent post [only her] Dezemberangebot - Espresso und Latte
      • george
        Mhm. Ich wollte mal ein Inhaltsverzeichnis machen... bzw. zumindestens die Beiträge auflisten, in denen es um Basics geht.

        Danke für das überschwengliche Kompliment. :* Es freut mich, daß die Serie ankommt...
      • Blauregen
        Danke, das hat mir sehr geholfen! 

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      BH-Suche 101, zweiter Teil: Richtig anprobieren...

      So, angenommen ihr habt eine kluge Auswahl getroffen, über eine der unzähligen Rabattaktionen ein paar Schnäppchen geschlagen, die Bezahlung per Kreditkarte oder Paypal hat einwandfrei geklappt und die Sachen sind schnell sicher und wohlbehalten bei euch angekommen und ihr sitzt nun vor einem mehr oder weniger großen Haufen von BHs, die anprobiert werden wollen...

      Aber - haha! - Bra-Fitting ist eine Wissenschaft für sich, daher muß bei der Anprobe folgendes beachtet werden:

      Punkt 1: Der Haken an der Sache
      Niemals nicht sollte ein neuer BH direkt auf der engsten Einstellung geschlossen werden. Ihr habt das bisher so gemacht? Jetzt ist Schluß damit! Ein BH soll auf dem äußersten/weitesten Häkchen stabil und bequem sitzen. Das hat den Sinn, daß man den BH, wenn er ausleihert (und das ist leider unumgänglich), etwas enger stellen kann. Wenn du den BH direkt auf dem engsten Häkchen schließen mußt, damit er gut sitzt, solltest du ihn gegen eine Unterbrustbandgröße kleiner tauschen. (Achtung, dann ein Körbchen hochgehen! 80C > 75D)

      Punkt 2: Das Unterbrustband läßt sich nur mit Mühe schließen?
      Das ist auch nicht Sinn der Sache! Das Band sollte stabil und fest sitzen, aber möglichst noch bequem. Es geht nicht darum, eine Meisterschaft zu gewinnen. Ggf. empfiehlt es sich, einen Verlängerer zur Hand zu haben, damit man mal ausprobieren kann, ob das Band eine Größe größer nicht vielleicht angenehmer und trotzdem noch stabil sitzt. (Aber Achtung, ein Verlängerer verändert die Trägerposition und kann zu einer schlechteren Passform führen!)

      Punkt 3: Träger regulieren!
      Träger regulieren bedeutet nicht, sie maximal zu kürzen noch sie maximal zu verlängern. Man sollte aber auch nicht einfach nur die voreingestellte Länge versuchen. Mit den Trägern kann man das Körbchenvolumen und die Brustform verändern - daher ist es total wichtig, ein bißchen mit der Länge zu experimentieren um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie der BH paßt.
      Träger müssen auch nicht beide auf die gleiche Länge eingestellt werden - oft zeigt sich bei gut passenden BHs, daß die Brüste nicht exakt gleich groß sind. Mit unterschiedlichen Trägereinstellungen läßt sich diese Asymmetrie meist ganz leicht ausgleichen.

      Punkt 4: Bügelbreite kontrollieren
      Die Bügel sollten auf keinen Fall auf dem Brustgewebe aufliegen, aber nach Möglichkeit auch nicht weit vom Brustende entfernt liegen, weil dadurch der Halt durch den Körbchenstoff reduziert und das Unterbrustband künstlich verlängert wird. (Ein zu enges Band kann die Bügel stark in die Breite ziehen)
      Um herauszufinden wo die Brust endet, kann man sie leicht anheben und zur Seite drücken. Ggf. die entstehende Falte mit einem nicht abfärbenden Stift markieren. Danach unbedingt noch einmal tasten, ob man vielleicht jenseits der Falte noch Brustdrüsenausläufer hat. (Das kommt häufiger vor)

      Punkt 5: Den BH ordentlich anziehen
      Ihr werdet es nicht glauben, wie oft das vorkommt, daß ein BH nicht richtig angezogen ist. Ständig-dauernd-laufend! Um zu sehen, ob er paßt, ist es aber superwichtig, darauf zu achten, daß die Bügel in der Brustfalte liegen und nicht irgendwo, daß die Brustwarze nach Möglichkeit im tiefsten Punkt des Cups verstaut ist (meist da wo sich die Nähte treffen), daß alles Gewebe das zur Brust gehört sich im Körbchen befindet usw.
      Eine Anleitung zum richtigen BH-Anziehen (mit Video!) findet ihr im Busenfreundinnen-Forum.

      Punkt 6: Natürliches Brustvolumen vs. Körbchenvolumen
      Es kommt vor, daß die Größe schon ganz gut paßt, aber der BH trotzdem katastrophal sitzt.
      Häufige Probleme sind:
      Der obere Körbchenrand schneidet leicht! in die Brust ein - wenn das das einzige (!) Problem ist, also der Steg anliegt, die Bügelbreite paßt und wirklich nur kleine Brötchen entstehen, dann heißt das, daß der Schnitt einfach nicht zu euch paßt.
      Die Brust wirkt oben merkwürdig abgeflacht: Das Körbchen ist vermutlich zu klein oder (bei Half-Cup-Schnitten) ihr habt zu wenig Volumen im oberen Bereich.
      Die Brüste rutschen zur Mitte: Entweder der Steg ist zu niedrig oder die Körbchen haben die größte Tiefe zu weit außen - eure Brüste stehen aber eng zusammen und "gucken" nach vorne.
      Die Bügel pieksten die Achsel: Sind sie zu lang oder ist das Band zu eng?
      Weitere Hinweise gibt es unter Häufige Passform-Probleme bei - erraten - den Busenfreundinnen.

      Punkt 7: Der T-Shirt-Test
      Soweit sieht alles gut aus? Dann mal ein dünnes T-Shirt drüberziehen und schauen, ob der Übergang zwischen BH und Brust glatt ist. Da sollte sich nichts (!) abzeichnen. Die Form sollte natürlich auch überzeugen. Immer noch alles ok?

      Punkt 8: Ein paar heftige Bewegungen
      Dann ein paar mal auf und ab hüpfen, sich bücken oder sonstwas machen. Ist die Brust immer noch richtig verstaut? Dann sieht es nach einem Erfolg aus! Herzlichen Glückwunsch.
      Wenn es kein Treffer war: Nicht traurig sein, sicher ist der passende BH schon fast in Reichweite.

      Punkt 9: Der Foto-Test (fakultativ)
      Wer sich immer noch nicht ganz sicher ist, der kann ja per Selbstauslöser mal ein paar Fotos machen. Oft sieht man erst mit etwas Abstand, daß es ein Problem gibt und worin das besteht. 
      Zu guter Letzt noch einen letzten BF-Hinweis: Im Forum gibt es die Möglichkeit, sich für eine sog. Umkleidekabine anzumelden und dort einem kleinen Kreis die geschossenen Selbstportraits (ohne Kopf!) vorzustellen. Zur Beratung und um ein paar Tips zu bekommen, ist das oft ganz hilfreich. Auch wenn man schon so ein alter Hase ist wie ich. ;-)

      Demnächst gibt's dann den letzten Teil der Mini-Serie:
      Behalten oder nicht behalten - das ist hier die Frage?

      So, verehrte Leserinnen, hab ich irgendwas Wichtiges vergessen?


      Erster Teil: Die richtige Auswahl treffen
      Dritter Teil: Behalten oder nicht behalten? 




      Kommentare nach dem Jump.


      • Die Serie wird wohl ein "must read" für alle Neulinge - und eine gute Erinnerung für alle, die schon länger dabei sind ;)

        Super zusammengefasst! Hast du da auch wieder so einen Serienlink? *gleich im www verteilen mag*
        My recent post [only her] Dezemberangebot - Espresso und Latte
      • george
        Danke für die Blumen. :)
        Ja, ich hab mir gedacht, ich schreib mal wieder was über die Basics - kann ja nie schaden.

        Der TAG 101 ist "exklusiv": http://drueberunddrunter.blogspot.com/search/labe...
      • Bin zufällig auf Deinen Blog gestoßen und finde ihn toll! Vielen Dank für die Infos!

        LG
        My recent post AMU mit der Vampire&#039s Love Palette von Essence
      • george
        Aber gerne. Es freut mich, daß du mich gefunden hast. :)
      • Astrid D
        Großartig!
        Und Glückwunsch zum tollen blog, bei diesem Eintrag kann ich allerdings die Finger nicht mehr stillhalten:)
        Am liebsten würd ich den Post ausdrucken und den ganzen Neunmalklugen Kundinnen in die Hand drücken bevor sie in die Kabine gehen!
        ...wäre nur unklug, dann hätte ich keine Daseinsberechtigung mehr:)
        Freu mich, daß es Euch gibt!
      •  Hallo Astrid.
        Danke für die Blumen! (rotwerd)
        Ich freu mich sehr, daß dir der Beitrag und der Blog gefällt. :)
      • Astrid D
         Hihi, und das will was heißen (wage ich zu behaupten), bin ich doch eine "professionelle Wäschetante" :)

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      BH-Suche 101, erster Teil: Die richtige Auswahl treffen

      Nachdem ich euch in den letzten Wochen 1001 Angebote gepostet habe, dachte ich, ich schreib mal ein bißchen was zum Thema BH-Kauf, Anprobieren und Entscheidung treffen, ob man ein Teil behalten will oder nicht. Weil das eher umfangreich ist, mache ich eine klitzekleine Reihe draus. Heute fange ich mit ein paar typischen "Anfängerinnen"-Fehlern bei der Bestellauswahl an, die ich bei den Busenfreundinnen mitbekommen aber auch an mir selbst und an Freundinnen beobachtet habe. 

      Viele Frauen haben überhaupt kein Gefühl dafür, wie ein BH richtig sitzen muß, deswegen ist es gerade am Anfang ganz besonders schwierig, zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen. Da ich davon ausgehe, daß die BHs zur Größenbestimmung online bestellt wurden, schreibe ich über das Szenario. Selbstverständlich kann man auch in ein Wäschegeschäft gehen, dafür sind die folgenden Tips sicher auch nützlich. (Hoffe ich zumindest.)

      Punkt 1: Die Modell-Auswahl
      Egal ob man per Versuch & Irrtum schon eine einigermaßen passende Größe ermittelt hat (z.B. durchs Anprobieren von Kreuzgrößen im Laden) oder ob man eine Online-Beratung bei den Busenfreundinnen hat durchführen lassen, die richtige Auswahl ist meist ausschlaggebend für einen schnellen Erfolg.
      Viele Frauen lassen sich von ihren bisherigen Auswahlkriterien leiten und bestehen auf gepaddeten BHs (weil ungepaddete angeblich nicht schön formen), gemouldeten BHs (weil Nähte auf der Brustwarze scheuern), auf BHs ohne Bügel (weil Bügel immer drücken) oder generell darauf, daß sie möglichst schön sind.
      Wenn ich ehrlich bin, habe ich auch genau so angefangen - und nach Vorlieben gekauft statt nach pragmatischen Gesichtspunkten. Pragmatisch wäre aber, sich an erprobten Modellen zu versuchen, um ein Gefühl für Größe und Passform zu bekommen. Oft kann man erst mit einem BH die Eigenschaften einer Brust bestimmen - dann sieht man ob die Brustbasis groß oder klein ist, ob die Brust oben viel oder eher wenig Volumen hat, ob sie flach ist oder eher tief... all die Eigenschaften, die man ihr so nicht einfach ansieht. 
      Wenn man erst mal rausgefunden hat, welche Größe man (ungefähr) braucht und welche Schnitte gut passen, dann kann man sich immer noch am riesigen Angebot austoben.

      Punkt 2: Die Auswahl der Größen
      Zusätzlich zum unter Punkt 1 besprochenen "Fehler" kommt häufig noch die Überlegung, daß man sich nicht leisten kann, das Geld für größere Mengen BHs vorzuschießen. Also werden z.B. drei Modelle in je einer Größe geordert. Weil keins davon auch nur annähernd paßt, ist die Frustration groß.
      Ich habe auch ein paar Monate gebraucht, um von dieser Denkweise wegzukommen!
      Es ist so-so viel hilfreicher einen direkten Vergleich nicht nur zwischen Schnitten sondern auch zwischen verschiedenen Größen zu haben. Es ist schon vorgekommen, daß eine Größe so furchtbar saß, daß sich der Verdacht aufdrängte, der Schnitt sei einfach inkompatibel mit der Brustform - und eine andere Größe paßte dann wie angegossen. Daher spart es wirklich viel Zeit und Nerven, ein BH-Modell in zwei oder mehr Größen zu bestellen. Sinnvoll ist dabei zwei unterschiedliche Körbchengrößen zu wählen, also z.B. 75F und 75G oder 30D und 30DD, denn zum Ausprobieren ob eine Bandgröße weiter vielleicht bequemer wäre, kann man immer einen Verlängerer verwenden.

      Punkt 3: Wo gebe ich die Bestellung auf?
      Der Shop sollte die gewünschten Modelle in den benötigten Größen vorrätig haben, also eine gewisse Auswahl bieten. Viele kleinen Shops, die sich auf Marken oder Auslaufmodelle spezialisiert haben, fallen daher schon mal weg. Zu achten wäre außerdem darauf, daß ein Exchange (Austausch) nach Möglichkeit kostenfrei geschickt wird, da man bei den Rücksendungen ins Ausland die Portokosten selbst tragen muß.
      Innerhalb Deutschlands muß die Rücksendung bei einem Warenwert von mehr als 40€ kostenlos sein. (Gilt natürlich nur für kommerzielle Anbieter.)
      Eine Übersicht über deutsche und europäische Online-Shop samt Erfahrungsberichten findet ihr bei den Busenfreundinnen.
      Wenn ihr die Möglichkeit habt, ein gut sortiertes Wäschegeschäft in eurer Nähe aufzusuchen, wäre das vermutlich die einfachere Lösung.

      Punkt 4: Realistische Erwartungshaltung
      Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die erste Bestellung ein Reinfall ist. In der Online-Beratung bei den Busenfreundinnen kann nur eine Ausgangsgröße ermittelt werden. Welche Größe euch schlußendlich paßt, müßt ihr leider selbst herausfinden. Macht euch daher seelisch darauf gefaßt, daß es sein kann, daß ihr nicht sofort die richtige Größe oder den richtigen Schnitt für euch erwischt. Laßt euch davon nicht runterziehen - manchmal dauert es eben ein Weilchen. Dafür wird es umso toller, wenn ihr Mr Right dann endlich gefunden habt. :)

      Demnächst geht's dann weiter mit: Richtig anprobieren...

      Falls euch noch was zum Thema einfällt 
      - Fragen, Kommentare, Hinweise, Tips, Ergänzungen - 
      immer her damit!


      Ein Anfänger-BH für kräftigere Frauen,
      der Elomi Caitlyn in der Saisonfarbe
      Peacock (Sommer 2012) | Bildquelle:
      Elomi Lingerie

      Wie ihr euch vielleicht schon gedacht habt, habe ich gerade (eigentlich) üüüberhaupt keine Zeit zum Bloggen. :( Naja, so Phasen gibt's, da muß man durch...


      Verwandte Beiträge bei drüber & drunter:

      Wie finde ich die richtige BH-Größe?
      Der erste BH-Paßform-Check
      BHs online kaufen - Top oder Flop?
      Links zu weiteren Postings findet ihr unter Bra-Fitting Basics / BHlogie

      Weiterführende Informationen 
      bei den Busenfreundinnen:

      Wozu gibt es dieses Forum? Was erwartet mich hier?
      - Erste Infos zu den Busenfreundinnen


      Zur Beratung: Vermessung der Brust und andere Informationen
      - Hier wird erklärt wie das genau funktioniert mit dem sog. "Erstberatungsthread"
      siehe auch FAQ: Wie bekomme ich eine Beratung?

      Einführung in die BHlogie - mit Einführungsthreads verschiedenen Brustgrößen, der Passform-FAQ, dem BH-Lexikon und anderen hilfreichen Informationen

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